Großbritannien

Polizei ermittelt gegen Prinz Philip nach schwerem Verkehrsunfall

Peter Nonnenmacher und dpa

Von Peter Nonnenmacher & dpa

Fr, 18. Januar 2019 um 21:51 Uhr

Panorama

Der 97-jährige Gatte der Queen hat einen Unfall verursacht und sich mit seinem Land Rover mehrfach überschlagen. Zwei Frauen wurden dabei verletzt. Prinz Philip blieb unverletzt.

Ein Verkehrsunfall von Prinz Philip (97), Herzog von Edinburgh, war wohl deutlich schwerer als zuerst angenommen. Der Royal war am Donnerstagnachmittag in der Nähe des Landsitzes der Queen im ostenglischen Sandringham mit einem anderen Auto kollidiert. Sein Land Rover, den er selbst fuhr, soll sich einem Augenzeugen zufolge mehrfach überschlagen haben. Der Ehemann von Königin Elizabeth II. (92) kam zwar mit dem Schrecken davon. Zwei Frauen in dem anderen Wagen mussten aber im Krankenhaus behandelt werden. Ein Baby blieb unverletzt.

Die Polizei hat die Ermittlungen gegen den Prinzen aufgenommen, Alkoholtests bei ihm und der Fahrerin des anderen Autos verliefen negativ. Rechtsexperten zufolge könnten die Ermittlungen zu einer Anklage gegen Philip führen.

Tiefe Betroffenheit herrschte am Freitag im britischen Königshaus nach dem Unfall. Der Prinz, der 2017 in den Ruhestand ging, erholt sich in Sandringham in Gegenwart der Königin von dem Schrecken. Die beiden halten sich zu Weihnachten und im Januar in dem Schlösschen im Osten Englands auf.

Die Sonne habe ihn geblendet, soll er der Polizei gesagt haben

Philip hatte offenbar versucht, mit seinem Land Rover in eine Landstraße einzubiegen, auf der ein Kleinwagen mit zwei Frauen und einem neunmonatigen Kleinkind fuhr. Die Sonne habe ihn geblendet, soll er der Polizei gesagt haben. Die 28-jährige Fahrerin erlitt Schnittwunden am Knie, die 45-jährige Beifahrerin brach sich das Handgelenk. In Prinz Philips Wagen soll ein Leibwächter mitgefahren sei.

Auch Prinz Philip blieb unverletzt. Nachdem ihn ein Augenzeuge des Unfalls, der Rentner Roy Warne, aus seinem zur Seite gekippten Wagen gezogen hatte, stand er offenbar relativ schnell wieder auf den Beinen. Doch er stand "schwer unter Schock", wie Warne sagte. Er machte "eine Spur Blut", wahrscheinlich verursacht von kleinen Glasschnitten, bei Philip aus. Noch am Freitag schüttelte Warne den Kopf darüber, dass bei "diesem scheußlichen Zusammenprall" niemand schwerer verletzt worden war. Gefragt, wie Philip reagiert habe, antwortete der Rentner: "Jedenfalls hat er nichts Rüdes gesagt."

Ausgerechnet für diesen Freitag hatte der für das Gebiet zuständige Grafschaftsrat von Norfolk die Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit auf der betreffenden Straße von 60 auf 50 Meilen (von 96 auf 80 Stundenkilometer) und die Einrichtung neuer Überwachungskameras geplant.

In England gibt es keine Altersgrenze beim Fahren. Wer älter als 70 Jahre ist, muss aber alle drei Jahre seinen Führerschein erneuern und schriftlich bestätigen, noch fahrtüchtig zu sein. "Der Herzog von Edinburgh besitzt einen gültigen Führerschein", hieß es denn auch eilends bei Hofe. Philip war zeitlebens ein enthusiastischer Autofahrer. Er hatte zweifellos nie die Absicht, das Fahren aufzugeben. Noch im April 2016 hatte er den US-Präsidenten Barack Obama bei einem London-Besuch zusammen mit der Queen und Michelle Obama auf dem Gelände von Windsor in seinem Land Rover herumgefahren.