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06. Februar 2010
"Freuen uns das ganze Jahr darauf"
Jungwinzer aus Pfaffenweiler bereichern seit zehn Jahren die Fastnacht mit ihren Wagen / Aktuell als Jäger der Steinzeit unterwegs
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Foto: Tanja Bury
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Foto: Tanja Bury
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Jäger der Steinzeit: Die Jungwinzer aus Pfaffenweiler auf ihrem elf Meter langen Wagen (großes Bild), der mit Säbelzahntiger und Steinzeitmensch dekoriert ist. Foto: Tanja Bury/Privat
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Eine Premiere: Die Gruppe hat erstmals einen zweiten Wagen mit einem knapp vier Meter hohen Mammut gebaut. Foto: privat
PFAFFENWEILER. Von den Rebbergen Pfaffenweilers an Bord der Titanic, nach Mexico, in die Karibik und ins Spielerparadies Las Vegas – die Jungwinzer Pfaffenweiler sind vielfältig. Und vor allem kreativ: Seit dem Jahr 2000 bereichert die Gruppe die fünfte Jahreszeit im Schneckental mit ganz unterschiedlichen Fastnachtswagen. Was vor zehn Jahren mit geschmückten Kindertraktoren begann, hat jetzt seinen Höhepunkt erreicht: eine elf Meter lange und vier Meter hohe Steinzeitszene mit einem 3,80 Meter hohen Mammut im Schlepptau.
Seit Oktober haben die 16 Jungs im Alter zwischen 17 und 20 Jahren an ihrem Wagen gearbeitet. Mit den "Jägern der Steinzeit", da sind sich die Jungwinzer einig, ist ihnen ihr bislang bestes Werk gelungen. Den Wagen überzieht eine Holzbrücke, links und rechts aufgelegt auf Felsen – gebaut aus Holz und Gips. Vom höheren der beiden Felsen stürzt ein Wasserfall herab, oben auf der Plattform ist ein Grill montiert, im Inneren des großen Brockens befindet sich die Bar und – ganz wichtig – die Musikanlage. Denn während der Teilnahme an insgesamt acht Fastnachtsumzügen werden nicht nur Würstchen gegrillt und Gläser gefüllt, sondern auch die Zuschauer beschallt.Werbung
Verlegt wurden auf dem gebrauchten Lkw-Anhänger, den die Jungwinzer bisher ausgeliehen und dieses Jahr gekauft haben, 230 Meter Kabel. Rund eine Tonne wiegt allein der Gips, der für die Felsen gebraucht wurde. Sie sind bemalt und mit Moos beklebt. Aus Pappmaché wurden ein Steinzeitjäger samt Speer und ein Säbelzahntiger mit beleuchteten Augen gebastelt. Nicht fehlen darf auch die Schaufensterpuppe – vergangenes Jahr noch mit Elvis-Tolle und Glitzerjackett versehen, wurde sie nun mit Fellhose und Zottelperücke ausgestattet. Und weil die Jungewinzer mit ihrem Wagen lange vor der Eröffnung der Fastnachtssaison fertig waren, entschlossen sie sich kurzerhand zu einer Premiere: Sie bauten erstmals einen zweiten Wagen, auf dem ein knapp vier Meter großes Mammut zu sehen ist. Dafür kauften sie den kompletten Fellstoffbestand eines Freiburger Geschäfts auf.
Unter dem Motto "Rettet die Fastnacht" waren im Jahr 2000 fünf der Jungwinzer – damals noch im Kindesalter – mit ihren ersten Wagen beim Umzug in Pfaffenweiler dabei. Daraus entwickelte sich eine regelrechte Leidenschaft. "Das ganze Jahr über freuen wir uns auf den Wagenbau und die Fasnet", sagt der 17-jährige Benedikt Mayer, der von Anfang an dabei ist. Die Jungwinzer in ihrer heutigen Form gibt es allerdings erst seit 2008: Die beiden bis dahin rivalisierenden Wagenbaugruppen Jungwinzer und Schneckenjungs schlossen sich zusammen – mit Erfolg. Seither sind die Kräfte gebündelt, die Jungs verstehen sich gut und sind nicht nur während der Bauzeit und an Fastnacht, sondern das ganze Jahr über als Clique unterwegs.
