Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

03. Dezember 2011

Eine Liebe, die aus der Kindheit rührt

BZ-SERIE: "WEIHNACHTSZEIT-KRIPPENZEIT": Benno Dierenbach aus Pfaffenweiler baut seine Krippen am liebsten im Sommer.

  1. Krippenbauer Benno Dierenbach in seiner Krippenwerkstatt. Foto: Bury

  2. Schmuckstück: Diese große Krippe ist eine der Hauskrippen der Familie Dierenbach aus Pfaffenweiler. Foto: Markus Donner

  3. Schmuckstück: Diese große Krippe ist eine der Hauskrippen der Familie Dierenbach aus Pfaffenweiler. Foto: Markus Donner

  4. Auch diese Szene steht an Weihnachten im Haus der Dierenbachs. Foto: Markus Donner

BREISGAU. Egal wie unterschiedlich sie auch sind – Jesuskind, Maria, Josef, Ochs und Esel gehören zu jeder Krippe. In der Serie "Weihnachtszeit – Krippenzeit" wird die Breisgau-Redaktion in den kommenden Wochen Krippen in Kirchen und Wohnzimmern im Freiburger Umland ebenso vorstellen, wie Leute, die sich dem Krippenbau verschrieben haben. Heute: Benno Dierenbach, Krippenbauer und -kenner aus Pfaffenweiler.

Fragt man Benno Dierenbach aus Pfaffenweiler, wo seine Leidenschaft für Krippen herrührt, muss der 61-Jährige nicht lange überlegen: "Aus meiner Kindheit." In Hause Dierenbach wurde für die große Hauskrippe immer das Wohnzimmer ausgeräumt. Vor dem ersten Schneefall musste Moos für die Ausgestaltung der Szene gesammelt werden, neue Wurzeln und Steine wurden ebenfalls schon Wochen vorher zurechtgelegt und eventuelle Blessuren an den Gipsfiguren beseitigt. "Da habe ich als Kind gespürt, welche Bedeutung die Krippe hat", erinnert sich Dierenbach. Sie gehörte in seiner Familie ebenso zum Weihnachtsfest, wie der Christbaum, die leckeren Brötle und die Geschenke – "die in meiner Jugend natürlich noch bescheidener ausgefallen sind". Und damit kommt er schon zum nächsten Grund, sich für Krippen zu begeistern: "Bei all dem Kommerz findet man in ihnen etwas, das im Schlichten, im Einfachen seinen Wert behält."

Werbung


Als Benno Dierenbach eine Familie gründete, baute er selbst einen kleinen Krippenstall – den seine drei Kinder genauso liebten wie er die Krippe seiner Eltern. Damit war seine Begeisterung für das Krippenbauen geweckt. Das ist nun 30 Jahre her und in dieser Zeit hat der Lehrer an der Johanniter-Realschule in Heitersheim rund 90 Krippen gebaut, 20 größere und kleinere stehen derzeit in seinem Haus in Pfaffenweiler. Wie eine Reise durch die Kulturen ist es, sich in Dierenbachs Werkstatt umzuschauen: Da stehen alpenländische Krippen, orientalische und neapolitanische Modelle, und eine Szene ist einem provenzalischen Marktplatz nachempfunden. Nur die Figuren – seien sie aus Holz, Kunststoff, Ton oder Gips – sind gekauft, alles andere hat Benno Dierenbach selbst gebaut: das Werkzeug und die Feuerstelle der Hirten, Brunnen und Mäuerchen, Häuser, Erker, Brücken, Bäume und Palmen.

Die Fertigkeit dafür hat der gebürtige Pfaffenweilermer in der Krippenbauschule in Klüsserath an der Mosel erworben. Drei Mal hat Dierenbach dort Kurse besucht und dabei beispielsweise gelernt, wie richtiger Krippenmörtel hergestellt wird. Dazu braucht es Schlemmkreide, Leimwasser und Sägemehl. "Das Rezept stammt von der Innsbrucker Krippenbauschule – die hat eine jahrhundertelange Tradition und gibt viele Stile vor", erklärt Benno Dierenbach.

Alle Krippenbauer – ganz egal welche Schule sie besucht haben – wissen, was es bedeutet, in den Besitz von Hirschheiderich zu kommen. "Diese Pflanze wird auch als Kripplerpflanze bezeichnet und es gibt sie nur auf über 2500 Metern", berichtet Dierenbach. Das spärlich und langsam wachsende Grün muss aufwendig mit Glycerin und anderen Substanzen behandelt werden, damit es elastisch bleibt, gut verarbeitet werden kann und vor allem seine grüne Farbe auch über Jahrzehnte behält. "Ich habe mich schon sehr gefreut, als ich in einem Urlaub in Südtirol Hirschheiderich gefunden habe", strahlt Benno Dierenbach und zeigt auf eine orientalische Krippenszene in seiner Werkstatt: Hier hat er die wertvolle Pflanze verbaut.

