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21. Oktober 2011
Persönlich, sachlich, humorvoll
Musikalisch untermalte Autorenlesung sorgt für magische Momente im Hecklinger Schlosssaal.
KENZINGEN-HECKLINGEN. Ein begeistertes Publikum verließ am Sonntagabend den fast vollbesetzten Hecklinger Schlosssaal: Die Autorenlesung der Schreibwerkstatt von Ann Ida Mueller war mit klassischen und szenischen Vorträgen ein klarer Erfolg. Die musikalische Umrahmung gestaltete das Herbolzheimer Duo "Immoment", Susanne Liedtke und Bettina Schönemann-Lehre. Eine geradezu sakrale Stimmung erzeugten Liedtke (Harfe) und Schönemann-Lehre (Geige) mit ihrem musikalischen Auftakt. Kerzenlicht unterstrich die Atmosphäre des herrschaftlich getäfelten Raumes.
"Worte sind Magie" las der aufmerksame Besucher auf einem Bild hinter dem Lesetisch und magisch war auch der perfekt inszenierte Beginn der Lesung: Wortlos verteilen sich die Akteure im Publikumsraum, hörbar zunächst nur eine Frauenstimme aus dem Off: "Männer könnten, wenn sie es verstünden, mit Herz und Verstand agieren." Eine weitere Stimme schaltet sich ein, dann eine nächste, bis die Stimmen aller sich zu einem unentwirrbaren Stimmengemurmel vereinen. Ein Refrain, gesprochen von dem einzigen Mann, durchbricht immer wieder die Frauenstimmen, die mit unterschiedlichen Statements über das Zusammenleben mit Männern räsonieren. Das Ende verläuft sich in immer leiser werdendem Flüstern.
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Die öffentliche Lesung der Kursteilnehmer Beate Grözinger, Claudia Hellstern, Thomas Maurer, Ilse Schiff und Evelyne B. Waltersberger soll ein halbes Jahr gemeinsamer Arbeit krönen. Es ist ein mutiges Unterfangen, zumal die teilweise sehr persönlichen Texte auch beim Lesen noch spürbar nahe gehen.
In der Lesung erweisen sich kurze, auch einmal dissonante Harfenklänge als stimmige Ergänzung. Einige Stücke variieren durch die rauere Stimme der Geigerin den typischen Klang der beiden Musikerinnen.
Fasziniert lauschen die Zuhörer einer Lesung von Beate Grözinger: "Du, geheimnisvolles, verborgenes Wesen", so der Titel. Ausgangspunkt war das von Kursleiterin Ann Ida Mueller gestellte Bild eines bis auf den Mund verhüllten Gesichts. Zärtlich und liebevoll betrachtet Grözinger das unergründbare Gegenüber. Der Schlusssatz: "Komm, erzähl mir davon, ich warte und lausche" ergibt ein offenes Ende, das auch die Fantasie des Zuhörers lockt.
In sprödem Kontrast hierzu erstaunt Evelyne B. Waltersbergers Text "Schalen". Bewusst sachlich wie eine Bedienungsanleitung formuliert und ebenso distanziert vorgetragen, stellt sich fast Frösteln ein im Raum.
Für Lacher sorgt ein "Dialog zwischen Tisch und Bett", in dem die vor dem Schicksal Sperrmüll stehenden alten Möbelstücke einander aus ihrem Leben berichten und in Streit geraten.
Mit humorvollem Blick auf menschliche Lebenswirklichkeit wartet auch der "Vorstadtbahnhof" auf. Alle fünf Teilnehmer der Schreibwerkstatt sprechen wie am Bahngleis stehend. Vertauschte Mann-Frau-Rollen entwickeln eine besondere Faszination: So befindet sich Thomas Maurer als eifersüchtige und aufgewühlte Frau auf Kontrolltrip, Evelyne B. Waltersberger zieht als Ehemann über seine "Schlampe" her.
Den großartigen Abschluss der Autorenlesung bildet ein alle Realitätsebenen sprengendes "Hörspiel" direkt aus dem Paradies: Getextet von Evelyne B. Waltersberger liefern sich Adam, Eva und Schlange witzige Dispute, die es in sich haben. Der gestresste Gott ringt sich dazu durch, auf Rat seines Engels weitere "bunte Adams und noch buntere Evas" zu schaffen. Schweißgebadet setzt er die ganze Bagage auf der Erde aus und genießt nach einem leckeren Mahl in Frankreich mit seinem Engel wieder himmlische Ruhe.
Autor: Ute Schöler
