Perfekter Abschluss endet mit einem C

Thomas Loisl Mink

Von Thomas Loisl Mink

Di, 07. August 2018

Lörrach

STIMMEN II: Fink begeistern im Burghof ein eher junges Publikum.

Der letzte Ton des diesjährigen Stimmen-Festivals war ein C. Als die Band Fink in kleiner Besetzung zur Zugabe wieder auf die Bühne kam, stellte Bandleader Finian Paul Greenall fest: "Wenn dieses Stück zu Ende ist, wird der letzte Ton des Festivals verklungen sein, und das ist ein C." Bis dahin erlebten die Zuhörer im Burghof aber ein herausragendes Konzert mit einer großartigen, aber recht eigenwilligen Band, die das überwiegend junge Publikum vollkommen begeisterte.

Fink spielte einen urbanen, sehr britisch gefärbten Indie-Rock, der eine betörende Wirkung entfaltete. Getragen von einer vertrackten Drum & Bass Rhythmik standen dabei Greenalls manchmal lamentierende, manchmal kraftvoll durchdringende Stimme und seine akustische Gitarre im Vordergrund. Eigentlich erstaunlich, wenn man weiß, dass der 46-Jährige ursprünglich von der elektronischen Musik kommt, von Acid House, dann auch vom Trip-Hop (ein getragener und rhythmischer Stil elektronischer Musik wie ihn etwa Massive Attack, Portishead oder Nightmares On Wax pflegen). 2006 nahm er die Akustikgitarre zur Hand und kreierte einen Sound, der Singer/Songwriter, Indie-Rock und Trip-Hop zusammenbringt.

Die musikalischen Einflüsse sind vielfältig, worauf ein Film hinwies, der vor der Show im Burghof gezeigt wurde, ein von der Band selbst gefertigter Zusammenschnitt von Video-Szenen, der mit dem Pressen von Schellack-Platten begann und eine Vielzahl überwiegend britischer Rockmusiker zitierte. Am Ende zoomte die Kamera auf ein altes Gemälde mit religiösem Motiv und dem Schriftzug "Resurgam", was etwa bedeutet "Ich werde auferstehen". Es ist der Titel von Finks jüngstem Album, mit dessen Titelsong das Konzert, unmittelbar als die Leinwand dunkel wurde, startete.

Fink ist eigentlich ein Trio mit Bass (Guy Whittacker, Sohn des Schlagersängers Roger Whittacker), Schlagzeug (Tim Thornton) und Finian Paul Greenalls Stimme und akustischer Gitarre. Live wurde es durch ein zweites Schlagzeug und eine weitere Gitarre verstärkt, während Thornton gelegentlich auch zur Gitarre griff. Obwohl die Musik der Band sich zunächst nach Singer/Songwriter anhört, lösen sich herkömmliche Songstrukturen auf. Während die Schlagzeuger eigenwillige Rhythmen trommeln, spielt die akustische Gitarre feine Melodien. Von den elektrischen Gitarren kommt ein am Blues geschulter Rock-Sound, vom Trip-Hop elektronische Elemente, die verfremdeten, sphärisch schwebenden Gitarrensounds und die kreisenden, redundanten Strukturen, die im Laufe des Stücks an Intensität zulegen und eine hypnotische Wirkung entfalten. Dass Nebel über die Bühne wabert und die Band oft nur schwach und von hinten beleuchtet ist, verstärkt diese Wirkung noch.

Fink breitet die Stücke episch aus, und während die Melodien langsam und schwermütig klingen, drängen treibende Beats voller Wucht nach vorne, bis manches Stück ins Ekstatische mündet. Fink bewiesen, dass Rockmusik weit mehr sein kann als bloße Unterhaltung, dabei mitreißend und spannend und sowohl lyrisch als auch voll ungestümer Energie. Die Zuhörer im gut gefüllten, unbestuhlten Burghof sind stürmisch begeistert, und Viele erkennen die Stücke schon bei den ersten Gitarrenklängen, so dass Greenall sich aufrichtig freut und am Ende fragt, ob dieses Publikum nicht zu jedem Konzert kommen könne. Auch wenn Greenall meinte, perfekt sei langweilig und unperfekt sei sexy, geriet der Auftritt von Fink zum perfekten Abschluss des Festivals.