Gemeindewahl

Pfarrer soll in Riehen eine zweite Chance bekommen

Daniel Gramespacher

Von Daniel Gramespacher

Sa, 12. Januar 2019 um 17:00 Uhr

Basel

Der 48-jährige Seelsorger, der am 10. Februar in der Pfarrer St. Franziskus in Riehen zur Wahl steht, wurde vor sechs Jahren im Kanton Thurgau wegen sexueller Handlungen verurteilt.

In der römisch-katholischen Pfarrei St. Franziskus Riehen-Bettingen sorgt eine Pfarrwahl seit Monaten für Diskussionen. Der 48-jährige Kandidat, der seit rund zwei Jahren in Riehen bereits Aushilfsdienste als Priester übernimmt, war 2012 im Kanton Thurgau wegen einer sexuellen Handlung mit einem unter 16-jährigen Jugendlichen zu einer bedingten Geldstrafe von 4000 Franken verurteilt worden. Am 10. Februar entscheiden die rund 2500 Mitglieder der Kirchengemeinde an der Urne.

"Er ist in der Gemeinde sehr beliebt." Stefan Suter
Zu einem Informationsabend am Donnerstag kamen mehr als 100 Mitglieder. Rund 20 meldeten sich in der gut zweistündigen Veranstaltung zu Wort. Mehrheitlich äußerten sie sich positiv über den Seelsorger. "Er ist in der Gemeinde sehr beliebt", sagte denn auch Stefan Suter, Präsident der Pfarrwahl-Kommission, dem Regionaljournal von Schweizer Radio SRF. Allerdings wurde von Anwesenden auch mangelnde Transparenz kritisiert. Sie stoßen sich daran, dass der Priester vor sechseinhalb Jahren nach einer Fußmassage an einem fast 16-jährigen Jungen "wegen sexueller Handlungen mit einem Kind" von der Thurgauer Staatsanwaltschaft zu einer bedingten Geldstraße verurteilt worden war.

Seine damalige Pfarrstelle hatte der umstrittene Seelsorger nach der Eröffnung der Strafuntersuchung im Jahr 2010 aufgegeben. Seither wurde er vom Bischof nicht mehr zu einem Dienst als Priester ernannt. Diese Vorgeschichte war der Riehener Pfarrwahl-Kommission bekannt, als sie den Seelsorger im August 2017 zum neuen Pfarrer für St. Franziskus bestimmte. "Das war nicht besonders schlau, aber auch nicht das Delikt des Jahrhunderts", sagte Suter Radio SRF. Ein forensisches und ein medizinisch-rechtliches Gutachten, die der Bischof von Basel in Auftrag gegeben hatte, kommen zum Schluss, dass bei dem Priester keine Rückfallgefahr besteht. Für seine Wahl als Pfarrer gebe es weder von kirchlicher noch von staatlicher Seite Einschränkungen.

132 Unterschriften führen zur Urnenwahl im Februar

Bischof Felix Gmür stimmte der Wahl der Kommission nach eingehender Prüfung im August 2018 denn auch zu. "Ein rein politischer Entscheid wäre im Umfeld der Debatte rund um die Missbräuche in der Kirche und der damit verbundenen Nulltoleranz einfach gewesen", wurde Bistumssprecher Hansruedi Huber damals vom Katholischen Medienzentrum kath.ch zitiert. Ein bischöflicher Entscheid hingegen müsse eine gerechte Lösung sein, die die Ansprüche aller Beteiligten angemessen berücksichtigt.

Nach der Verfassung der Römisch-Katholischen Kirche Basel-Stadt erfolgt anders als in vielen anderen Kantonen auch eine Erstwahl eines Pfarrers in stiller Wahl, sofern nicht mindestens 100 Stimmberechtigte eine Urnenwahl verlangen. Innerhalb der sechswöchigen Referendumsfrist kamen 132 Unterschriften zusammen. Daher gibt es nun am 10. Februar eine Urnenwahl.