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04. Mai 2010
Konzerte
Bass-Gewummer: Bratze, Egotronic und Frittenbude in Freiburg
Bratze, Egotronic und Frittenbude in Freiburg.
Die erste Textzeile müssen sie missverstanden haben. Anderthalb Stunden haben die vorwiegend jungen Leute schon im White Rabbit gewartet, als Bratze sich endlich auf der Bühne blicken lassen. Hätte ja sein können, dass die beiden Herren es ernst meinen mit "Keinen Bock mich zu bewegen". Verhaltenes Kopfnicken bei den Zuschauern. Man hat Respekt und beim zweiten Track dann auch begriffen, dass der Tanzboden eröffnet ist.
Elektro-Punk, die Kombination aus elektronischer Musik und Punkrock, trifft offenbar den Nerv der Zeit. Nur ein Tag lag zwischen den beiden Konzerten von Bratze im White Rabbit und Egotronic plus Frittenbude im Jazzhaus. Drei Hamburger Bands, die sich ein eigens für ihren Musikstil eingerichtetes Label, Audiolith, teilen. Über volle Kassen dürften sich nach den Elektro-Punk-Abenden übrigens beide Veranstalter in Freiburg gefreut haben.
Im White Rabbit wird die Stimmung immer besser. "Ohne das ist es nur noch laut" ist ein Kracher. "Sie rocken schon das Haus, ey", meint dann auch ein Zuschauer. Die Lage ist stabil, kommt es in dem Moment von der Bühne. Das Publikum springt, die Arme gehen hoch. Der Tante Renate und ClickClickDecker belohnen es mit einem Einschub aus "Mindestens in 1000 Jahren" der Kollegen von Frittenbude. Man freut sich schon auf deren Konzert zwei Tage später. Bratze wissen, was gut ist – aber offenbar nicht, dass Egotronic und Frittenbude ebenfalls in Freiburg gastieren. Jedenfalls weisen nicht auf das Konzert im Jazzhaus hin.
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Einzelne Wortfetzen finden ihren Weg durch Beats und Bässe, die den Indietronic-Sound erzeugen. Ausreichend Text, um die Message zu verstehen. "Kannst du das für dich behalten? Das kannst du für dich behalten!", Bratze werfen mit Wortspielen um sich. Das Volk tanzt im Flash Light. Und Ende. Bratze-Rufe. Es geht weiter. "1, 2, 3, 4" – so zählt man Punkrock an. Und so endet Punk heute: "Wenn ich dann komm’, bin ich dann willkommen? Wenn ich dann geh, wohin geh ich dann?"
Am besten übermorgen ins Jazzhaus, hätten sie Bratze antworten können. Schweiß tropft literweise von der Decke, nasse Körper reiben sich aneinander. Wenn Egotronic aufspielt, sollte man sich auf ein wildes Treiben einstellen. Schon an der Garderobe im Jazzhaus wird gewarnt, man solle doch lieber auch den Pulli abgeben, es werde "sicherlich sehr heiß werden". Die Warnung war berechtigt.
Das Publikum – sehr viel linker Partynachwuchs – kann sich über gut aufgelegte Egotronicer freuen, die mit vielen neuen Tracks vom aktuellen Album "Ausflug mit Freunden" in den Abend starten. Das lyrische Spucken auf falsche Toleranz und das tödliche Leben lassen einen sofort mit den Armen fuchteln. Dann der Dauerbrenner "Raven gegen Deutschland". Egotronic haben uns was mitgebracht: Bass! Bass! Bass! Der Saal bebt und die ersten Nachwuchs-Raver gehen zu Boden, denn Luft zum Atmen gibt es schon lange nicht mehr.
Nach einer Stunde Egotronic löst Frittenbude ab, bekannt für Plagiate und dröhnende Partylieder wie "Electrofikkke" und "Pandabär". Die drei Münchner haben ein einfaches Rezept: Man orientiere sich an Deichkind und rocke dann das Haus. Was Egotronic angefangen hat, bringt Frittenbude zu Ende. Der ganze Saal besingt die Liebe zu Acid. Noch mehr Publikum als vorher. Und dann, nach einiger Zeit in Ekstase, ist das Konzert plötzlich vorbei. Man erwacht aus einer Massentrance, blickt orientierungslos um sich – die Herren haben ganze Arbeit geleistet.
Autor: Britta Kuck/Severin Weigend
