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12. März 2009 21:35 Uhr

Fahndungspanne in Winnenden

Amoklauf: Internet-Ankündigung ist eine Fälschung

Zwei Tage nach dem Amoklauf von Winnenden muss die Polizei eine schwere Ermittlungspanne zugeben. Auf dem Computer des Täters haben die Ermittler nun doch keinen Hinweis auf eine Ankündigung des Blutbads gefunden.

  1. Der am Donnerstag von der Polizei veröffentlichte Auszug von einer Internetseite ist wohl eine Fälschung. Foto: ddp

Die Angaben der Ermittler, wonach die Ankündigung der Bluttat auf dem Computer des 17-Jährigen gefunden wurde, habe sich als falsch erwiesen, sagte ein Polizeisprecher. Derzeit gebe es deshalb keine Hinweise, dass Tim K. die Nachricht tatsächlich auf seinem Computer geschrieben habe. Wie es zu der Falschmeldung kam, sei noch unklar. Der Pressesprecher der Polizeidirektion Waiblingen, Nikolaus Brenner, sagte am Morgen: "Eventuell war das ein Übermittlungsfehler."

Die Panne ist eine Riesenblamage für Innenminister Heribert Rech, die Polizei und die Ermittler. Donnerstagmittag hatte Rech noch auf einer Pressekonferenz erklärt, der Eintrag stamme zweifelsfrei von Tim K. Die Ermittler hätten Daten auf dem PC des Amokläufers gefunden die zeigten, dass der 17-Jährige in der Nacht vor der Tat in einem Internet-Forum geschrieben habe: "Ich meine es ernst, Bernd – ich habe Waffen hier, und ich werde morgen früh an meine frühere Schule gehen und mal so richtig gepflegt grillen." Weiter habe es geheißen: "Merkt Euch nur den Namen des Orts: Winnenden."

Rech: Eintrag "nachträglich konstruiert"

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Am Abend dann die Kehrtwende. Um 21.23 Uhr lief die erste Eilmeldung der Presseagentur dpa. Inhalt: Die Polizei kann nicht beweisen, dass Tim K. den viel diskutieren Foreneintrag geschrieben hat. Und es kam noch dicker: Mittlerweile sagte Rech der "Süddeutschen Zeitung", die Ermittler der Polizei hätten auf dem Computer von Tim K. festgestellt, dass der Forum-Eintrag nicht von dort verfasst worden sei. "Das muss wohl im nachhinein konstruiert worden sein." Rech wies zugleich Kritik zurück, die Ermittlungsbehörden hätten zu früh auf die Echtheit des Eintrages festgelegt. "Ich habe stets deutlich gemacht, dass es sich um den vorläufigen Stand der Ermittlungen handelt." Es müsse nun geklärt werden, wie der Vater eines 17-Jährigen behaupten konnte, dieser habe den Eintrag vor der Tat gesehen. Der Vater hatte anschließend die Polizei informiert.

Häme in Blogs und Foren

Besonders peinlich für Minister, Polizei und Staatsanwaltschaft: Während sie noch an ihrem angeblichen Beweis festhielten und entsprechende Hinweise auf einen Fake dementierten, war sich die Internetgemeinde bereits sicher: Bei der angeblichen Botschaft von Tim K. handelt es sich um eine Fälschung. In Foren, Blogs und via Twitter-Nachrichten wurde genau das den ganzen Donnerstag über ausführlich diskutiert – und mit Häme für Ermittler nicht gespart.

Forenbetreiber dementierte den ganzen Tag über

Aufgetaucht ist die angebliche Botschaft des Amokläufers im Internetforum krautchan.net. Auf der Startseite der Plattform stand den ganzen Tag über ein Dementi. Am Abend war dort folgende Stellungnahme zu lesen: "Leider wird unser winziger Server mit dem momentanen Ansturm nicht fertig. Es gibt allerdings auch gar nichts zu sehen, da die deutsche Presse sich bedauerlicherweise (vermutlich nicht zum ersten Mal) von einer Fälschung hat täuschen lassen. Hier wurde kein Amoklauf angekündigt, es gibt hier nur Leute, die mit Photoshop umgehen können."

Photoshop ist ein Software für Bildbearbeitung am Computer. Mit dem Programm ist es ein Leichtes, eine entsprechende Botschaft zu entwerfen, die dann in einem Forum wie krautchan.net auftaucht.

Fotodokumentation: Trauer nach dem Amoklauf

Autor: Peter Disch/dpa