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11. August 2012 00:07 Uhr

Kontrolle

Philippsburg I auf Risse im Reaktorbehälter überprüft

In Belgien ist ein Meiler wegen möglicher Risse im Reaktorbehälter vom Netz genommen worden. Jetzt wurde der Behälter in Philippsburg überprüft - er ist vom selben Hersteller. Auch Leibstadt wird kontrolliert.

  1. Das Atomkraftwerk Philippsburg I. Foto: dpa

Der Reaktorbehälter des stillgelegten Atomkraftwerks Philippsburg I ist von derselben Firma wie der nun wegen möglicher Risse vom Netz genommene Behälter im belgischen Kernkraftwerk Doel bei Antwerpen. Dies bestätigte der Betreiber EnBW am Freitag in Karlsruhe. Zugleich betonte ein Unternehmenssprecher: "Im Philippsburger Reaktorbehälter haben wir keine Risse festgestellt." Die beiden Behälter seien zudem völlig unterschiedlich. "Sie sind nicht vergleichbar", so der EnBW-Sprecher.

In Belgien handele es sich um einen Druckwasserreaktor, auf dessen Behälter mehr Druck wirke als auf den im Philippsburger Siedewasserreaktor. Beide Behälter waren von einer seit 1996 nicht mehr bestehenden Firma in Rotterdam gefertigt worden. Die EnBW überprüft nach den Meldungen aus Belgien sicherheitshalber aber intensiv auch ihren Behälter.

21 Reaktorbehälter dieses Typs weltweit verbaut

Der im vergangenen Jahr nach dem Reaktorunglück von Fukushima abgeschaltete Meiler Philippsburg I befindet sich im sogenannten Nachbetrieb. Im dortigen Reaktorbehälter sind der EnBW zufolge keine radioaktiven Brennelemente mehr. "Sie sind zum Abklingen im Brennelemente-Lagerbecken", erläuterte der Sprecher.

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Die möglichen Risse im belgischen Reaktor Doel 3 wurden nach Angaben der AFCN bei einer seit Anfang Juni laufenden Routineinspektion mit neuen Ultraschall-Messgeräten entdeckt. Es sei noch nicht klar, wie groß die Schäden seien, heißt es in Belgien. Es seien aber "zahlreiche Hinweise" auf Fehler im Stahl des Reaktorbehälters gefunden worden. Nach Angaben der belgischen Aufsichtsbehörde gibt es weltweit 21 Reaktorbehälter dieses Typs – zwei davon in der Schweiz, einer in Leibstadt bei Waldshut, einer in Mühleberg bei Bern. Jetzt werden beide Druckbehälter untersucht. Die beiden Schweizer Atommeiler sind seit Anfang August wegen Revisionsarbeiten abgeschaltet.

Da der Reaktordruckbehälter des AKW Mühleberg vom selben Hersteller stammt, hat das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) jetzt vom Kraftwerksbetreiber Informationen angefordert. Auch von Leibstadt will das Ensi Informationen über die Herstellung des Druckbehälters. Der dortige Reaktorbehälter stammt aber offenbar aus Japan. Über das weitere Vorgehen will die Aufsichtsbehörde noch vor dem Ende der Revisionsarbeiten entscheiden.

Risse im AKW Mühleberg

Im Atomkraftwerk Mühleberg sind seit 1990 Risse bekannt. 1996 wurden sie mit vier Zugankern stabilisiert, die laut einem Gutachten des TÜV Nord aus dem Jahr 2006 aber untauglich sind.

Das Atomkraftwerk Leibstadt impft seit 2008 seinen Reaktor und dessen Einbauten gegen Korrosisionrisse mit stündlich rund zwei Kilogramm Wasserstoff und jährlich 730 Gramm Platin.
Philippsburg I

Bei dem vom Netz genommenen Reaktor auf einer Insel im Rhein rund 30 Kilometer nördlich von Karlsruhe handelt es sich um einen Siedewasserreaktor, der es auf eine Leistung von 926 Megawatt brachte. Er ging 1979 ans Netz und war besonders ins Visier von Atomkraftgegnern geraten, weil der Meiler nach dem Prinzip des Katastrophen-Kernkraftwerks im japanischen Fukushima arbeitete. Er hatte in den vergangenen Jahren immer wieder wegen Pannen für Schlagzeilen gesorgt.

Atomstrom In der Schweiz

Mit 60 Prozent liegt der Anteil von Kernenergie an der Stromerzeugung in der Schweiz weit über dem europäischen Durchschnitt von 33 Prozent. Während Österreich kein einziges Atomkraftwerk betreibt, gibt es in der Schweiz fünf Reaktoren: Beznau 1 und 2, Gösgen, Leibstadt und Mühleberg. Bis auf Mühleberg bei Bern liegen alle Anlagen in den Grenzkantonen Aargau und Solothurn. Zu den Kraftwerken hinzu kommen kerntechnische Anlagen am Paul Scherrer Institut in Villingen, das zentrale Zwischenlager Würenlingen und die Forschungsreaktoren an der ETH Lausanne und an der Uni Basel. Bis 2034 soll das letzte der fünf Kraftwerke, das AKW in Leibstadt, vom Netz gehen.

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Autor: dpa/mhe