Offenburg

Peter Huber Kältemaschinenbau trumpft kalt wie warm

Philipp Peters

Von Philipp Peters

Mi, 12. April 2017 um 00:00 Uhr

Wirtschaft

Die Firma Peter Huber Kältemaschinenbau hat beim "BZ Jobmotor 2016" den 1. Preis in der Kategorie "Mitarbeiter finden und binden" für Firmen mit mehr als 200 Beschäftigten gewonnen.

Welche Firma hat in Südbaden die meisten Stellen geschaffen? Wer bindet seine Mitarbeiter am besten an den Betrieb? Beim Wettbewerb Jobmotor 2016 haben die Badische Zeitung und ihre Partner zum elften Mal außergewöhnliche Unternehmen ausgezeichnet. In einer Serie stellt die BZ die Gewinner vor. Die Offenburger Firma Peter Huber Kältemaschinenbau hat den ersten Preis in der Kategorie "Mitarbeiter finden und binden" für Firmen mit mehr als 200 Beschäftigten gewonnen.

"Mittlerweile ist es ganz schön eng geworden bei uns", sagt Daniel Huber. Der Vorstandschef der Peter Huber Kältemaschinenbau AG aus Offenburg zeigt beim Rundgang durch die Produktion immer wieder auf Material, Bauteile und fertige Maschinen, die auf Rollregalen zwischen Produktionsinseln stehen. "Ideal ist es nicht", sagt er. Aber ein Ende ist in Sicht. Noch in diesem Jahr will der Maschinenbauer seine Produktion verdoppeln und auch die Verwaltung aufstocken. Rund zehn Millionen Euro werde man in einen Neubau investieren.

Huber entwickelt, fertigt und vertreibt Temperiermaschinen für industrielle Anwendungen. Obschon im Firmennamen die Kälte hervorgehoben wird, deckt die Technik eine Spanne von minus 125 bis plus 425 Grad Celsius ab. Die Geräte können so klein wie ein herkömmlicher PC, aber auch so riesig wie Frachtcontainer sein. Sie kommen bei Chemie- und Pharmafirmen zum Einsatz, in der Prozesstechnik, im Anlagenbau und sogar in der Raumfahrt.

Von den 360 Mitarbeitern des Unternehmens arbeiten 300 in Offenburg-Elgersweier. Bis vor ein paar Wochen war dies auch der einzige Produktionsstandort des Unternehmens. Doch Mitte März gab Huber die Übernahme einer kleinen Firma aus Nordrhein-Westfalen mit 60 Beschäftigten bekannt. Obschon 70 Prozent des Umsatzes von zuletzt 42,5 Millionen Euro im Ausland erlöst werden, möchte Daniel Huber kein Werk im Ausland errichten. Das würde sich nicht rechnen.

Von den 300 Menschen, die in Offenburg für Huber arbeiten, ist jeder neunte in der Ausbildung. Vor allem beim Mechatroniker für Kälteanlagenbau muss Huber selbst aktiv werden. Denn die Anforderungen sind zu speziell, als dass ein herkömmlicher Kälte- und Klimatechniker sie erfüllen könnte. Huber ist daher im Umfeld aktiv, schaltet Kinowerbung, sponsert Sportvereine und unterhält Partnerschaften mit mehreren Schulen und der Offenburger Hochschule. Zudem hat das Unternehmen eine Bildungsoffensive im Industriegebiet von Elgersweier gestartet, der sich gut ein Dutzend Unternehmen angeschlossen haben, etwa Hansgrohe, Hobart und Printus.

Einen Betriebsrat gibt es bei Huber nicht. Daniel Huber will auch, dass es so bleibt. Durch einen familiären, offenen Führungsstil – "eine Politik der offenen Tür", wie er sagt, sorgten er und seine drei Geschwister sich um die Mitarbeiter. Der Vorstand des Unternehmens besteht komplett aus den Kindern von Firmengründer Peter Huber. Daniel Huber ist als Vorstandschef für Strategie und Vertrieb verantwortlich, Bruder Joachim leitet die Technik. Die Schwestern Beatrice Geiler und Bärbel Huber verantworten die Finanzen und das Exportgeschäft.

Ahmet Karademir, Chef der IG Metall in Offenburg, hatte bisher wenig Berührungspunkte mit Huber. "Das ist schon mal positiv zu bewerten", sagt Karademir. Denn wenn die Stimmung in der Belegschaft schlecht wäre, hätte er es wohl erfahren. "Ich habe Peter Huber noch als Unternehmer alter Schule kennengelernt. Sein Wort zählt. Das heißt für die Mitarbeiter aber auch, dass sie sich auf ihn verlassen können", sagt Karademir. Gleichwohl kritisiert er, dass das Unternehmen nicht nach Tarif zahlt und keinen Betriebsrat hat. Die Initiative dazu müsse aber aus der Belegschaft kommen. Auch ohne Tarifbindung zahle man etwa 13 Monatsgehälter, sagt Firmenchef Huber. Neben den zwölf Salären werde monatlich ein kleiner Betrag als Urlaubsgeld gezahlt. Zu Weihnachten gebe es ein halbes Gehalt. Daneben gibt es nach seinen Worten eine eigene Bonuskarte, auf die jährlich bis zu 500 Euro eingezahlt werden und mit der die Huber-Mitarbeiter in vielen Geschäften Offenburgs günstig einkaufen können. Es gibt eine eigene Kantine im Haus, die von etwa 70 Mitarbeitern genutzt werde, sagt Daniel Huber.

Seine Politik der offenen Tür setzt sich auch bei Weiterbildungen fort. Teil der jährlichen Mitarbeitergespräche sei beispielsweise das Thema Weiterentwicklung, so der Firmenchef. Ob jemand sich technisch und fachlich weiterentwickeln wolle oder eine neue Sprache lernen möchte – man unterstütze die Mitarbeiter unbürokratisch. Denn die Strukturen in der Firma sind flach. Vorstand, Teamleiter, Mitarbeiter – mehr Ebenen gebe es nicht, versichert Daniel Huber.

Weitere Berichte zum Wettbewerb Jobmotor unter http://mehr.bz/jobmotor Eine Bildergalerie zur Preisverleihung in der Meckelhalle der Sparkasse Freiburg gibt es unter http://mehr.bz/galerie1 Eine Bildergalerie zur Jobmotor-Party gibt es unter http://mehr.bz/galerie2