Grenzach-Wyhlen

Pläne für ein Ärztehaus in Wyhlen werden konkret

Rolf Reißmann

Von Rolf Reißmann

So, 16. Dezember 2018 um 08:19 Uhr

Grenzach-Wyhlen

An der Ecke Bahnhof- und Gartenstraße plant die Verwaltung ein Praxisgebäude mit 750 Quadratmetern und 21 Wohnungen.

Die Gemeinde soll ein Ärztehaus erhalten, vorgesehen ist der Neubau an der Ecke Bahnhofstraße und Gartenstraße in Wyhlen. Bürgermeister Tobias Benz sowie die drei Ärzte Martina Franke-Rothfuchs, Kai Behringer und Andreas Fluck haben am Freitag die bisherigen Überlegungen dazu vorgestellt.

Derzeit ist die ärztliche Betreuung in beiden Ortsteilen sehr angespannt. Von ehemals 13 Ärzten sind heute nur noch sechs aktiv, zwei weitere bieten fachärztliche Leistungen an. Bereits in den nächsten beiden Jahren könnten weitere Ärzte ausscheiden, denn einer erreichte bereits vor mehreren Jahren das Rentenalter, ein anderer steht kurz davor. Versuche, neue Mediziner für eine hausärztliche Praxis zu gewinnen, sind bisher allesamt gescheitert. "Wir haben alle eine Leistungsgrenze erreicht, so dass wir uns bei weitem den Patienten nicht so intensiv widmen können, wie diese es erwarten", sagte Andreas Fluck. "Unsere Arbeit hat sich dermaßen verdichtet, dass wir keine neuen Patienten mehr annehmen können, vor allem leidet auch die Altenheimversorgung unter dem enormen Zeitdruck", ergänzte Kai Behringer.

Angespannte Lage in ganz Südbaden

Nicht nur in Grenzach-Wyhlen sei die Lage so angespannt, sondern generell in Südbaden. Momentan arbeiten im Kreis Lörrach 149 Hausärzte, bis 2025 wird ein Rückgang auf 67 erwartet. Ein Grund dafür sind die attraktiven Angebote, die die Absolventen der medizinischen Fakultäten sowohl von der Industrie als auch für Arztpraxen in der Schweiz erhalten.

Nachdem sich für die Hausärzte diese Entwicklung abzeichnete, bemühten sie sie sich in Gesprächen mit der Gemeinde um ein neues Konzept. Bürgermeister Tobias Benz bewertet die ärztliche Versorgung als einen sehr wichtigen Teil der Daseinsvorsorge, deshalb regte er beim Gemeinderat sowie bei der Wohnungs- und Grundstücks GmbH an, die Möglichkeiten für den Bau eines Ärztehauses zu prüfen. Als Grundstück bietet sich das Areal an der Bahnhofstraße an, das Gelände ist über einen Erbpachtvertrag langfristig für die Gemeinde gesichert.

Architekt Rolf Rode erarbeitete eine erste Planung für das Gebäude. Insgesamt rund 750 Quadratmeter könnten darin als Fläche für Arztpraxen dienen, eine kleinere im Erdgeschoss und eine große Gemeinschaftspraxis im ersten Obergeschoss. Im oberen Teil sollen 21 Wohnungen entstehen. Allein die größere Fläche würde für die jetzt tätigen Ärzte erhebliche Entlastung schaffen. Andreas Fluck etwa verfügt derzeit nur über 90 Quadratmeter Fläche, so dass bei starkem Andrang nicht alle Patienten in sein Wartezimmer mit 14 Sitzplätzen passen.

Kassenärztliche Vereinigung unterstützt das Projekt

Ein Ärztehaus bietet auch die Möglichkeit, Synergien zu nutzen, so könnte ein gemeinsamer Empfang eingerichtet werden, ebenso würden sehr teure Geräte gemeinsam benutzt. Für Patienten könnte damit der wesentliche Vorteile geschaffen werden, dass die Praxis durchgängig geöffnet wäre, also Schießzeiten wegen Urlaubs entfielen.

Allerdings würde das für die Patienten auch bedeuten, dass sie bei akuten Erkrankung ohne Termin nicht unbedingt zu "ihrem" Arzt gehen können, sondern schnell von einem der Ärzte der Gemeinschaftspraxis behandelt werden. Möglich wäre auch, weitere Ärzte in Anstellung zu beschäftigen. "Das ist besonders für Frauen wichtig, die zum Beispiel nach einer Babypause wieder in den Beruf einsteigen möchten", erklärte Martina Franke-Rothfuchs. "Oftmals möchten die jungen Kolleginnen langsam wieder einsteigen, aber nicht gleich eine volle Praxis übernehmen, weil sie sich eben auch um ihre Familie kümmern möchten. Für uns wäre das auf jeden Fall wertvolle Unterstützung."

Die kassenärztliche Vereinigung steht dem Projekt aufgeschlossen gegenüber, von dort ist die notwendige organisatorische Zustimmung zu erwarten. Dies ist erforderlich, da eine Gemeinschaftspraxis eine andere Rechtsform als eine Einzelpraxis ist. Die Gemeinde käme den Ärzten mit einer um drei Euro je Quadratmeter reduzierten Miete entgegen. Fluck verwies auf weitere mögliche Synergieeffekte, so könnte bei größerem Arbeitsaufkommen auch nichtärztliche Praxishelferinnen einen Großteil gemeinsamer organisatorischer Aufgaben erledigen, schließlich müsse man heute auch daran denken, neue Verfahren wie etwa die Telemedizin vorzubereiten. Für die Patienten wäre das Haus an der Güterstraße gut zu erreichen. Die Buslinie 7311 hält direkt davor, vom Bahnhaltepunkt sind es nur wenige Schritte mehr. Im unmittelbaren Umfeld wird es deutlich mehr Parkplätze geben, als jetzt an den Praxen zur Verfügung stehen.

Am Dienstag wird sich der Gemeinderat erstmals öffentlich mit dem Thema befassen. Nach aktuellem Zeitplan könnte im kommenden Jahr der Bau beginnen, so dass das Haus um die Jahreswende 2021/22 eröffnet werden könnte. Ausdrücklich weisen die drei beteiligten Ärzte darauf hin, dass dieses Projekt in keiner Weise der Ansiedlung weiter junger Kollegen entgegensteht.