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19. Juni 2017 11:20 Uhr

Ruhestörung

Empörung bei Bewohnern wegen Nachtdemo von 800 Menschen in Freiburg

Die unangemeldete Nachtdemonstration von Gruppen aus dem linksautonomen Spektrum am Sonntag in der Innenstadt hat bei Bewohnern im Quartier Im Grün Entsetzen ausgelöst.

  1. Im Grün – an der Ecke Adler-/Belfortstraße – hielten sich am Sonntagmorgen Hunderte Ruhestörer auf. Foto: Rita Eggstein

  2. Foto: Vögtle

Zahlreiche Menschen waren in der Nacht von Samstag auf Sonntag mit lauter Musik und Gegröle aus dem Bett gerissen worden (BZ berichtete). Wie die Polizei am Montag mitteilte, nahmen bei der Demonstration zwischen 800 und 1000 Menschen teil. Im Sedanviertel und Im Grün, wo der Marsch endete, kam es zwischen 4 Uhr und 5.30 Uhr zu etlichen Auseinandersetzungen zwischen Krawallmachern und Anwohnern.

Aggression mit neuer Qualität

Eine Frau, die in der Adlerstraße wohnt und aus Angst vor weiteren Angriffen ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, empfand die Nacht bedrohlicher als bei früheren Demos der Szene. "Die Aggression hatte schon eine andere, neue Qualität". Nachdem sie zweimal die Polizei gerufen habe und nichts geschah, ging sie gegen 4 Uhr auf die Straße, um einige der zu diesem Zeitpunkt noch rund 100 jungen Personen zu bitten, die laute Musik abzustellen und nicht mehr rumzuschreien.

Da jedoch keinerlei Einsicht vorhanden war, wollte sich die Anwohnerin an der Musikanlage betätigen. "Ich wurde dann im Kreis rumgeschubst und beschimpft", berichtete sie der BZ. Zudem hinterließ jemand auf ihrer Jacke ein Aufkleber der Antifa. Auch die Fassade des Hauses, in dem sie wohnt, wurde wie andere im Viertel wiederholt besprüht. Sie gehe davon aus, dass die Demo auch eine Reaktion auf die Anti-Graffiti-Aktionen der letzten Wochen gewesen sei.

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Start nach Party in der "Susi"

Für oder gegen was die jungen Menschen mit Musik, Feuerwerkskörpern, Transparenten und Schlachtrufen jedoch genau demonstrierten, blieb unklar. Laut Augenzeugen ging es unter anderem um Sperrstunden, Tanzverbote und die Wohnungspolitik der Stadt Freiburg. Auch das 25-jährige Jubiläum des Wohnprojekts "Selbstorganisierte unabhängige Siedlungsinitiative" (Susi) im Vauban war Thema.

Von dort setzte sich der Aufzug nach einer Party auch in Gang. Laut Polizei formierten sich gegen 2.45 Uhr zunächst Hunderte Personen in der Merzhauser Straße, um in Richtung Innenstadt zu ziehen. Die zur Verfügung stehenden Polizeikräfte konzentrierten sich darauf, genau das zu verhindern, wie Polizeisprecher Dirk Klose am Montag bestätigte: "Unser Schwerpunkt lag darauf, die Truppe auf keinen Fall ins Stadtzentrum ziehen zu lassen."

Lokalverein will mit Bürgermeister reden

Auf die Frage, warum die Polizei nicht eingriff und etwa auffällige Demonstranten verwarnte, sagte er, man müsse abwägen, ob es sich lohnt, einzelne Leute rauszuziehen und damit eventuell zu provozieren. Die Polizisten entschieden sich in diesem Fall dagegen. Um 5.15 Uhr sei der Einsatz beendet worden. Insgesamt gingen vier Anzeigen bei der Polizei ein. So wurde neben Hauswänden auch ein Polizeifahrzeug beschädigt.

Zudem soll ein Mann von einer unbekannten Person ins Gesicht geschlagen worden und eine ältere Frau durch Fremdeinwirken gestürzt sein. "Das zielt nur noch auf Provokation und ist alle andere friedlich", sagte Gerhard Heiner vom Lokalverein Innenstadt. Es müsse nun Konsequenzen geben: "Wir überlegen uns, die Verwaltungsspitze zu kontaktieren."

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Autor: Fabian Vögtle