Theater

Puppenspieler Lars Frank begeistert im Werkraum Schöpflin in Lörrach

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mo, 27. November 2017

Theater

Lebhaft und humorvolll tritt Puppenspieler Lars Frank in Lörrach auf. Sein aktuelles Stück: "Lars’ Angst oder Die Rettung des Kreuzfahrtschiffes Völkerfreundschaft".

Ein Mann in Jeans und Jackett kommt mit einer Papiertüte auf die Bühne im Werkraum Schöpflin, stellt sich ans Pult und will den Kindern etwas über die Angst erzählen: "Angst ist etwas Wichtiges im Leben eines jeden Menschen." Der Mann ist der Puppenspieler Lars Frank, der in dem Puppentheaterstück "Lars’ Angst oder Die Rettung des Kreuzfahrtschiffes Völkerfreundschaft" Kinder und Erwachsenen mühelos in Bann zog. Das von Regisseur Christoph Werner vom Puppentheater Halle inszenierte Stück hatte als Eigenproduktion des Werkraums Schöpflin in Lörrach am Samstag Premiere.

Lebhaft, humorvoll, witzig, mimisch und gestisch agil ist Lars Frank quasi in Doppelfunktion als Schauspieler und Puppenspieler in offener Spielweise in Aktion: Er tritt in der Rolle eines Biologen auf, der sich an Erlebnisse seiner Kindheit erinnert und den Jungen und Mädchen im Publikum vorspielt, wie er damals als kleiner Junge im Sommer 1968 seine Angst kennen gelernt hat. Um das zu veranschaulichen, bastelt er aus einfachen Dingen aus seiner Tüte mit wenigen Handgriffen ein Schiff: mit Rettungsring, Bullauge, Lichterkette und weißen Wellen, die das Schwarze Meer darstellen sollen.

Auch die lustigen Figuren, die Lars und seine Familie auf dieser Schifffahrt darstellen, hat Frank selbst gebaut: den Papa, die Mama und sich selbst als kleinen Buben auf dem Urlauberschiff. Die Fantasie, Imagination und Vorstellungskraft der kindlichen und erwachsenen Zuschauer werden stark animiert in diesem besonderen Stück, das kindgerecht mit spielerisch-unterhaltsamen, aber auch theaterpädagogisch wertvollen Mitteln das Thema Angst bei Kindern behandelt.

Wichtigen Anteil an der atmosphärischen Wirkung hat der Musiker Jörg Kunze, der auf dem Perkussionsinstrument Hang und anderen Klangwerkzeugen die Szenen effektvoll untermalt, mal mit schönen, sanften Klängen von Meer und Wind, mal mit flotter Tanzmusik, mal mit schauerlich-unheimlichen, gespenstischen Geräuschen.

Dem meisterhaften Spieler Lars Frank gelingt es durch Spontaneität, Spielwitz und geschickte Interaktion, die Kinder im Wortsinn mit ins Boot zu holen und in die an Bord spielende Handlung mit einzubeziehen. Wie in einem Guckkasten wird eine Klappe aufgemacht und gibt den Blick frei in die Kajüte, wo der kleine Lars eines Abends alleine mit seinem Teddy im Bett hockt, während seine Eltern sich in der Bar amüsieren. Plötzlich taucht ein seltsames Licht auf, Nebelschwaden hüllen die kleine Kabine ein, aus dem Schrank tönt eine merkwürdige hohe Stimme: "Lars, hol mich hier raus."

Der kleine Lars fürchtet sich vor der geisterhaften Stimme in seinem Schrank, kriecht unter die Bettdecke und ruft "Hilfe, Mutti!" Die Mutter tröstet ihn, der Vater versichert ihm, er brauche keine Angst zu haben, es gebe keine Geister, er habe bloß schlecht geträumt. Eine stimmungsvolle Szene spielt auf dem Oberdeck, wo Lars mit seiner Mutter in die Sterne und ins Wasser guckt und fasziniert ist von dem leuchtenden Plankton. Munter lässt Lars Frank einen tollen Ferientag vor den Augen der Kinder entstehen. Doch am nächsten Abend, als die Eltern zum Tanzen gehen und sich schick machen, was als raffiniertes Schattenspiel zu sehen ist, hört der kleine Lars in seiner Kajüte wieder die Geisterstimme und rennt erschreckt auf dem Schiff herum. Da naht mit riesigen, polternden Schritten der Kapitän, ein mit allen Wassern gewaschener Seemann, der dem kleinen Lars dramatisch vom Klabautermann erzählt, der Schiffe zu verschlingen droht, und von der Katze an Bord, die Poltergeister vertreibt.

Packend spielt Frank die Szene, in der sich ein Sturm zusammenbraut, die Puppenfiguren starr vor Schreck die dunklen Wolken sehen, lautstark "Alarm!" geschlagen wird, begleitet von Blitz, Donner und bedrohlichen Geräuschen. In dieser Sturmszene läuft der kleine Lars in seine Kabine und holt aus dem Schrank seine im Dunkeln verborgene Angst heraus – in Gestalt einer großen Puppe. Zusammen mit dieser Angstpuppe, die sich bibbernd, schreckhaft und rührend an ihn klammert, gelingt es dem mutigen Jungen, den Poltergeist zu besiegen, der seine biestigen Krallen durch den Vorhang streckt. "Ein Mensch, der seine Angst kennt, ist nicht so leicht zu besiegen", ist ein Schlüsselsatz in diesem künstlerisch hochwertigen Puppentheaterspiel, in dem Lars Frank ausdrucksvoll und wandelbar alle Figuren spricht und sie liebevoll in den Stimmen und Charakteren lebendig werden lässt.

Weitere Vorstellungen: 27. November, 9 und 11 Uhr, 28. November, 10 Uhr, sowie am 4. Februar, 16 Uhr, 5. Februar, 9 und 11 Uhr, 6. Februar, 10 Uhr. Werkraum Schöpflin, Franz-Ehret-Straße 7, Lörrach-Brombach, Reservierung: Tel.  07621/9142660