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16. Oktober 2014

Paten leben Solidarität

Mechtild Eisfeld hat Patenkinder in der nicaraguanischen Stadt Wiwilí – und hat die von ihr Unterstützten vor Ort getroffen .

  1. Mechtild Eisfeld Foto: thomas Kunz

  2. Mario José Tercero mit Frau und Kindern, rechts von ihm Luis Mario, Patenkind von Mechtild Eisfeld Foto: Privat

19 Tage brauchte das Frachtschiff von Barcelona nach Veracruz in Mexico, danach ging’s in sechs Tagen per Bus durch Guatemala und Honduras nach Nicaragua. Für ihre nunmehr dritte Reise nach Wiwilí wollte Mechtild Eisfeld schon auf dem Weg nah dran sein an den Menschen. In Wiwilí selbst blieb sie dann zwei Wochen – um möglichst viel, möglichst direkt und ungefiltert von der Stadt mitzukriegen, mit der Freiburg seit 1984 eine Städtefreundschaft verbindet. Und in der Mechtild Eisfeld seit fünf Jahren als Patin Kinder in zwei Familien unterstützt.

2007 haben Stadt und Wiwilí-Verein das Netzwerk der Patenschaften begonnen – unter dem Motto "Gelebte Solidarität". Die Zahl der Patinnen und Paten hatte sich bald auf etwa 40 eingependelt. Seit allerdings OB Dieter Salomon im Frühjahr dieses Jahres mit einer Delegation in Wiwilí war, hat die Zahl der Patenschaften noch einmal zugelegt: 57 Kinder sind es nun, die von der zweckgebundenen Unterstützung profitieren. "Es sind ausdrücklich Schulpatenschaften", erklärt Mechtild Eisfeld, "die Partnerorganisation Adem schaut sehr darauf, dass Kinder damit unterstützt werden, die damit tatsächlich auch etwas anfangen können."

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Ihre bisherigen Patenkinder sind inzwischen aus der Schule mit guten Abschlusszeugnissen "rausgewachsen" – damit endet die Patenschaft. Jetzt wollte Mechtild Eisfeld ihre "Neuen" treffen. Die hatten ihr schon Briefe geschrieben, nun standen sie vor ihr: der siebenjährige Kelman Javier Rivera und Luis Mario Tercero-Centeno, 11. Beides aufgeweckte, muntere Jungs, erzählt sie: "Ich bin froh, dass ich nun einen sehr persönlichen Draht zu den Familien habe und weiß, wie sie leben und was sie beschäftigt."

360 Euro im Jahr geben die Paten, damit Kinder so versorgt und ausgestattet sind, dass ihre Schullaufbahn nicht an der allgegenwärtigen Armut scheitert. "Das sind oft ganz banale Dinge, die einfach nicht da sind", beschreibt Mechtild Eisfeld ihre Eindrücke bei den Besuchen von Familien in Wiwilí. Die 75-jährige Mediatorin zählt auf: Mal gibt es keinen Tisch, an dem das Kind arbeiten kann, mal hat eines keine Schuhe – die aber braucht es für den Schulbesuch: "Es herrscht dort bittere Armut."

Genau dieses – die Armut in den Ländern des Südens – hat Mechtild Eisfeld schon immer bedrückt: "Ich kann das nur schwer ertragen, wie gut wir hier leben – während es anderswo an fast allem fehlt. Dass globale Gerechtigkeit nicht stattfindet, wurmt mich." Ihre Konsequenz: "Ich gebe gerne ab." In Wiwilí, der einen Stadt, die aus zwei Orten diesseits und jenseits des Rio Coco besteht und die weit ausgedehnt ist, konnte sie anders als bei ihren kürzeren Besuchen 1991 und 2011 nun vieles miterleben, was sie in diesem Impuls bestärkt hat: "Wir müssen diesen Kontakt nicht nur erhalten, sondern eher noch intensivieren – alles dort ist nur rudimentär wie die Gesundheitsversorgung und die ganze Infrastruktur." Das betrifft auch die Schulen selbst – weit verstreut auch sie, schon die Schulwege sind deshalb eine Herausforderung. Zwei Stunden zur Schule laufen? Das ist keine Seltenheit für die Kinder.

Aber nicht nur für sie findet Mechtild Eisfeld Spenden zur Armutsbekämpfung wichtig und sinnvoll. Auch für Frauen müsse in Wiwilí viel getan werden – ihre Anregung im Gespräch mit Einheimischen: "Sie könnten ein Frauenradio einrichten, um die Frauen zur Teilhabe zur ermächtigen – die Frauen in Wiwilí müssen viel mehr gehört werden. Sie brauchen eine Stimme!" Für Mechtild Eisfeld lebt die Verbindung mit Wiwilí. Und erst Recht nach diesem Besuch, da sie einen unmittelbaren Eindruck gewonnen hat von dem vertrauenswürdigen Umgang mit allem, was aus Freiburg beigetragen wird, betont sie – und bezeichnet sich selbst als "reich beschenkt" mit dieser sehr intensiven und informativen Reise.

Infos zu Wiwilí-Patenschaften gibt’s bei Ariane Hötzer im Referat Internationale Kontakte bei der Stadt: Tel. 0761/2011024 oder ariane.hoetzer@stadt.freiburg.de

Autor: Julia Littmann