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07. Januar 2012
"Idealer Ausgleich zum Büroalltag"
Zur Holzversteigerung in Pfaffenweiler kamen rund 50 Hobbyholzfäller / Das Holz muss bis 31. März geschlagen werden.
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Förster Jürgen Bucher entgeht bei der Holzversteigerung in Pfaffenweiler kein Gebot. Foto: Michael Saurer
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Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten: Zahlreiche Interessenten waren zur Grünwasenhütte gekommen. Foto: Michael Saurer
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Alexander Hinrichs vor seinem Holz. Bis zum 31. März muss er die Bäume geschlagen haben. Foto: Michael Saurer
PFAFFENWEILER. Regenerativ, wenig CO2-Ausstoß und günstiger als Öl und Gas – Holz ist bereits seit einigen Jahren wieder ein gefragter Heizstoff. Dabei braucht man sich die Holzscheite nicht unbedingt an die Haustüre liefern lassen. Noch intensiver kann man die Wärme und das Knistern im Ofen nämlich genießen, wenn man sich das Holz zuvor selbst im Wald geschlagen hat. Bei der Holzversteigerung in Pfaffenweiler wurden dafür jetzt wieder die Konzessionen vergeben – gegen Höchstgebot. BZ-Mitarbeiter Michael Saurer war dabei.
Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten – verkauft. Alexander Hinrichs ist zufrieden. Gerade hat er bei der Holzversteigerung an der Grünwasenhütte in Pfaffenweiler drei Ster, also drei Kubikmeter Brennholz, ersteigert. Das liegt nun nicht gestapelt neben ihm, sondern steht noch hochgewachsen im Wald. Hinrichs hat sich für die günstigere, aber auch deutlich arbeitsintensivere Variante entschieden. Er muss nun bis zum 31. März dieses Jahres in dem Waldstück, für das er den Zuschlag erhalten hat, das Holz in Eigenregie schlagen. Gesehen hat er es bislang noch nicht, kein Wunder, dass es ihn unmittelbar nach dem Zuschlag in den Wald zieht, um sein Holz zu inspizieren.Werbung
Vorsichtig bewegt sich Alexander Hinrichs mit Labrador-Hündin Anouk über den matschigen Waldboden. "Hier ist es", meint er irgendwann erleichtert und lächelt. An den Bäumen hier oben, mitten im Nirgendwo zwischen Pfaffenweiler und Sölden, sind rote Markierungen angebracht. Eine rote Drei ist da zu lesen, das Erkennungszeichen für Hinrichs Gebiet, für das er bei der Holzversteigerung den Zuschlag erhalten hat. Einige schöne Rotbuchen sind darin zu finden, auch einiges eher Kümmerliches.
Hinrichs ist zufrieden. 33 Euro hat er für seinen "Claim" gezahlt, auf dem er bis zum 31. März nun alle markierten Bäume schlagen und zu Brennholz verarbeiten muss. Kein Problem für ihn, er ist promovierter Forstwirt, arbeitet derzeit als Waldexperte im Bereich der Entwicklungshilfe. Im Wald ist er dabei aber selten, die meiste Zeit verbringt er als Berater in Büros und Besprechungszimmern, da kommen die freiwilligen Stunden, die er mit dem Schlagen seines Brennholzes verbringt, gerade recht. "Ich mache das nur zum Spaß", meint er und inspiziert dabei seine Bäume.
Nicht alle Bieter an diesem Nachmittag haben so viel Erfahrung mit der Waldarbeit. Alle Höchstbieter der Holzversteigerung müssen deshalb einen zweitägigen Motorsägekurs belegen, bevor sie sich zum Schlagen des Holzes in den Wald begeben. "Sicherheit ist da einfach das oberste Gebot", meint Revierförster Jürgen Bucher, der die Auktion organisiert und leitet. Er weiß, wovon er spricht. Vor einigen Jahren erst gab es einen tödlichen Unfall im Mooswald, als ein unerfahrener Holzfäller einen Baum falsch ansägte.
Bucher ist zufrieden mit dem Erlös des Nachmittags. 300 Ster wurden verkauft. 6900 Euro flossen dabei in die Gemeindekasse, gute 15 Prozent mehr als im Anfangsgebot von 6000 Euro vorgesehen waren. Wichtiger sei aber, dass die Gemeinde dadurch auch Arbeitskraft für Forstarbeit und Verwaltung einspart. Und Spaß machen soll die Holzversteigerung auch. "Das ist mittlerweile zu einem richtigen Event geworden", meint der Förster. Im Hintergrund spielen derweil die Guggenmusiker der Pfaffenweiler Schneckebläärer, die, wie jedes Jahr, neben der musikalischen Untermalung auch die Bewirtung der zahlreichen Gäste übernommen haben.
Rund 50 Hobbyholzfäller beteiligten sich an der Auktion. Nicht alle boten, so wie Alexander Hinrichs, auf Holz, das sie gar nicht kannten. Die meisten waren bereits Tage zuvor im Wald und haben sich die Qualität der Baumstämme angesehen. Im Gemeindeblatt waren die einzelnen Posten ausgeschrieben, niemand soll sich hinterher über zu mickrige Bäume oder ungünstige Transportwege beklagen können. Denn mit dem Zuschlag bekommen sie nicht nur die Erlaubnis, sondern auch die Pflicht, die markierten Bäume zu schlagen. Ein Auswählen der Sahnestücke gibt es nicht.
Jürgen Bucher hofft, dass dabei auch der Wald und der Waldboden schonend behandelt werden. "Es gibt schon manche, die mit dem Schlepper in den Wald reinfahren, um sich die Baumstämme zu holen", weiß er aus der Vergangenheit zu berichten. Er hofft auf Einsicht und das ökologische Verständnis der Käufer.
Wem das Schlagen des Holzes zu viel Aufwand war, oder wer nicht die nötige Ausrüstung hat, um die tonnenschweren Stämme aus dem Wald zu ziehen, konnte auch auf die teurere Variante bieten. Hierbei liegen die Stämme bereits fertig geschlagen am Wegesrand und müssen nur noch klein gemacht und abgeholt werden.
Für richtige Waldliebhaber wie Alexander Hinrichs würde dabei aber ein wichtiger Teil des Naturerlebnisses verloren gehen. "Ich werde da schon einen ganzen Tag mit beschäftigt sein. Aber obwohl das körperlich sehr anstrengend ist, ist es auch ein idealer Ausgleich zum Büroalltag."
Autor: bz


