Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

04. August 2009 08:10 Uhr

USA

Zwergpferd Cali ersetzt den Blindenhund

Die blinde Muslimin Mona Ramoni lebt im US-Staat Michigan und lässt sich von Zwergpferd Cali führen. Die beiden sind ein starkes Team und im Büro, Restaurant oder im Bus unzertrennlich.

DEARBORN (AFP). Mona Ramounis Finger fliegen über eine Seite in Blindenschrift. Cali findet das langweilig. Das Pferd stupst sie mit der Schnauze an und kassiert dafür einen kleinen Rüffel: "Cali, hör auf! " Wirklich sauer ist Mona Ramouni nicht, denn das Zwergpferd leistet wertvolle Dienste. Cali ist ein Blindenpferd, es führt Mona Ramouni durch den Alltag und ist immer dabei – im Bus, im Büro, und im Fastfoodrestaurant.

Cali erfüllt eine Aufgabe, die normalerweise von Hunden ausgeführt wird: Blindenhunde haben sich seit langem als Helfer von Sehbehinderten bewährt. Für Ramouni, die in Dearborn im US-Bundesstaat Michigan lebt, gab es da ein Problem. Sie lebt im Haus ihrer aus Jordanien stammenden Eltern. Und im islamischen Kulturkreis gelten Hunde als unrein. Zwar haben Religionsgelehrte geurteilt, dass Blindenhunde islamkonform sind; doch konnten sich Ramounis Eltern nie damit anfreunden. Also kam Mona die Idee mit dem Pferd.

Im vergangenen Oktober kaufte sie die vierjährige Cali. Das Zwergpferd ist so klein, dass es in Busse, Bahnen und Wohnungen passt. Sieben Monate lang bereitetete die Tiertrainerin Dolores Artse das Pferd auf seine Aufgabe vor. Cali warnt durch Hufklappern vor Hindernissen, steigt in öffentliche Verkehrsmittel ein und räumt gelegentlich Gegenstände aus Ramounis Weg. "Ich fühle mich jetzt viel mehr als Teil der Welt", sagt sie. "Und ich bin sichtbarer für die Welt geworden."

Werbung


Oft wird die 29-Jährige auf das Pferd angesprochen. Sie genießt das, sie ist stolz. "Sie ist wirklich ein tolles kleines Pferd", sagt Ramouni. "Wenn sie etwas will, dann versucht sie es mit ihrem ganzen Herzen." Es dauert bis zu einem Jahr, bis sich Blinde und ihre vierbeinigen Helfer aneinander gewöhnen. "Ich arbeite mit Cali, und sie arbeitet mit mir", sagt Ramouni. "Wir tasten uns aneinander heran."

Blindenpferde haben den Vorteil, dass sie älter werden als Hunde – bis zu 30 Jahre. Ein Nachteil sind die hohen Kosten für Training und Pflege. Und nicht alle in ihrer Umgebung brachten Verständnis für Ramounis zotteligen Begleiter auf. Ein Nachbar wollte kein Pferd in der Wohngegend dulden. Bei den Ramounis seien außerdem Hass-Emails eingegangen.



Ramouni möchte Cali aber nicht mehr missen. "Ich habe jetzt viel mehr Chancen", sagt sie. Als nächstes will sie ihren Doktor in Kinderpsychologie machen und dann eine eigene Praxis eröffnen. "Was ich will, ist ganz einfach ein normales Leben", sagt sie.

Autor: Mira Oberman, AFP