Perspektivwechsel und Behördenschelte

Sebastian Wolfrum

Von Sebastian Wolfrum

Mi, 10. Januar 2018

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Bund Heimat und Volksleben gestaltet den Neujahrsempfang im Landratsamt.

BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. Wenn man so will, hat Tradition im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald Tradition. Seit Jahren schon gestaltet der Bund Heimat und Volksleben den Neujahrsempfang im Landratsamt. Neben guten Wünschen und Geschenken gibt es auch Gedanken zur Politik im Landkreis – und einige Sticheleien in Richtung des Freiburger Regierungspräsidiums (RP).

"Vor 69 Jahren wurden wir von einem badischen Staatspräsidenten empfangen, heute begnügen wir uns mit einer Regierungspräsidentin", so Alfred Vonarb, Vorsitzender des Bundes Heimat und Volksleben. Es sollte nicht Vonarbs einziger Seitenhieb in Richtung Regierungspräsidium bleiben. Dass bei den traditionellen Neujahrsbesuchen der Männer und Frauen in Trachten keine Kinder dabei seien, sei der Terminierung geschuldet. "Das Regierungspräsidium wünscht keinen Empfang vor Dreikönig." Nach den Ferien seien zwar wieder mehr Mitarbeiter in der Behörde – aber auch die Schule habe wieder begonnen, sagte Vonarb. Woher der Groll kommt, ließ Vonarb nur indirekt anklingen. Er sagte, dass er auch als Breisacher Bürger spreche. Das RP ist die Behörde, die die umstrittenen ökologischen Flutungen bei Breisach für den Hochwasserschutz durchsetzen will. Auch das Landratsamt wird sich 2018 wohl zu der Thematik äußern. Es soll sich zu den vielen Einwänden der Bürger in einem Planverfahren zu den ökologischen Flutungen äußern. Vonarb, einst Bürgermeister von Breisach, wünschte Landrätin Dorothea Stör-Ritter, dass "Sie Entscheidungen treffen, die die Menschen verstehen".

Das Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald und Landrätin Dorothea Störr-Ritter bekamen jedoch keine Schelte. Das Landratsamt sei ein steter Förderer des Brauchtums, sagte Vonarb. Er wünschte der Landrätin "Fortune und Verständnis" für ihre Entscheidungen im Jahr 2018. Wichtig war Vonarb zu betonen, dass Menschen, die die Tradition hochhielten, keine Verhinderer von Veränderungen seien.

Die Landrätin ging nicht direkt auf die Breisacher Thematik ein. Für sie war der Besuch der Trachtengruppen "eine Gelegenheit, zur Ruhe zu kommen". Auch, da die Tradition und das Bewusstsein für die Vergangenheit einen Perspektivwechsel ermögliche. Stör-Ritter sprach zudem davon, wie wichtig es sei, bei Entscheidungen Kompromisse zu finden. Und dass man sich im Klaren darüber sein müsse, dass solche Entscheidungen nicht immer die einzig richtigen Lösungen sein müssten. "Ich hoffe, wir erkennen, wo wir die richtigen Lösungen finden können, und haben auch den Mut so zu entscheiden – auch wenn es Gegenwind gibt", so die Landrätin.