Porträt des Datenschützers als jugendlicher Held

Thomas Steiner

Von Thomas Steiner

Fr, 25. Mai 2018

Kino

Wie der Grüne Jan Philipp Albrecht in Brüssel um die DSGVO kämpfte – der Dokumentarfilm "Democracy" wird nochmal zum Thema.

Könnte sein, dass ihm dieser Film irgendwann mal peinlich sein wird. Jan Philipp Albrecht, grüner Europaabgeordneter, ist der Held in "Democracy". Die Dokumentation von 2016 wird jetzt nochmal zum Thema, weil am heutigen Freitag die europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) endgültig in Kraft tritt. Um dieses Regelwerk hat Albrecht in Brüssel jahrelang gekämpft. Und der Dokumentarfilmer David Bernet hat ihn begleitet. Er hatte einen Film machen wollen über den Apparat der EU und dafür ein Gesetzesvorhaben gesucht. Dass es die Datenschutzverordnung und dass ein gerade mal 30-jähriger Abgeordneter als "Berichterstatter" des Europa-Parlaments zur Schlüsselfigur wurde, war sein Glück.

Bernet folgte Albrecht zweieinhalb Jahre lang in zahllose Ausschusstreffen im Parlament und zu Gesprächsterminen mit Lobbyisten, zeigt ihn und seine Mitarbeiter bei der Detailarbeit am Entwurf und bei Treffen mit der EU-Justizkommissarin Viviane Reding, die genauso für den Datenschutz kämpft wie sie. Das gibt einen interessanten Einblick in Brüsseler Mechanismen. Als aber im Parlament mehr als 4000 Änderungsanträge zum Albrecht-Entwurf gestellt werden, scheint das Vorhaben zu scheitern. Auch das ist aber letztlich ein Glücksfall für den Filmer, bekommt die Sache so doch die Dramaturgie von Aufbruch, Rückschlag, und glücklichem Ende. Da wird die Doku zur klassischen Erzählung.

An einigen Stellen hätte Bernet auch lieber politische Details liefern sollen – was beinhalten die Kompromisse, über die abgestimmt wird? – statt stimmungsvoller Bilder. Und dass er die Lobbyisten von Google und Co. nicht hat filmen dürfen, ist ein echtes Manko, sie kommen nur als ominöse verschwörerische Mächte vor. So kann der Schwarz-Weiß-Film nur ein Anfang sein, sich mit dem Thema näher auseinanderzusetzen. Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet denn auch nicht nur den Film, sondern auch viel Infomaterial dazu an.

Der Verein Selbstbestimmt digital zeigt "Democracy" dieser Tage in folgenden Kinos: Cinebaar, Donaueschingen, Fr, 25. Mai, 20 Uhr; Joki-Kino, Bad Krozingen, Fr, 25. Mai, 20 Uhr; Maja, Emmendingen, So, 27. Mai, 16.30 Uhr; Freiburg, Kommunales Kino, So, 27. Mai, 19.30 Uhr. Auf DVD ist der Film erschienen bei Farbfilm Home Entertainment. Zum Streaming steht der Film ab 1. Juli in der Mediathek der Bundeszentrale für politische Bildung bereit (http://www.bpb.de