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13. Februar 2011 20:05 Uhr
Gehsteigberatung
Pro Familia steht im Visier von radikalen Abtreibungsgegnern
Ein Verein gegen Abtreibung belagert seit Monaten die Beratungsstelle Pro Familia in Freiburg. Seine Mitglieder sollen Schwangere bedrängt – und ihnen Bilder von abgetriebenen Föten gezeigt haben. Jetzt reagiert das Amt für öffentliche Ordnung mit Auflagen.
Radikale Abtreibungsgegnerinnen haben die Beratungsstelle von Pro Familia an der Humboldtstraße ins Visier genommen. Seit sechs Monaten postieren sich dort vor dem Eingang Vertreterinnen eines Münchner Vereins namens "Lebenszentrum – Helfer für Gottes Kostbare Kinder Deutschland".
Sie nennen ihr Tun "Gehsteigberatung" und sprechen junge Frauen an, zeigen unaufgefordert Bilder von abgetriebenen Föten, beten für sie mit einem Rosenkranz, der statt mit Perlen mit kleinen türkisfarbenen Plastikembryonen bestückt ist. Da das Klientinnen der Beratungsstelle verstört, will Pro Familia das nicht mehr dulden. Jetzt wandte sich Geschäftsführer Friedrich Traub mit einer formellen Beschwerde an das Amt für öffentliche Ordnung. Dieses will die Abtreibungsgegnerinnen nun mit Auflagen zwingen, eine Sicherheitszone einzuhalten und sich von der Humboldtstraße fernzuhalten.
Mit Abtreibungsgegnern hat Pro Familia Erfahrung. Etwa jedes halbe Jahr zieht eine Prozession von rund 200 Menschen, organisiert unter anderem von den erzkonservativ-katholischen Piusbrüdern, mit Plakaten vor die Beratungsstelle.
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Dabei ist der kleinste Teil der Beratungen, die Pro Familia anbietet, Konfliktberatung, bei der es also darum geht, ob eine schwangere Frau ihr Kind behalten möchte oder nicht. Im Jahr 2009 etwa hat Pro Familia in Freiburg und Lörrach 2000 Frauen und Paare mit Beratung bei der Schwangerschaft unterstützt, 3000 allgemeine Lebensberatungen gemacht sowie Tausende von Jugendlichen bei Veranstaltungen über Sexualität und Verhütung informiert. Nur 900 Beratungen beschäftigten sich mit Schwangerschaftskonflikten. Das alles hindert Abtreibungsgegner offensichtlich nicht, die gemeinnützige Organisation zum Feind zu erklären.
"Was jetzt läuft, hat allerdings eine andere Qualität als bisher", meint Friedrich Traub. Die Aktivistinnen des "Lebenszentrums" sollen Frauen vor der Beratungsstelle regelrecht bedrängt haben. "Behalten Sie das Kind, geben Sie es lieber mir", soll eine von ihnen einer Frau nachgerufen haben. "Die versuchen, emotional Druck auszuüben", ist sich Friedrich Traub sicher. Dabei brauche eine sorgfältige Beratung für Frauen in schwieriger Situation Zeit, Verlässlichkeit, Ruhe und einen geschützten Raum.
Er weiß von einem konkreten Fall, in dem die Abtreibungsgegnerinnen einer Frau in Aussicht stellten, ihr 200 Euro monatlich über den "Lebenszentrum"-Verein zur Verfügung zu stellen, sollte sie das Kind behalten. In einem anderen Fall habe der Verein über die Familie der Frau Druck gemacht.
Bislang war es schwierig, gegen die "Gehsteigberaterinnen" vorzugehen: Ihre Aktion ist durch das Recht auf freie Meinungsäußerung abgesichert. Das haben Gerichte in anderen Fällen festgestellt. Nun, da sich Traub offiziell an das Amt für öffentliche Ordnung gewandt hat, sieht dieses darin eine rechtliche Grundlage, tätig zu werden. Ende der Woche will das Amt den Abtreibungsgegnerinnen auferlegen, sich bis auf die Kaiser-Joseph-Straße zurückzuziehen.
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Autor: Simone Lutz
