Schneckental

Warum Ex-Pfaffenweilermer immer wieder fürs Schneckenfest heimkehren

Sophia Hesser

Von Sophia Hesser

Do, 30. August 2018 um 20:00 Uhr

Pfaffenweiler

Am Wochenende zieht es zahlreiche Besucher in die Schneckentalgemeinde. Drei Tage lang wird gefeiert. Ehemalige Bürger erzählen, warum es sie immer wieder am ersten Septemberwochenende in die Heimat zieht.

Patrick Bösch, 31 Jahre, Aachen

"Die meisten alten Freunde und Bekannte wissen, dass sie mich beim Schneckenfest am Stand vom Kirchenchor treffen. Und somit ist das der Treffpunkt für uns. Beim Stand helfe ich auch mit, denn mein Vater ist im Chor aktiv. Ich verkaufe entweder Getränke oder spüle. Das gehört für mich einfach dazu. Ein Schneckenfest, ohne selbst zu helfen, ist kein richtiges Fest für mich. Schon als Kind habe ich beim Aufbau geholfen, später durfte ich dann ausschenken. Ich bin mit 19 aus Pfaffenweiler weggezogen und das Schöne am Schneckenfest ist einfach, dass man alte Freunde, Bekannte und die Familie wieder trifft. Zwar komme ich auch unterm Jahr immer wieder in die Heimat, aber beim Fest trifft man wirklich alle. Und die Lauben sind natürlich auch besonders – hier in Aachen gibt es zwar ein Weinfest, aber da kommen aus 100 Kilometer Umkreis Wägen auf den Domplatz und verkaufen Wein. Kein Vergleich zu den gemütlichen Lauben in Pfaffenweiler. Ich werde jeden Tag auf dem Fest sein. Meistens geht es bis etwa 2 Uhr, aber man macht ja sowieso nicht mehr ganz so wild wie früher. Vor allem wenn ich weiß, dass ich am nächsten Tag auf dem Fest helfen muss. Am Sonntagnachmittag muss ich wieder nach Aachen fahren, am Montag ruft schließlich wieder die Arbeit."

Robert Neher, 55 Jahre, Tübingen

"Ich komme dieses Jahr wieder mit meinem Musikverein aus Stuttgart-Möhringen. Wir durften 2016 zum ersten Mal in der Laube der Batzenberger Winzerkapelle spielen und dieses Jahr wieder. Mit zwölf Jahren habe ich ja im Pfaffenweilermer Musikverein Klarinette gelernt und war zehn Jahre im Verein aktiv. Dann kamen Studium und Bundeswehr und ich bin aus Pfaffenweiler weggegangen. Die Klarinette lag 25 Jahre im Schrank. Schließlich habe ich wieder angefangen – beim Musikverein Möhringen bei Stuttgart. Und landete im Vorstand als Schriftführer. Vor drei Jahren habe ich vorgeschlagen, man könnte als Gastkapelle zum Schneckenfest gehen. 2016 haben wir dann den Bus gechartert und die Musikerkollegen waren hellauf begeistert wegen der Stimmung. Nächstes Jahr wieder! Ich reise bereits am Freitag an, meine Mutter und meine Schwester leben ja noch im Dorf. Der Rest der Mannschaft – 27 Musiker mit Begleitung – kommt am Samstag und übernachtet in Tiengen. Ich bin immer wieder beim Fest dabei. Da kommen einfach alte Erinnerungen hoch – etwa an die Zeit im Musikverein. Eine Runde übers Fest dauert drei Ewigkeiten, weil ich ja jeden kenne. Zwei Wochen drauf haben wir Klassentreffen von der Grundschule. Da komme ich dann schon wieder."
Schneckenfest

Freitag, 31. August: 18 Uhr Eintreffen der Stamm- und Ehrengäste Dorfmuseum, 19 Uhr Eröffnung Stubenplatz
Samstag, 1. September: 9 bis 16 Uhr Verkostung Weinhaus, 11.30 Uhr Schnaigerle, 14 bis 16 Uhr Kinderprogramm, 15.30 Uhr Brauchtumsschau
Sonntag, 2. September: 9 Uhr Z-Niehni-Neh Kirchenchor, 10. 30 Uhr Ökumenischer Gottesdienst Salomoné-Hof mit Rejoice-Chor Wolfenweiler (bei Regen in der Kirche), 11 bis 17 Uhr Verkostung Weinhaus, 11.30 Uhr Mittagessen, 14 und 16 Uhr Brauchtumsschau

