Polizei räumt Protestcamp

Bärbel Nückles

Von Bärbel Nückles

Di, 11. September 2018

Südwest

Im Elsass endet ein jahrelanger Streit um einen neuen Autobahnabschnitt / Bauarbeiten beginnen.

STRASSBURG. Nach jahrelangem juristischen Kampf um eine neue Autobahn im Straßburger Westen haben am Montag die ersten Bauarbeiten begonnen. Die französische Polizei räumte dafür vom frühen Morgen an die vorgesehenen Gelände bei Kolbsheim, Ernolsheim und Vendenheim und zerstörte die Protestcamps der Gegner. Die Opposition gegen die geplante Westumfahrung (Grand Contournement Ouest/GCO) bei Straßburg reicht fast vier Jahrzehnte zurück.

Nach Angaben der Präfektur waren von 5.30 Uhr an 515 Polizisten am Ort. Die Räumung sei konsequent vorgenommen worden und ohne dass es Verletzte gegeben habe, sagte der Straßburger Präfekt Jean-Luc Marx vor Journalisten am Montag. Die Gendarmen hätten zwei Tränengaspatronen eingesetzt. Festgenommen wurde niemand. Vier Personen hätten Bäume besetzt und seien von der Polizei heruntergeholt worden. Entgegen der Erwartungen seien am Montagmorgen vorerst keine Bäume gefällt worden. Gegner des Bauvorhabens am Ort bestritten dies.

Mit der Räumungsaktion scheint der jahrelange Protest gescheitert zu sein. An ihm hatten sich elsässische Politiker und Umweltschützer beteiligt. Einer der Gegner, der Bürgermeister von Kolbsheim, Dany Karcher, bezichtigte den zuständigen Präfekten der Region Grand Est der "Verfassungsgewalt". Ende August hatte Marx die Baugenehmigung für das GCO unterschrieben, nachdem das Straßburger Verwaltungsgericht Mitte Juni die Räumung genehmigt hatte. Es war der Schlusspunkt unter einem langen Rechtsstreit zwischen Befürwortern und Gegnern.

24 Kilometer neue Autobahn bis Mitte des Jahres 2021

Die Gegner halten den Nutzen der neuen Autobahn für zu gering, um die dafür notwendige Zerstörung der Natur und Landschaft zu rechtfertigen. Ihrer Meinung nach wird sich die Verkehrsbelastung in Straßburg nur im einstelligen Prozentbereich reduzieren. Dafür müssten mehr als 200 Hektar wertvolles Ackerland und mehr als zehn Hektar Wald unter Asphalt verschwinden. "Wir kämpfen auch gegen diese Autobahn, damit die Straßburger bessere Luft atmen können", sagte Karcher am Montag.

Bauherr ist das französische Konsortium Vinci. Die Kosten in Höhe von rund 500 Millionen Euro wird Vinci über eine Mautgebühr für die Nutzung der 24 Kilometer langen Strecke refinanzieren. Mit der Inbetriebnahme ist Mitte 2021 zu rechnen. Zu den Unterstützern des Baus zählen unter anderem die Industrie- und Handelskammer, aber auch der Präsident der Stadtgemeinschaft Straßburg, Robert Herrmann. Er sei überzeugt, dass außerdem der Regional- und Nahverkehr im Raum Straßburg weiter gestärkt werden müsste, sagte er kürzlich der Badischen Zeitung. Dennoch brauche Straßburg die Umgehung, so Herrmann, um Pendler und Betriebe angesichts täglicher Staus vom Transitverkehr zu entlasten. Die Autobahn A 35 bei Straßburg wurde in den 1950er Jahren geplant, als man mit einem Verkehrsaufkommen von 8000 Fahrzeugen täglich rechnete. Inzwischen verkehren in Spitzenzeiten bis zu 200 000 Lastwagen und Pkw.