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07. Juli 2012

Piep und Tor – so einfach kann Fußball sein

Die Schiedsrichter feiern die neue Technik.

FRANKFURT (dpa). Deutschlands Schiedsrichter freuen sich auf die neue Tortechnik, wollen aber nicht, dass sie auf das ganze Spielfeld ausgeweitet wird. "Die Frage Tor oder kein Tor ist eine Schwarz-Weiß-Entscheidung. Anders als etwa bei Fouls ist die Fachkompetenz des Schiedsrichters da nicht gefordert", sagte Lutz Wagner, Mitglied der Schiedsrichter-Kommission des DFB. Bei der Tor-Entscheidung finde keine Bewertung statt – da könne die Technik gut unterstützen.

Das kameragestützte Hawk-Eye oder das Goalref-System mit Magnetfeld im Tor und Chip im Ball sieht auch der ehemalige Fifa-Schiedsrichter Hellmut Krug als wichtige Hilfe. "Mit der Technik wird ein großer Druck von den Schiedsrichtern genommen, weil die Unterscheidung Tor oder nicht Tor mit menschlichem Auge manchmal nicht zu treffen ist", sagte er. Am Donnerstag hatte das Fifa-Regelkomitee IFAB beschlossen, bei der Frage Tor oder kein Tor künftig diese beiden technischen Hilfsmittel zuzulassen. Sie sollen dem Referee anzeigen, ob der Ball die Torlinie überschritten hat oder nicht. Auf Fifa-Ebene sollen die neuen Systeme vorerst nur bei der Klub-WM im Dezember in Japan, dem Confederations Cup 2013 und der WM 2014 in Brasilien eingesetzt werden. Dort soll die Technik überprüft werden, bevor sie in der Bundesliga zum Einsatz kommt. "Das System muss zu 100 Prozent funktionieren. Das ist die Voraussetzung, dass es genommen wird", so Wagner. Er sieht allerdings beim Hawk-Eye eine Schwachstelle. Wenn der Ball vom Torwart verdeckt sei und von den Kameras nicht erfasst werden könne, helfe auch die schönste Technik nichts.

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Hellmut Krug mahnt Geduld an. "Die Technik kommt. Aber erst müssen die Systeme erprobt werden. Realistisch ist eine Einführung in der Bundesliga wohl erst 2014." Aber eben nur im Tor. Deutschlands Schiedsrichter des Jahres, Knut Kircher, hält nichts von einem Videobeweis für Elfmeter oder Abseitsentscheidungen. "Das macht das Spiel nicht ehrlicher", sagte er.

Dabei machen Sportarten wie Hockey gute Erfahrungen mit Videobeweisen auf dem ganzen Spielfeld. Auch Ex-Schiedsrichter Wagner hat sich mit Hockey-Kollegen ausgetauscht – sieht aber zu viele Unterschiede zwischen den Sportarten: "Im Hockey gibt es mehr Unterbrechungen als im Fußball. Je weniger Unterbrechungen, desto weniger Gelegenheiten gibt es, eine Entscheidung im Video zu überprüfen", sagte Wagner. "Wenn das Spiel zwei oder drei Minuten weiterläuft, kann auf der anderen Seite schon ein Tor gefallen sein."

Autor: dpa