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25. Juli 2010 18:28 Uhr

Millionenprojekt

Platz der Alten Synagoge: Die Kritik wird lauter

Für Freiburg ist die geplante Umgestaltung am Rotteckring ein Meilenstein der Stadtentwicklung. Und immer mehr Parteien und Gruppierungen stolpern darüber, je konkreter das Millionenprojekt wird.

  1. So soll der Platz der Alten Synagoge künftig aussehen. Foto: visualisierung: www.gd90.de

Seit mehr als 20 Jahren läuft die Diskussion, ob und wie die innerstädtische Transversale zu unterbrechen ist. Es gab einen Bürgerentscheid, Informationsabende und Workshops mit Bürgern, Architektenwettbewerbe – im Oktober 2006 wurde der Entwurf des Freiburger Architekten Volker Rosenstiel und des Landschaftsarchitekten Martin Schedlbauer vom Freiburger Büro Faktorgrün zum besten gekürt (siehe Interview unten). Auf dessen Basis soll der Gemeinderat morgen das Verfahren für den Bebauungsplan vorantreiben. Und das Vorhaben ist so umstritten wie noch nie.

Dabei hatte der Entwurf von Anfang an polarisiert: Ein urbaner Platz entstehe da zwischen Theater und Kollegiengebäude II der Universität, schwärmte die Jury des Realisierungswettbewerbs. Durchdacht und zurückhaltend, lobten Experten. Zu kahl, zu leer, eine Rennstrecke für Radler, eine Steinwüste, schimpften Kritiker. Zuletzt befeuerte der renommierte Freiburger Meteorologe Helmut Mayer die Debatte mit seiner Einschätzung, der geplante Platz sei ein Backofen, der den Klimawandel nicht berücksichtige.

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Wünsche aus der Bürgerbeteiligung

Eine weitere Konfliktlinie verläuft zwischen Rathaus und Universität, die sich im Entwurf für die Umgestaltung sogar ablesen lässt. Die Uni will für ihre Studierenden und Professoren die nötige Ruhe garantiert wissen, die Stadtplaner haben die Wünsche aus der Bürgerbeteiligung aufgegriffen, wonach der Platz die Möglichkeit bieten soll, Konzerte, Theateraufführungen und Feste zu veranstalten.

Die siegreichen Architekten haben deshalb den 130 auf 130 Meter großen Platz diagonal geteilt: Vor dem Kollegiengebäude sind Bäume vorgesehen sowie ein Wasserspiegel, der den Grundriss der einstigen Synagoge nachzeichnet. Gegenüber, vor dem Theater, bietet die Fläche aus Granit den Freiraum für unterschiedliche Nutzungen. Das geplante "Platzhaus" an der Bertoldstraße soll die Nordseite des zweitgrößten Platzes der Stadt begrenzen und ist als Info-Zentrale konzipiert.

"Das ist kein Platz für den großen Rummel."Uni-Sprecher Rudolf Dreier
Diese städtebauliche Lösung des Zielkonflikts hat die Universität noch nicht restlos überzeugt. Sie fordert eine Vereinbarung darüber, wie das Areal genutzt werden soll. "Das ist kein Platz für den großen Rummel", sagt Uni-Sprecher Rudolf Dreier, "es geht darum, Zeiten und Örtlichkeit festzulegen." Semester und Klausuren müssten berücksichtigt werden. Vor allem das "Platzhaus" bereitet der Hochschule Sorgen. Es steht an der Ecke des Kollegiengebäudes II und soll Anlauf- und Treffpunkt werden. Die besonders betroffene Rechtswissenschaftliche Fakultät und das städtische Rechtsamt verhandeln nun über mögliche Einschränkungen. Uni-Gremien und Gemeinderat sollen dann den Vertragsentwurf absegnen.

Auch sonst melden sich verschiedene Gruppierungen kritisch zu Wort: Die CDU sieht angesichts der drohenden Steuerausfälle keinen finanziellen Spielraum, um den städtischen Anteil in Höhe von 11,4 Millionen Euro zu stemmen und fordert, das Vorhaben zu verschieben. Die mit staatlichen Zuschüssen finanzierte Tramtrasse über die Kronenbrücke durch den Rotteckring bis zum Siegesdenkmal, die noch einmal 30,6 Millionen Euro kostet, wollen die Christdemokraten hingegen realisieren.

Bäume für ein besseres Klima

Die Grünen wollen auf das "Platzhaus" verzichten und stattdessen Bäume pflanzen, um das Klimaproblem zu verringern. Das können sich auch die Unabhängigen Listen vorstellen, die zudem weitere Sitzgelegenheiten fordern. Die FDP bleibt bei ihrer Linie gegen das Gesamtprojekt. Der unabhängige Studierendenausschuss will die Rasenfläche erhalten und noch mehr Radabstellplätze. Und der Freiburger Aktionskreis der Initiative "Mehr Demokratie" appelliert an den Gemeinderat, einen Bürgerentscheid zu initiieren.

Derweil hält die Rathausspitze an den bisherigen Plänen fest. Aus dem Klimagutachten und nach Gesprächen mit dem Meteorologen Helmut Mayer schlagen die Stadtplaner nun vor, weitere Bäume auf dem Platz vorzusehen. Weil die Debatte den Zeitplan verzögert hat, soll nun die Bürgerbeteiligung im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens im September stattfinden. Im Jahr 2013 könnte dann mit dem Umbau begonnen werden.

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Autor: Uwe Mauch