Poetische Polizei

Polizei sucht nach der Herkunft dieser Ziegenböcke – mit 32-zeiligem Gedicht

Sebastian Wolfrum

Von Sebastian Wolfrum

Di, 28. August 2018 um 11:52 Uhr

Oberried

Zwei unbekannte Ziegenböcke haben sich einer Herde in Oberried angeschlossen. Die Polizei will herausfinden, wo die Tiere herkommen – und veröffentlicht eine Meldung in Reimform.

"Die wundersame Vermehrung der Ziegenherde - Kommissar Spatz ermittelt", lautet die Überschrift der Polizeimeldung aus Oberried. Obwohl – eine Meldung im engeren Sinne ist das nicht, was die Polizei hier vorlegt. Vielmehr ein Gedicht – und zwar ein nicht zu knappes.

Auf 32 Zeilen lässt die Verfasserin den Leser an der Reise des wohl fiktiven Kommissars Spatz teilnehmen. Aus der Vogelperspektive – und in Reimform – wird nach der Herkunft von zwei jungen Ziegenböcken gesucht, die sich in Oberried einer Herde angeschlossen haben.

Das Gedicht stammt aus der Feder von Laura Riske, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Freiburg. "Ich fühlte mich inspiriert", sagt sie und muss selbst ein bisschen lachen. Dass die Polizeimeldung, sonst ja eher eine nüchterne Textgattung, zur Ballade von den zwei Ziegenböcken wird, hat wohl auch etwas mit dem Sommerloch zu tun. Am Dienstagvormittag gab es in der Pressestelle nicht so viel zu tun. Als dann die Suchmeldung zu den Ziegenböcken reinkam, hat Riske daraus das Gedicht gemacht. Etwa 30 Minuten habe sie dafür gebraucht.

Es ist nicht die erste Meldung mit Versmaß aus dem Polizeipräsidium. Ihr Kollege Walter Roth hatte bereits vor vier Jahren eine Meldung gereimt, damals ging es um einen Baum, der auf ein Auto fiel. Die ungewöhnliche Form sorgte für viel Aufmerksamkeit, warum es also nicht nochmal so machen, dachte sich Riske.

Das Gedicht:

Stolz denkt der Spatz, trifft er auf Ziegen:
"Ihr gebt zwar Milch, doch könnt nicht fliegen!"

So flog er über Oberried,
wo man den Spatzen häufig sieht.

"Doch halt die Herde kenn' ich doch,
sie schien mir gestern kleiner noch."

Den Ziegenstall und auch die -weide
bestreifte ich noch gestern beide.

Zwei Böcke scheinen nun darunter,
nicht registriert, jung und putzmunter.

Geschätzt ein und zwei Jahre wohl,
paarungsbereit, das Monopol
männliche Böcke hier zu sein,
so schlich man sich zur Herde rein.

"Motiv geklärt", dachte der Spatz,
doch wo ist ihr ursprünglich' Platz?

Vernehmen wird nicht möglich sein,
nicht registriert ist man allein,
wenn man nicht offen sagen möcht'
woher, wieso und welch' Geschlecht.

Ein Abgleich mit der Bilddatei,
damit die Rasse klarer sei.
Doch hier sind Mischlinge gegeben,
wie doch so oft auf dem Land eben.

"Anwohnerbefragung", dachte der Spatz,
"die Nachbarn wissen um den Platz!".
Die Klärung verlief negativ,
nun müsse er operativ
Bürger und Medien informieren,
um final doch zu eruieren,
woher die beiden Strolche sind
"deren Zuhaus' ich doch noch find!".

Neben Kommissar Spatz nimmt auch der Polizeiposten Kirchzarten sowie das Polizeirevier Freiburg-Süd unter 0761-8824421 Hinweise zur Herkunft der beiden Ziegenböcke entgegen.

Die beiden Tiere befinden sich seit dem 21./22. August auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Oberried. Wie sie dort hingelangten, ist unklar. Sie werden auf ein und zwei Jahre geschätzt und sind nicht markiert, weshalb eine Zuordnung nicht möglich ist. Laut Polizei handelt es sich vermutlich um eine Mischung aus Pfauen- und Deutscher Edelziege.