Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
03. September 2010
Jäger und Sammler
BZ-SERIE "SCHÖN ALT ": Die Oldtimerfreunde Batzenberg und ihre vielen Maschinen.
-
Foto: Tanja Bury
-
Vier der zwölf Batzenberger Oldtimerfreunde mit ihren Maschinen (von links): Johannes Luhr, Thomas Eckerle, Joachim Andresen und Michael Speicher. Foto: Tanja Bury
-
-
Foto: privat
-
Dampfmaschine, Zündapp, NSU Max: nur eine kleine Auswahl aus der Sammlung der Oldtimerfreunde. Foto: Tanja Bury
PFAFFENWEILER. Glänzender Lack, blitzendes Chrom, der Geruch von Leder und Benzin, ein schnurrender Motor: Sommerzeit ist Oldtimerzeit. Mit der Sonne kommen auch die Veteranen wieder raus auf die Straßen. Die BZ-Redaktion Breisgau widmet den Klassikern auf vier und zwei Rädern eine Serie. Es werden verschiedene Modelle vorgestellt, gefragt, wer ihre Besitzer sind und was die Faszination Oldtimer ausmacht. Heute: die Oldtimerfreunde Batzenberg mit ihren historischen Motorrädern und Maschinen.
Sie sind Schlosser, Kfz-Mechaniker, Bäcker und Technik begeisterte Jäger und Sammler: die Oldtimerfreunde Batzenberg. Alle zwei Wochen treffen sich die zwölf Männer um die 50 zum "Clubabend" im ihrem Hauptquartier, dem Keller von Johannes Luhr in der Weinstraße in Pfaffenweiler. Dann wird gefachsimpelt, diskutiert und beraten – und es geht immer um ein Thema: alte Motorräder und Maschinen. Die Leidenschaft für die Technik längst vergangener Zeiten hat die Männer, die nicht nur aus Pfaffenweiler, sondern auch Ehrenkirchen, Biengen und Müllheim kommen, vor über zehn Jahren zusammengeführt. "Die alten Maschinen sind einfach schön und welch’ Vielfalt es da gibt", sagt Johannes Luhr. In den 1920er Jahren gab es in Deutschland noch über 500 Motorradhersteller, heute ist es noch einer. Jeder der Oldtimerfreunde Batzenberg besitzt mindestens eine Maschine, doch bei den meisten stehen oder liegen – in Einzelteilen – mehrere Maschinen in den Garagen.Werbung
Thomas Eckerle aus Pfaffenweiler hat mit solch einem Haufen Teile angefangen. 2004 stieß er im Winzerdorf ganz zufällig auf die zerlegte Triumph BDG 250 H, Baujahr 1951. Nach dem Verhandeln über den Kaufpreis und dem Einpacken der Einzelteile begann ein zweijähriger Restaurierungsmarathon. Teile reinigen und auf ihre Funktion überprüfen, Ersatz aufspüren, das Stückwerk zusammen- und – wenn’s schlecht lief – wieder auseinanderbauen – das bestimmte 24 Monate lang Eckerles Freizeit. Belohnt wurde er dafür mit einer besonders schmucken Maschine in edlem dunkelrot, goldenen Umrandungen und glänzendem Chrom. Die erste Fahrt war – keine Frage – "ein Spitzenerlebnis."
Als "Schrotthaufen" bezeichnet Johannes Luhr das, was er vor über zehn Jahren für 10 000 Mark aus Kaliningrad erwarb: ein Zündapp-Gespann KS 750, Baujahr 1944. 2000 Stunden Arbeiten und viel Geld hat es den gelernten Kfz-Mechaniker gekostet, das Zweirad wieder auf Vordermann zu bringen. Heute aber ist er Besitzer einer intakten Rarität. Das Gespann ist der Liebling seiner Sammlung, die noch eine Anker, ein Torpedo-Kraftrad und vieles mehr umfasst. "Jedes Jahr im Februar fahr’ ich mit der Maschine zu einem Treffen in die Alpen. Das ist was ganz Besonderes", erzählt er. Bald soll ihn dorthin auch Michael Speicher, Oldtimerfreund aus Kirchhofen und derzeit Fahrer einer BMW P 35, begleiten. Auch er hat sich ein Zündapp-Gespann gekauft. Es wird derzeit in der Garage von Johannes Luhr hergerichtet. "Wir helfen uns gegenseitig. Das ist selbstverständlich", sagt Thomas Eckerle. Wichtig ist ihnen auch, dass ihre Frauen Verständnis für das Hobby Oldtimer haben – auch wenn es hin und wieder Diskussionen gibt.
2001 hat Joachim Andresen aus Biengen seine erste historische Maschine aus einer Scheune gerettet: "Jetzt ist sie so weit, dass ich sie zusammenbauen kann." Auch eine NSU Max, Baujahr 1954, mit 17 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 130 Stundenkilometer hat er sich angeschafft. Die Motorrevision, vom Verkäufer zugesichert, hatte allerdings nicht stattgefunden und so nahmen Andresen und die Oldtimerfreunde Batzenberg das gute Stück eben selbst auseinander.
Wer jetzt meint, die Männer verbringen ihr Freizeit nur in dunkeln Garagen, der irrt sich: Die Gruppe besucht Fachmärkte wie die Veterama in Mannheim, als Europas größter Oldtimermarkt ein Mekka für die Schrauberszene, ist bei Oldtimertreffen mit dabei und unternimmt immer wieder sonntags Ausfahrten. Dabei lassen sie es gemütlich angehen: Es wird nicht gerast – was mit den alten Maschinen zum einen nur schwer möglich und zum anderen auch nicht empfehlenswert ist –, sondern die Landschaft genossen und das ein oder andere Päuschen eingelegt – auch unfreiwillig. "Es passiert immer wieder mal, dass ein Motorrad nicht mehr will", so Luhr. Dann heißt es Erste Hilfe auf der Straße leisten.
"Ich will schrauben, ich hab’ einfach gern Öl an den Händen", sagt Johannes Luhr. Joachim Andresen dagegen meint: "Ich bin eigentlich lieber mit den Maschinen unterwegs." Doch ob nun Schrauber oder Fahrer – Jäger und Sammler sind sie alle. "Die schönsten Funde sind die Scheunenfunde", weiß Thomas Eckerle. Sobald sie eine alte Maschine irgendwo verstauben oder vergammeln sehen, ist ihr Jagdinstinkt geweckt und macht auch vor großen Objekten nicht halt. So wurden die Oldtimerfreunde 2008 Besitzer einer 14 Tonnen schweren Dampfmaschine Marke Lanz, Baujahr 1897. Sie gehörte einst der Bürstenfabrik des Kriegsblindenvereins in Münstertal. 1922 hat das Werk sie gekauft, bis in die 70er Jahre war die Maschine – als Heizung umgebaut – in Betrieb. Viele Jahre fristete das "Technikwunder" sein Dasein am Straßenrand, mehr und mehr zugewildert. Die Oldtimerfreunde kauften die Maschine. Restauriert ist sie allerdings noch nicht: "Das ist eine große Aufgabe, die wir aber auf jeden Fall angehen." Vielleicht aber schieben sie noch eine andere dazwischen: Ein Schwungradtraktor wurden ihnen angeboten. "Wir sollten ihn kaufen – mein’ ich", sagt Luhr. Keiner widerspricht.
Autor: Tanja Bury