Mehr Infos gibt es unter mehr.bz/schnecke-fescht

Barbara Horst, 51 Jahre, Bamberg

"Als ich in Pfaffenweiler gewohnt habe, war ich immer dabei. Aber Anfang der 90er-Jahre bin ich weggezogen. Letztes Jahr war ich dann nach langer Zeit mal wieder beim Schneckenfest. Ich habe auch gleich mitgeholfen. Meine Schwägerin, die Vorsitzende der Batzenberger Winzerkapelle, sucht ja immer helfende Hände für das Fest. Ich bin sowieso noch Mitglied im Musikverein. Und für dieses Jahr hat sie mich auch gleich wieder gefragt. Einmal kellnere ich und einmal stehe ich am Speckstand. Meine Speckbrötle sind unerreicht, um auch zu später Stunde die Fitness – nach all dem Wein – wieder herzustellen. Für mich ist es Pflicht, einmal auf dem Fest Schnecken zu essen. Und natürlich ist das Dessert beim Musikverein ein Muss: Ein Sonntagnachmittag ohne Apfelküchle ist sinnlos. Ich bin von Freitag bis Dienstag in Pfaffenweiler. Montag ist Abbau angesagt und danach gemütliches Zusammensein, denn während des Fests sind alle beim Fest eingespannt. Da hat man gar keine Zeit. Bamberg – Pfaffenweiler ist nicht gerade der direkteste Weg, da schaffe ich es nur zwei, drei Mal im Jahr in die Heimat. Deshalb ist das Schneckenfest wichtig für mich."

Roland Hanser, 57 Jahre, Görwihl

"Seit 24 Jahren lebe ich in Görwihl, das erste Septemberwochenende halte ich jedes Wochenende frei. Am Freitag komme ich. Bis Samstagabend bleibe ich auf jeden Fall. Das Besondere ist, dass es überall was anderes gibt und nicht das übliche, wie auf anderen Festen. Meine Frau liebt die Weinbergschnecken und das Schnaigerle am Samstag – da kann man überall kleine Portionen verkosten. Ich freue mich jedes Jahr auf die Schlachtplatte von der Feuerwehr. Die habe ich sicher zwei Mal hinter mir, wenn ich heimgehe. Und Nudelsuppe vorher beim Schützenverein. Das ist so meine Runde. Ich komme nur noch als Besucher. Am Anfang habe ich noch geholfen. Heute genieße aber lieber das Fest. In all den Jahren, seit ich auf dem Hotzenwald lebe, war ich vielleicht zwei Jahre nicht auf dem Fest."

Josephine Schweitzer, 26 Jahre, Konstanz

"Natürlich komme ich wieder zum Fest, steht gar nicht Debatte. Das Fest gehört einfach dazu. Das erste Septemberwochenende hält man sich einfach frei. Vier Tage bin ich meistens in Pfaffenweiler. Seit ich Kind bin, bin ich jedes Jahr beim Schneckenfest. Man sieht wieder alle aus dem Ort. Obwohl ich seit sechs Jahren nicht mehr in Pfaffenweiler lebe, bin ich immer noch beim Musikverein Mitglied, auch wenn ich nicht aktiv bin. Den möchte ich natürlich auch beim Fest unterstützen. Jeder macht meist zwei Schichten, ich mache Vanillesauce für die Apfelküchle – das beste Dessert – und am Sonntagabend bediene ich in der Laube. Das Besondere am Schneckenfest ist, dass es im ältesten Teil von Pfaffenweiler stattfindet. Die Stände sind alle selber gemacht und eigentlich alle, die helfen, kommen aus dem Dorf. Ich halte mich während des Fests gern beim Musikvereinstand auf. Aber auch bei der Feuerwehr ist es super – da gibt es Forelle und da ist abends immer richtig Partystimmung."

Sören Johannsen, 33 Jahre, Neckargmünd

"Ich komme meist für einen Abend zum Schneckenfest und übernachte dann bei meinem Kumpel. Dieses Jahr trifft man mich aber leider nicht – wie sonst immer – beim Fußballstand, denn ich kann aus beruflichen Gründen nicht nach Pfaffenweiler kommen. Als Jugendlicher habe ich im Alter zwischen elf und 18 Jahren im Ort gelebt, da sind gute Freundschaften entstanden. Früher haben wir uns während des Schneckenfests immer an der Kapelle getroffen, von dort kann man auf das Fest schauen, ist für sich und doch zentral. Ich habe auch schon häufig am Stand vom Fußballverein Bier ausgeschenkt. Um alte Freundschaften aufrechtzuerhalten, kommen viele Leute, die nicht mehr in Pfaffenweiler wohnen, zum Schneckenfest. Denn man trifft dort einfach viele wieder. Das Fest hat Charme und man kommt nie ans Ende, weil es im Kreis aufgebaut ist."