Und wie sieht es mit Mädels bei den Jungwinzern aus? "Wir haben beschlossen, ein reiner Männerclub zu bleiben", sagen sie. Alles andere sorge ihrer Meinung nach nur für Probleme. "Aber natürlich mögen wir Mädels", meinen die Jungs augenzwinkernd.
Organisationstalent, handwerkliches und künstlerisches Geschick, aber auch "Vitamin B" sind es, was die Jungwinzer brauchen. Über die Jahre hinweg sind sie immer professioneller geworden, kennen die richtige Leute und haben Sponsoren gefunden. "Ohne die wäre es nicht möglich, jedes Jahr einen neuen Wagen zu bauen", meint die Gruppe. Doch verlassen sich die Jungwinzer bei der Finanzierung ihres Hobbys nicht nur auf die Sponsoren, sondern sorgen auch selbst für Geld in der Kasse. So bewirtschaften sie beispielsweise eine 20 Aar große Rebfläche, die Trauben geben die Jungwinzer an die WG Pfaffenweiler ab, das Herbstgeld wird für den Wagenbau verwendet. "Jetzt fehlt nur noch eine Sonderabfüllung der WG mit einem Jungwinzer-Etikett", meint Tobias Eckert, "dieses Projekt sollten wir mal angehen." Außerdem zahlt jedes Mitglied einen Jahresbeitrag von 100 Euro. Damit wird nicht nur Material gekauft, sondern auch für das leibliche Wohl während der Fahrten gesorgt.
Viel Hilfe und Anerkennung erfahren die Jungwinzer im Dorf: "Darüber freuen wir uns sehr." Beispielsweise fährt Joachim Billi, der Vater eines Jungwinzers, den Wagen die ganze Fastnachtssaison über. Grafiker Mike Blattmann sorgt mit dem Jungwinzer-Logo auf Pullis und Aufklebern für das stimmig Auftreten der Jungs und ist bei der Gestaltung des Wagens behilflich. Auch bekommen die jungen Männer viele Ratschläge und Tipps von erfahrenen Handwerkern. Mit einem Helferfest und kleinen Geschenken bedanken sie sich bei ihren Unterstützern.
Weniger schön war für die Jungwinzer aber, dass sich Bürger vor zwei Jahren über die Musik vom Wagen beschwert haben. "Wenn wir von einem Umzug zurückkommen drehen wir noch ein, zwei Runden durchs Dorf", sagt Benedikt Mayer, "darüber haben sich Leute beim Bürgermeister beschwert. Das wollten wir so nicht stehen lassen und waren mit fast 50 Leuten bei ihm." "Die Fasnet soll erhalten bleiben, wir tun was dafür und dann beschwert man sich im Dorf – das verstehen wir nicht", fügt Milan Benitz dazu. Außerdem seien die Jungwinzer ja nicht nur während der tollen Tage, sondern das ganze Jahr über in Pfaffenweiler präsent. Falls jemand, so der Wunsch die Jungwinzer, Probleme mit ihnen hat, solle er sie ansprechen und nicht gleich offizielle Wege gehen.
Die Jungs wollen noch lange ihrem Hobby nachgehen – das ist sicher. Ungewisse ist jedoch noch, wie ihr Wagen 2011 aussehen wird. "Wir lassen uns inspirieren, gleich nach der Fastnacht machen wir uns Gedanken", sagt Benedikt Mayer. Und einer seiner Kollegen macht klar: "Auf jeden Fall bauen wir Wagen bis wir 80 Jahre sind."
Autor: Tanja Bury


