Barrierefreiheit

Pflaster in der Freiburger Innenstadt wird für Rollstuhlfahrer geglättet

Daniela Frahm

Von Daniela Frahm

Fr, 14. September 2018 um 16:04 Uhr

Freiburg

Für Menschen mit Behinderung kann das historische Pflaster in der Innenstadt eine große Hürde sein. Nun sind auf dem Rathausplatz die ersten Arbeiten abgeschlossen. Für die Zukunft sei noch einiges geplant.

"Wir wollen eine inklusive Stadt sein und es muss für alle Menschen einfacher werden, sich durch die Stadt bewegen zu können", sagte Baubürgermeister Martin Haag bei der Präsentation der ersten abgeschlossenen Arbeiten auf dem Rathausplatz, die erst im August begonnen hatten.

320.000 Euro für die Barrierefreiheit

Die Bauzäune wurden inzwischen in Richtung Rathausgasse und in der Turmstraße in Richtung Rotteckring verschoben. 320 000 Euro werden hier in die Barrierefreiheit investiert, inklusive Sanierungsarbeiten sind es sogar 570 000 Euro, weshalb sich Haag ausdrücklich beim Gemeinderat bedankte, der das Geld bewilligt hat.

Die hohen Kosten kommen zustande, weil die Quarzitsteine einzeln in Handarbeit abgesägt und geflammt werden müssen, um eine möglichst ebene Fläche zu schaffen, erklärte Frank Uekermann, der Leiter des Garten- und Tiefbauamtes (GuT). Außerdem sei es schwierig, dafür Firmen zu finden, und das nicht nur wegen der guten Auftragslage für Baufirmen. "Das können nur wenige", sagte Uekermann, "deshalb müssen wir es teilweise selbst übernehmen." Auch das denkmalgeschützte Bächle in der Turmstraße – eines der ältesten der Stadt – habe das GuT vor eine schwierige Aufgabe gestellt. "Aber jetzt wird es nicht nur barrierefrei, sondern auch schön", ist Uekermann überzeugt.

Rollgasse vom Hauptbahnhof in die Innenstadt

Spätestens zum Beginn des Weihnachtsmarktes müssen die Arbeiten abgeschlossen sein. Entlang der Bächle wurde und wird eine sogenannte Rollgasse geschaffen, die mit Rollstuhl und Rollator gut genutzt werden kann. So wird eine Verbindung von der Kaiser-Joseph-Straße über den Rathausplatz zur Merianstraße, Universitätsstraße, Rathausgasse und Turmstraße geschaffen, die nur während des Weihnachtsmarktes nicht zur Verfügung steht. "Unser Ziel ist es, dass man barrierefrei vom Hauptbahnhof in die Stadt kommt", sagte Haag.

Dafür kämpft auch seit vielen Jahren der Behindertenbeirat, für den die Vorsitzende Daniela Schmid betonte, dass das Gremium viel Lobbyarbeit geleistet habe, um den Gemeinderat zu überzeugen. "Rollstuhlfahrer haben jetzt den größten Vorteil", sagte Schmid.

Für Blinde bleibe es hingegen weiterhin schwierig, sich in der Innenstadt zu bewegen, weil die dafür notwendigen Leitsysteme nicht mit dem historischen Pflaster vereinbaren lassen. Mischa Knebel vom Blinden- und Sehbehindertenverein, der nur noch hell und dunkel unterscheiden kann und sich mit einem Taststock fortbewegt, kann zum Beispiel den weißen Kontraststreifen nicht erfühlen, der das neue Pflaster zum Bächle hin abgrenzt. "Aber in der Innenstadt müssen wir Kompromisse hinnehmen", sagt Knebel, der sich für Menschen mit Rollator oder Kinderwagen freut, die nun besser vorankommen.

Passanten benutzen lieber die eingeebnete Seite

Aber nicht nur für Menschen mit Behinderung ist der neue Straßenbelag ein Komfortgewinn, findet Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach, der im Rathaus für das Thema Inklusion zuständig ist: "Für zehn Prozent ist es erforderlich, für 40 Prozent hilfreich und für 50 Prozent bequem." Das kann Lonieta Dylus, Leiterin der Tourist-Information am Rathausplatz, bestätigen. Sie hat beobachtet, dass alle Passanten und Fahrradfahrer in der Turmstraße lieber die eingeebnete Seite benutzen.

Auch wenn in der Innenstadt derzeit viel passiert, um Barrierefreiheit zu schaffen, und laut Haag auch noch einiges geplant ist, sieht Daniela Schmid viele weitere Projekte. Der Behindertenbeirat fordere deshalb seit längerem, dass im Garten- und Tiefbauamt eine Stelle für Barrierefreiheit geschaffen werde. "Diese beratende Arbeit leisten wir derzeit ehrenamtlich", so Schmid.