Kleinkunst

Pantomime aus Neuseeland, Kabarett aus Niederbayern

Heidi Ossenberg

Von Heidi Ossenberg

Mo, 21. Januar 2019 um 20:13 Uhr

Theater

Eine kleine aber feine Auswahl: Internationale Gruppen und Künstler eröffneten am Sonntag die Kulturbörse und das Grenzenlos-Festival auf der Messe Freiburg.

Kabarett aus Berlin und Niederbayern, Poetry-Slam im Deutsch-Schweizer Duo, Pantomime aus Neuseeland, Akkordeon-Musik aus Portugal und eine Kombination aus animierter Leinwandperformance und Seilakrobatik – diese ansprechende Mischung gab am Sonntagabend auf der Freiburger Messe den traditionell gemeinsamen Startschuss für die 31. Internationale Kulturbörse und das 20. Grenzenlos Festival.

Wer den Foyerbereich der Messe betrat, die bis zum Mittwoch zum Schaufenster für Kleinkunst, Musik und Event wird, der bemerkte eine Veränderung zu den Jahren zuvor sofort: Die Veranstalter haben eine Zuschauertribüne aufgebaut, vor der sich Straßentheater-Gruppen nun konzentrierter präsentieren können. Hier zeigten sich aus Spanien die fröhlichen Nilpferde des Zum-Zum Teatre und die eindrucksvollen "Big Dancers" aus beleuchteten geometrischen Figuren von El Carromato. Seitlich davon stand Georg Traber auf einem Eschenstangen-Gerüst, das er kletternd weiterbaute.

Melancholisches Akkordeon

Im Theatersaal dann empfing die Zuschauer Akkordeon-Musik. Den vier Männer von Danças Ocultas aus Lissabon gelang es mühelos, die Zuschauer in eine melacholisch grundierte Klangwelt zu entführen – aus der Timo Wopp, in Berlin lebender Kabarettist mit norddeutschem Humor und Moderator des Abends sie dann etwas unsanft wieder herauskatapultierte. Wopp ist ein Schnellsprecher und Pointendrescher, der sich in seinem Programm, das zu präsentieren er deutlich ernster nahm als seinen Moderatorenjob, der Krise des eigenen Genres annahm. "Recherche ist der Feind der Meinung" meinte Wopp – um im Laufe des Abends dann aber wieder zu einem "krassen Konsenskabarett" zurückzufinden, in dem eigene Meinung und Haltung keine Rolle mehr spielen. Wirklich gelungen war Wopps Bälle-Jonglage, die er als "haptische Powerpoint-Präsentation" ankündigte und in der er die Bälle inhaltlich passend zu seinen Worten balancierte.

Kluge Wortgefechte lieferten sich Fatima Moumouni und Laurin Buser, die unter dem Namen Zum Goldenen Schmied auf Poetry Slam-Bühnen auftreten. Ihr "Arthouse-Film" über die Wimper hatte die Qualitäten eines Mini-Theaterstücks und ihr Dialog über Angst und Zweifel zeugte von philosophischer Tiefe und Ernsthaftigkeit.

Vom Standesbeamten zum Schauspieler

Der dritte Wortkünstler des Abends war der Niederbayer Martin Frank. Der Mittzwanziger verblüffte mit seiner erstklassigen Tenorstimme – kann aber nicht nur singen, sondern auch herrlich komisch von einer sexuellen Belästigung auf einem Friedhof erzählen. Die secret codes der Gießkannen-Nutzung sollten auch junge Männer kennen! Selbst dem Thema Organspende konnte Frank, der für eine Schauspielausbildung seinen Beruf als Standesbeamter aufgab, noch lustige Seiten abgewinnen. Von ihm würde man gerne ein abendfüllendes Programm sehen!

Neuseeländischen Humor hatte der Pantomime Trygve Wakenshaw mit in die Theaterhalle gebracht. Beeindruckende Körperbeherrschung kombinierte der großgewachsene Durchtrainierte mit Slapstick – sein Pistolenduell mit verteilten Rollen, sein nachgespieltes Rapunzel-Märchen oder auch sein urkomischer Striptease brauchten keine Worte.

Für den ästhetischen Höhepunkt des Abends sorgte Ilmatila aus Finnland. Eine von der Architektin Tuula Jeker entworfene virtuell animierte Leinwand wird dabei von der Seilartistin Illona Jäntti kunstvoll bespielt. Farben, Musik und der Dialog zwischen virtueller Realität und Wirklichkeit fließen in ein zauberhaftes Miteinander.

Das Publikum verließ den Eröffnungsabend in dem Bewusstsein, nur eine kleine, feine Auswahl von Bühnenproduktionen gesehen zu haben, die die Genres Kleinkunst, Musik, Artistik und Straßentheater bieten. Karl-Heinz Helmschrot hat den Abend inszeniert. Wer Lust auf mehr hat, kann die Kulturbörse noch bis Mittwoch besuchen, das Grenzenlos-Festival dauert sogar noch bis zum 3. Februar.