Inspirationen für seine Werke holt sich Dierenbach auf Krippenfahrten, die er als Leiter der kirchlichen Erwachsenenbildung Pfaffenweiler und als Vorsitzender der Kreisarbeitsgemeinschaft kirchlicher Erwachsenenbildung jedes Jahr organisiert. Am 28. Dezember geht es beispielsweise zu einer Krippenausstellung auf den Dreifaltigkeitsberg bei Spaichingen. "Früher haben wir auch mehrtägige Fahrten nach Tirol, Oberammergau oder Böhmen gemacht", erzählt er. 1993 war Dierenbach Mitorganisator der ersten Krippenausstellung in Pfaffenweiler. Er hat seine Krippen schon öfter in der Region ausgestellt und Vorträge gehalten. Beim SWR-Dreh zum "Schwarzwaldhaus 1902" im Münstertal war Benno Dierenbach als Krippenexperte gefragt und die Gipsfiguren seiner Großeltern kamen zu Ehren. Im Selbstverlag hat der das Büchlein "Der Krippe auf der Spur – drei Krippenwege zwischen Schwarzwald und Kaiserstuhl" herausgegeben, in dem er verschiedene Krippen beschreibt, aber auch über die Geschichte der Krippe informiert und Tipps für das richtige Betrachten gibt.

Hat er eine Idee vor Augen, braucht Benno Dierenbach drei bis vier Tage, bis die Krippe fertig ist. "Das Interessante am Bauen ist, dass sich die Krippe währenddessen verändert. Sie sieht immer anders aus als das, was man sich anfangs vorgestellt hat", erzählt er. Gebaut wird immer nur in den Sommerferien: Bei 30 Grad und Sonnenschein vertieft sich Benno Dierenbach dann ganz in die Darstellung der Heiligen Nacht. "Ich tauche in eine andere Welt ein. Es ist mir schon passiert, dass ich die Zeit ganz vergessen habe und bis vier Uhr morgens gewerkelt habe", erzählt er. Ja, das Krippenbauen habe für ihn ganz eindeutig eine therapeutische Wirkung.

Und deshalb hängt ihm auch jede seiner Krippen am Herzen: "Ich gebe sie nur dorthin, wo sie gut aufgehoben sind." Viele Krippen hat er verschenkt, einige auch verkauft. Benno Dierenbach hat beispielsweise die Krippe für die Pfarrgemeinden Grunern und Offnadingen gebaut. Der Erlös ging immer an ein soziales Projekt in Burundi. "Geld verdienen will ich mit dem Krippenbauen nicht – es verliert sonst für mich seinen Zauber", sagt Dierenbach.

Seine Lieblingskrippen sind übrigens die orientalischen. Und so steht im Haus der Dierenbachs an Weihnachten auch eine orientalische Krippe, die das komplette Arbeitszimmer ausfüllt. "Es passiert immer wieder, dass Leute klingeln und die Krippe sehen wollen", erzählt Dierenbach. Besonders freut es ihn, wenn Kinder das Jesuskind, Maria, Josef, die Hirten, Ochs und Esel bestaunen: Kindheit und Krippe – das gehört zusammen.

Die Krippenfahrt der Kirchliche Erwachsenenbildung Pfaffenweiler führt am Mittwoch, 28. Dezember, zum Dreifaltigkeitsberg bei Spaichingen. Informationen und Anmeldung bei Benno Dierenbach, Tel. 07664-7753

Krippengeschichte

In einer Höhle im Wald von Rieti baute Franz von Assisi am Weihnachtstag 1223 eine Futterkrippe auf, stellte einen lebendigen Ochsen und einen Esel dazu und hielt dort vor einer großen Menschenmenge seine Weihnachtspredigt. Die Krippen, wie wir sie heute kennen, sind aber erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstanden. 1562 bauten Jesuiten in der Kirche St. Clemens in Prag die erste Weihnachtskrippe nördlich der Alpen. An Fürstenhöfen, vor allem in Bayern, tauchten dann nach und nach Krippen auf. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts brach die große Zeit der Kirchenkrippen an, im 18. Jahrhundert erlebte die Krippenkunst ihre Blütezeit. Viele namhafte Bildhauer, Schnitzer und Maler waren in dieser Krippenbewegung tätig. Oberammergau wurde in dieser Zeit sogar als "Krippendorf" bezeichnet. In der Zeit der Aufklärung Ende des 18. Jahrhunderts änderte sich das Verhältnis zu den Krippen, sie wurden als lächerlich und kindisch bezeichnet. So wurde 1804 das Aufstellen von Krippen in den Kirchen Bayerns verboten. Dieses Verbot förderte jedoch die Entwicklung der Hauskrippen: Die Leute ließen es sich nicht nehmen, das Geschehen der Heiligen Nacht im privaten Bereich darzustellen. Krippen und Figuren wurden selbst gemacht, viele Bauern entdeckten ihr Talent und es entstanden bis heute großartige Werke der Volkskunst.  

Autor: tab

Autor: Tanja Bury