Professionell in allen Belangen

Jochen Dippel

Von Jochen Dippel

Do, 13. September 2018

Reitsport

Vertrauen in das Schopfheimer Reitturnier auch nach dem Druse-Fall ungebrochen / Viertägiges Programm im Sengelen mit Ringmeisterschaften in Dressur und Springen.

REITEN. Die vergangenen Wochen und Monate sind keine leichte Zeit gewesen für Volker Trefzger und seine Tochter Rebecca Hotz. Für das große Reitturnier des RV Schopfheim im Juli hatten sie als Veranstalter alles vorbereitet, doch dann erkrankte ein Pferd im Gestüt Sengelen an Druse, einer schweren Infektionskrankheit, sodass sie ihre Traditionsveranstaltung nach Rücksprache mit Tierarzt Frieder Andres kurzerhand absagen mussten. Schweren Herzens, aber konsequent und verantwortungsbewusst.

Die Entscheidung erwies sich als goldrichtig, wie das überragende Meldeergebnis des Nachholturniers, in das die Meisterschaften des Reiterringes Oberrhein in Dressur und Springen eingebettet sind, nun eindrucksvoll belegt. Mittlerweile ist alles auskuriert, alle Pferde sind wieder gesund und munter. Von diesem Donnerstag an bis zum Sonntag werden in Schopfheim mehr als 650 Pferde in 42 Prüfungen an den Start gebracht. "Das ist wahnsinnig", freut sich Trefzger, "es beweist vor allem, dass Reiter, Pferdebesitzer und Sponsoren weiter zu uns stehen und das Vertrauen ungebrochen ist."

Den finanziellen Schaden "durch die Absage und das ganze Drumherum" beziffert er auf etwa 10 000 Euro, dies sei "noch verkraftbar". Alle Lieferanten und Firmen seien bei der Stange geblieben. "Keiner hat Regressansprüche gestellt, nicht mal für die teure Videoleinwand", betont Trefzger, der mit Tochter Rebecca als Turnierleiter fungiert. Immerhin hatten beide ihren über viele Jahrzehnte aufgebauten guten Ruf zu verlieren, gingen aber mit den Folgen der Krankheit absolut seriös und professionell um.

Dabei klingt der Begriff Druse für den Laien gar nicht so schlimm. Pferdebesitzern lässt die Krankheit, die einst auch unter den Namen Kehlsucht, Pferderotz und Stränglige (Schweiz) bekannt war, aber die Alarmglocken läuten. Denn bei der Druse handelt es sich um eine hochansteckende Erkrankung der Atemwege – verbunden mit schleimigem Nasenausfluss, Husten und Fieber. Verbreitet wird sie sowohl durch direkten Kontakt der Pferde untereinander, etwa durch Beschnuppern, als auch durch Pfleger oder Gegenstände wie Gebisse, Wasserkübel oder Futtertröge. Befallen werden zumeist junge oder ältere Vierbeiner, bei denen das Immunsystem geschwächt ist. So auch in Schopfheim. "Bei uns ist ein junges Pferd erkrankt", sagt Trefzger. Nach dem positiven Befund habe man sofort alle Pferde (insgesamt sechs), die mit jenem Kontakt hatten, isoliert. Bei drei von ihnen, jeweils ältere Pferde, gab es später ebenfalls einen positiven Befund.

"Unser Glück war, dass wir das große Turnierzelt bereits aufgestellt hatten und als Quarantänestation nutzen konnten, zu 100 Prozent", betont Trefzger. So mussten die Helfer nach der Fütterung zweimal am Tag spezielle Überkleider tragen, jene danach jeweils wechseln, desinfizieren und sich duschen. Konsequent. Überdies wurden vorsichtshalber, versichert Trefzger, alle anderen Stallbereiche separat behandelt, etwa der Pferdemist-Container nicht von einem in einen anderen Stallbereich gebracht.

Trotz der hohen Ansteckungsmöglichkeit unterliegt die Druse keiner Meldepflicht. "Dennoch sind wir von Beginn an offen damit umgegangen, haben sofort alle Reiter und Veterinäramt informiert", so Trefzger. "Schließlich gab es nicht nur für unseren ganzen Pferdebestand eine Gefahr, sondern auch für alle von auswärts." Akribie und Sorgfalt zahlten sich aus. "Innerhalb von lediglich sechs Wochen wurden alle isolierten Pferde wieder negativ getestet, das dauert normalerweise ein halbes Jahr", erläutert der Turnierchef. "Eigentlich waren sie schon nach 14 Tagen gesund, aber um alle Eventualitäten auszuschließen, haben wir danach noch alle weiteren Tests abgewartet." Auch das Veterinäramt habe grünes Licht erteilt.

Nationenpreisreiter Dreher, Krieg und Walter dabei

"Save the ocean", lautet diesmal das Turniermotto. "Save the Wiese hätte ein bisschen blöd geklungen", sagt Trefzger. Man wolle damit einen kleinen Beitrag gegen die Verschmutzung der Meere und anderer Gewässer leisten. "Wir verzichten bei unseren Turnieren schon seit 15 Jahren auf Plastik, verwenden trotz höherer Kosten nur festes Geschirr und Besteck sowie eine Säuberungsmaschine."

Neben den Ringmeisterschaften bietet das Programm gleich sieben Prüfungen in der schweren Klasse S – zwei in der Dressur, für die 30 Pferde gemeldet sind, und fünf im Springen, mit mehr als 60 in jenen mit einem Stern und 40 in der einzigen Zwei-Sterne-Prüfung, dem Großen Preis am Sonntag (15.30 Uhr). Gemeldet haben so bekannte Nationenpreisreiter wie WM-Fahrer Hans-Dieter Dreher (Eimeldingen), Markus Kölz (Winnenden), Niklas Krieg (Villingen), Alexander Schill (Ichenheim) und erstmals Mario Walter (Ellwangen). Mit von der Partie sind aus der Region Rebecca Hotz, Carsten Kurz, Pia Reich, Nicole und Thomas Schwarz sowie in der Dressur die Einheimischen Tanja Gerber und Andrea Schöler.