Puccini – neu und intim

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Mo, 11. Juni 2018

Klassik

Die Cappella nova Freiburg mit der Messa di Gloria.

Giacomo Puccini wusste, wann er gut war. Und so gönnte er manchem Opus aus früheren Jahren später eine Karriere in seinem Opernwerk. Die aufsteigenden, melancholischen Chromatiken aus seinem Streichquartett "Crisantemi" implantierte er in seinen ersten großen Erfolg fürs Musiktheater "Manon Lescaut". Gleiches geschah mit dem "Agnus Dei" aus seiner erst in den 1950ern wiederentdeckten frühen Messa di Gloria. Beide Werke haben Jannik Trescher und die erst 2015 gegründete Cappella nova in ihrem jüngsten Programm in der Freiburger Universitätskirche vereint. Ersteres in der bekannten chorischen Streicherfassung, die Messe des Anfangszwanzigers in einer Fassung für kleines Orchester von Joachim Linckelmann.

Schon bei den "Crisantemi" wird klar: Elf – vorzügliche – Streicher erzeugen in der mit an die drei Sekunden Nachhall ausgestatteten Kirche bereits ein intensives chorisches Erlebnis. Füllig klingt das mit den vier klassischen Holzblasinstrumenten Flöte, Oboe, Klarinette und Fagott plus Horn und Pauke ausgestattete, aparte Orchester. Linckelmann konzentriert die Klangwelt des nicht selten an Verdi orientierten jungen Puccini, fokussiert manche Passage auf Bläsersoli, ohne dass der Zuhörer Großes vermisste. Zumal ein mittelgroßes Sinfonieorchester diesen Raum vermutlich an seine Grenzen brächte. Gewiss, es klingt salonesk, wenn die Klarinette im "Qui tollis" des "Gloria" die Trompetenfanfaren intoniert. Doch Linckelmann lotet sinnvoll die Möglichkeiten des Instrumentariums aus, sorgt etwa mit den Holzbläserdurchgängen am Ende des "Kyrie" für Anklänge an Dvorák und bereitet mit dem exzellent aufgestellten Klangkörper einen mustergültig intimen Puccini – übrigens auch in seiner ebenfalls sehr gelungenen Bearbeitung von Puccinis Preludio sinfonico.

Jannik Trescher erweist sich als kluger, präziser Sachwalter der Musik mit eleganter Übersicht. Und er zieht die richtigen Schlüsse aus der Akustik. Den gut 40-köpfigen Chor stellt er in den Stimmen durchmischt auf, was extreme klangliche Polarisierung oder Missverhältnisse weitgehend vermeiden lässt. Das Vokalensemble erweist sich in allen Bereichen als klanglich firm, homogen und intonationssicher. Vokale Italianita vermitteln Reginaldo Pinheiros juvenil-leuchtender Spintotenor und Clemens Morgenthalers warm lodernder Bass.