Pferdeauslaufplatz ist nur geduldet

Victoria Langelott

Von Victoria Langelott

Mi, 10. Oktober 2018

Efringen-Kirchen

Der Railroadstable ist als landwirtschaftlicher Betrieb zwar privilegiert, zum Problem wird nun, dass er in einer Wasserschutzzone liegt.

EFRINGEN-KIRCHEN (vl). Landwirte landauf landab stellen es fest: Hatten sie bisher dank ihrer Privilegierung keine Probleme, im Außenbereich neue Ställe oder Scheunen zu bauen, so stellen sich ihnen heute immer öfter Umweltbelange in den Weg. Das bekommt auch Silvia Baßler vom Railroadstable in Efringen-Kirchen zu spüren. Auch sie hat die Privilegierung, gleichzeitig aber Mühe, vom Landratsamt Anlagen genehmigt zu bekommen.

Mit einem betroffenen "Oh" registrierte am Montagabend der Technische Ausschuss des Gemeinderats die Information von Bauamtsmitarbeiter Marc Braun, dass das Landratsamt dem Railroadstable für den umgebauten Paddock – so heißt der Laufplatz für Pferde – vor kurzem nur eine Duldung für fünf Jahre ausgesprochen habe. Längerfristig sei der Platz dort nicht erlaubt. In der Sitzung lagen dem Ausschuss zwei neue Bauanträge des Pferdehofs vor, für beide gab der Ausschuss grünes Licht. Es handelte sich um ein Zelt für die Lagerung von Heu und die Bewegung von Pensionspferden sowie um ein Mobilhome, in dem die Pferdebesitzer auf die Toilette gehen und das Futter für ihre Tiere lagern und zubereiten können.

Marc Braun vermerkte auf Nachfrage aus dem Ausschuss, dass nicht sicher sei, ob auch das Landratsamt diese Anlagen gutheiße. Möglicherweise werde es auch dafür nur eine Duldung geben. Hintergrund dafür ist laut Braun, dass das Gelände in der Wasserschutzzone II liegt. Die Umweltbehörde im Landratsamt sieht wohl eine Gefahr fürs Grundwasser.

Die Antragstellerin selbst kann das nicht nachvollziehen. Kurios findet sie, wie sie im Gespräch mit der BZ erklärt, dass der Sandplatz ja bereits seit langem auf der anderen Seite des Stalls existierte. Die Umweltbehörde des Landratsamts habe erst ein Problem darin gesehen, als ihr der Pachtvertrag für das betreffende Grundstück gekündigt wurde und sie den Platz auf die andere Stallseite verlegen musste. Nach einem Ortstermin habe das Landratsamt die Ablehnung des Platzes dann in eine fünfjährige Duldung umgemünzt. Zum Schutz des Grundwassers habe sie beim Stallbau 2013 auch alle Auflagen erfüllt, sagt Silvia Baßler. Die Mistmieten mussten geschlossen und überdacht werden. Der Stall musste betoniert werden, "damit kein Pferdeurin ins Grundwasser gelangt." Die Einstreu werde mit Mikroorganismen geimpft, die den Harnstoff abbauen. Was übrig bleibt, wird Waldboden oder Grünkompost genannt. Pferdeäpfel sammle man von den Weiden. Sie seien beliebter Dünger, etwa für die Rosen im Landhaus Ettenbühl. Man solle doch den Nitratgehalt auf den Weideböden messen, es würde gewiss keine Gefahr fürs Grundwasser festgestellt.

Was Silvia Baßler ebensowenig versteht: Warum das Amt Bedenken gegen den Betrieb anmeldet, obwohl dieser schon vor der Schaffung der Wasserschutzzone bestand. Vor 25 Jahren hat Silvia Baßler das ehemalige Bahnwärterhaus an der Basler Straße in Efringen-Kirchen erworben und sich dort vor 22 Jahren den Traum der Pferdehaltung erfüllt. Ihrer Schätzung nach wurde 2004 die Wasserschutzzone eingerichtet. Die landwirtschaftliche Privilegierung habe sie, weil sie alle Kriterien dafür erfülle, hält sie fest, sie habe Land, erzeuge Futter für ihre Pferde, halte Pensionspferde und generiere Einkommen daraus. Baßler ist Reitwartin und besitzt die Reittrainer-A-Lizenz, die höchste Stufe.

Viel Wert legt sie auf die artgerechte Haltung der vier eigenen und sieben Pensionspferde. Ein Auslaufplatz sei zudem, erinnert sie, per Tierschutzgesetz für die Zeiten vorgeschrieben, in denen die Weiden nicht genutzt werden können – wenn sie sich im Winter zum Beispiel regenerieren müssen. Dürfte sie den Auslaufplatz nicht mehr betreiben, müsste sie die Pferde im Winter eben doch auf die Weide lassen, überlegt sie und hofft, dass das Landratsamt ein Einsehen hat.