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07. Oktober 2009

"Das Gelbe Trikot hat mich beflügelt"

BZ-INTERVIEW mit Bianca Purath aus Hubertshofen, die auf der Straße erstmals den Titel in der Rad-Bundesliga gewonnen hat

  1. Klettern ist ihre größte Stärke: Radrennfahrerin Bianca Purath liebt die Berge. Foto: UMS

RADSPORT. Männer lässt sie einfach hinter sich. Heroische Hobby-Pedaleure, die sich mit ihr messen wollen, lässt die Hubertshofener Radrennfahrerin Bianca Purath in der Ebene mit generösem Lächeln neben sich mitrollen, um den Möchtegern-Profis am ersten steilen Berg mit rundem Tritt zu enteilen und mit auf dem Rücken festgezurrtem Zopf solo Richtung Gipfel zu stürmen. 2003 war Bianca Purath Junioren-Weltmeisterin im Zeitfahren. BZ-Redakteur Johannes Bachmann unterhielt sich mit der 24-Jährigen, die eine bemerkenswerte Saison mit dem Gesamtsieg in der Rad-Bundesliga gekrönt hat.

BZ: Gratulation zum Bundesliga-Titel. Sie haben allen Konkurrentinnen das Hinterrad gezeigt.

Purath: Ich freu’ mich riesig. Es ist ja bei den Frauen mein erster Gesamtsieg. Das ist ein super Saisonabschluss. In der Jugend und bei den Juniorinnen ist mir das schon mal gelungen, aber das ist schon ein paar Jahre her.

BZ: In welchen Rennen haben Sie den Gesamtsieg in der Bundesliga perfekt gemacht?

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Purath: Beim ersten Rennen in Günzach wurd’ ich Zweite, aber weil die Siegerin nicht für die Bundesliga gemeldet war, durfte ich gleich das Gelbe Trikot der Gesamtführenden überstreifen und hab’ es bis zum Saisonende nicht mehr abgegeben. Das Gelbe Trikot hat mich bei allen anderen Rennen beflügelt. In Karbach hab’ ich gewonnen. Dann kam die deutsche Meisterschaft in Cottbus. Wegen einer Erkältung war ich da nicht im Vollbesitz meiner Kräfte. Im Zeitfahren war ich mit Rang zwölf nicht ganz zufrieden, im Straßenrennen hab’ ich Helferdienste für meine Mannschaftskolleginnen vom Team Nürnberger geleistet. Beim Bundesliga-Rennen in Braunschweig war ich Dritte und bei der deutschen Bergmeisterschaft hab’ ich hinter meiner Teamkollegin Trixi Worrack Silber gewonnen. In Berlin war ich vor zwei Wochen Dritte und beim finalen Bahnrennen hat mein Team Nürnberger mit einer geschlossenen Leistung den Mannschaftstitel gewonnen und mir damit in der Einzelwertung den Bundesligatitel gesichert.

BZ: Welchen Stellenwert hat dieser Titel für Sie? Wie groß ist Ihre Freude auf einer Skala von eins bis hundert?

Purath: Der Gesamtsieg ist mir sehr wichtig. Ich hatte die ganze Saison über ein sehr gutes Leistungsniveau und bin von Verletzungen und Erkrankungen verschont geblieben. Auf meiner Gefühlsskala liegt der Bundesliga-Sieg so bei 85 bis 90. Mein WM-Titel im Zeitfahren ist mir aber noch mehr wert.

BZ: Wie oft mussten Sie in dieser Saison im Training und bei Rennen unfreiwillig vom Rad?

Purath: Nie. Ich hatte keinen einzigen Sturz. Das ist für eine Rennfahrerin schon außergewöhnlich. In den vergangenen Jahren hat’s ich mich immer wieder mehr oder minder heftig hingelegt.

BZ: In der Bundesliga haben Sie nach Belieben dominiert, aber bei der Weltmeisterschaft in Mendrisio fehlten Sie im Aufgebot des Bund Deutscher Radfahrer. Warum?

Purath: Bundestrainer Jochen Dornbusch hat den WM-Kader nach UCI-Punkten zusammengestellt. Diese Zähler gibt’s für jeden Einsatz bei internationalen Rennen. Ich war einfach bei zu wenigen Rennen im Ausland unterwegs. Die Entscheidung war trotzdem ein bisschen dubios. Ich wär’ sehr gern in Mendrisio gestartet. Nächstes Jahr will ich unbedingt den Sprung zur WM schaffen.

BZ: Jetzt haben Sie die Gesamtwertung in der Bundesliga gewonnen und damit finanziell wohl ausgesorgt!?

Purath: (lachend) Schön wär’s. Im Frauenradsport lassen sich keine Reichtümer anhäufen.

BZ: Aber das Preisgeld ist ein willkommener Zuschuss für Ihren Hausbau in Hubertshofen.

Purath: Ein kleiner Zuschuss. Aber viel bauen kann man mit dem bisschen Geld nicht. Das reicht für ein paar Steine. Mit dem Keller sind mein Mann und ich jetzt fertig.

BZ: Die Saison ist für Sie nach mehr als 60 Rennen vorbei. Bleibt jetzt ein bisschen Zeit, die Beine hochzulegen?

Purath: Nö. Ich bin ja Sportsoldatin bei der Bundeswehr in Fahl und muss jetzt zu einem achtwöchigen Feldwebel-Lehrgang nach Hannover.



BZ:
Werden Sie das Rad trotz Dienst fürs Vaterland bewegen?

Purath: Ich hab’ noch ein paar Tage frei und werd’ mich aufs Mountainbike setzen. Das MTB ist noch immer meine große Leidenschaft. Im November beginnt die neue Saison mit Ausdauertraining, Krafttraining und, wenn’s Schnee hat, Skilanglauf im Winter. Am 14. Januar steht mit dem Team das erste Trainingslager auf Mallorca an.

BZ: Fahren Sie in der kommenden Saison weiter für das Team Nürnberger?

Purath: Jein. Ich bleib’ mit meinen Mannschaftskolleginnen zusammen, aber der Hauptsponsor wechselt. Nach zehn Jahren ziehen sich die Nürnberger zurück. Ich starte künftig für die Equipe Skyter. Wie das Team genau heißen wird, weiß ich aber noch nicht.

Autor: jb