Fans der "Lindenstraße" wehren sich

Protestieren für Mutter Beimer

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Von dpa

So, 20. Januar 2019 um 19:55 Uhr

Panorama

KÖLN (dpa). Die "Lindenstraße" soll bald Fernsehgeschichte sein. Zu schlechte Quoten, sagt die ARD. Doch der harte Fan-Kern will sich damit nicht abfinden – er geht auf die Straße.

Worüber soll sich Andreas Sartorius künftig mit seiner Mutter unterhalten, wenn es die "Lindenstraße" nicht mehr gibt? Seit der ersten Sendung ist der 43-Jährige dabei. Mit zehn Jahren habe er angefangen. "Ich hab’ die erste Folge gesehen und seitdem nicht eine verpasst." Die Serie ist Teil seines Lebens. Ihre angekündigte Einstellung empfindet er als Tragödie. Darum steht Sartorius am Samstagnachmittag neben dem Kölner Dom und demonstriert.

Gut 200 Menschen haben sich versammelt. Wenn alle ihre "Lindenstraßen"-Schilder und Transparente hochhalten, sieht es nach einer richtigen Menge aus. Aber von etwas weiter weg verliert sich die Gruppe auf der riesigen Domplatte. Es ist der harte Fan-Kern, der hier aufgelaufen ist. Teilweise kommen sie von weit her, aus München und Bad Pyrmont in Niedersachsen.

Der Moderator der Kundgebung, Jörg Albert Flöttl, stammt aus Nürnberg. Auch er ist seit der ersten Folge dabei. "Ich war noch ein kleiner Junge, so sechs oder sieben Jahre, als das Ganze los ging. Man wurde älter, man wuchs mit den Figuren. Bei mir war es vor allem Klausi Beimer, der hatte das gleiche Alter, mit dem konnte ich mich identifizieren." Auf einem der Transparente steht: "Wir sind alle Helgas Kinder!" – in Anspielung auf die von Marie-Luise Marjan verkörperte Helga Beimer, die Über-Mutter der Serie.

Die Zentrale des Westdeutschen Rundfunks ist vom Schauplatz der Demo aus nur wenige hundert Meter entfernt. Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, teilt eine Sprecherin des Senders mit. Letztlich habe sich die ARD aber gegen eine Verlängerung entschieden, "und es ist auszuschließen, dass dies revidiert wird". Das Verhältnis zwischen Zuschauerinteresse und Kosten sei einfach nicht mehr angemessen.

Das sieht man auf der Domplatte natürlich anders. Was die Redner immer wieder ansprechen, ist die gesellschaftliche Relevanz der Serie. Flöttl sagt: "Ich behaupte mal: Viele Menschen, die gegen Flüchtlinge sind, haben nie einen Flüchtling kennengelernt. Aber durch diese Unterhaltungssendung haben sie die Möglichkeit, mal zu gucken: Wie sind die eigentlich im Alltagsleben? Man kann damit ein bisschen Vorurteile abbauen."