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25. Juni 2009 10:12 Uhr
Interview
Profi-Radlerin Bianca Purath: Gelbes Trikot und große Ziele
Sie ist ein Multitalent auf dem Rad: Die Schwarzwälderin Bianca Purath, in der Region bekannter unter ihrem Mädchennamen Knöpfle, trägt ein Gelbes Trikot und träumt von London.
RADSPORT. "Krachen lassen": Das ist das Lebens-Motto dieser außergewöhnlichen jungen Frau aus dem beschaulichen Schwarzwalddörfchen Hubertshofen. Bianca Purath – geborene Knöpfle – holt auf Asphalt und im Mountainbike-Sattel seit zehn Jahren Titel in Serie. 2003 wurde sie in Kanada Junioren-Weltmeisterin im Einzelzeitfahren. BZ-Redakteur Johannes Bachmann unterhielt sich mit der 24-jährigen Profi-Pedaleurin des Teams Nürnberger über ein Leben in rastloser Bewegung, Kletterkünste und ihre Medaillenchancen bei der deutschen Straßenmeisterschaft in Cottbus, die am Freitag mit dem Zeitfahren beginnt.
BZ: Sie fahren auf der Straße für das Team Nürnberger die Saison Ihres Lebens, dominieren in der Frauen-Bundesliga und tragen das Gelbe Trikot der Spitzenreiterin. Wie kommt das?Purath: Ich fahre bei der Equipe Nürnberger in einem Superteam. Da stimmt die Chemie zwischen uns Fahrerinnen und das gesamte Umfeld. Die Saisonvorbereitung war für mich beinahe perfekt. Ich konnte dem harten Schwarzwald-Winter zum Trotz sehr gut trainieren. Über den Jahreswechsel war ich bei einem Lehrgang der Bundeswehrsportgruppe unterwegs. Im Januar ging’s dann zwei Wochen zum Einrollen nach Mallorca, dann für zwei Wochen zu Hause und wieder für 14 Tage nach Mallorca. Da habe ich einen Sprung nach vorne gemacht. Und dann begann die Saison mit den ersten Weltcup-Rennen in Italien. Das war ein perfekter Einstand.
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BZ: Aber der erste Saisonhöhepunkt war doch ein anderer, oder?
Purath (Denkpause): Sie meinen ...?
BZ: Sie haben im Frühjahr geheiratet.
Purath (lachend): Oh ja. Richtig! Fast vergessen. Jaja. Das war am 14. März.
BZ: Eine Hochzeit ganz in Weiß ...
Purath: … an der Martinskappelle im tiefsten Schwarzwald. Der Schnee lag noch fast zwei Meter hoch. Aber trotzdem gab’s Sonnenschein pur.
BZ: Hat Sie der Schritt in ein gemeinsames Leben beflügelt?
Purath: Ich bin glücklich. Ob dieses Gefühl mein Leistungsvermögen stärkt, weiß ich nicht. Aber ich hoffe es.
BZ: Hatten Sie vor und nach der Hochzeit Muße, diese besondere Zeit zu genießen?
Purath: Kein Gedanke an Ruhe. Das war ganz schön stressig. Ich war vor der Hochzeit ja die ganze Zeit auf dem Rad unterwegs – und danach begannen die großen Rennen. Und jetzt bauen mein Mann und ich so nebenher noch ein Haus in Hubertshofen.
BZ: Langeweile scheint Ihnen fremd.
Purath: Was ist das?
BZ: 2003 wurden Sie im kanadischen Hamilton Junioren-Weltmeisterin im Einzelzeitfahren. Erinnern Sie sich noch an Ihre Fahrt zum Regenbogen?
Purath: Das war unglaublich. So unwirklich. Daran werd’ ich immer denken. Ich war vor kurzem mit meinem Team Nürnberger wieder in Kanada zu einem Weltcup-Rennen. Und plötzlich waren da wieder die Erinnerungen an diese unglaublichen Momente bei der WM im Jahr 2003.
BZ: Beim Weltcup in Kanada waren Sie erfolgreich.
Purath: Nicht allein. Im Team. Wir sind alle für unsere Kollegin Trixi Worrack gefahren. Die ist Dritte geworden. Ich hab’ das Rennen so um Rang 20 rum beendet. Aber das war nicht wichtig. Entscheidend war, dass die Trixi auf dem Podest stand. Radfahren ist schließlich zuerst und zuletzt ein Teamsport. Das vergessen viele Fans, die meine Leistung nur an den nackten Zahlen in den Ergebnislisten messen.
BZ: Eine für alle, alle für eine. Aber in der Bundesliga kurbeln Ihre Teamkolleginnen für Bianca Purath.
Purath: Die Mädels versuchen’s. Da hab’ ich nach dem Rennen in Karbach, wo ich gewonnen hab’ und Rang zwei in Günzach ja das Gelbe Trikot, das ich für unsere Mannschaft verteidigen will. Jedes Rennen ist eine neue Herausforderung.
BZ: Sie sind auf der Straße zu Hause. Aber Ihre Wurzeln liegen im Mountainbike-Sport. Sie waren dreimal deutsche MTB-Jugendmeisterin und fuhren jahrelang für den St. Märgener MTB-Rennstall Rothaus-Cube. 2008 haben Sie bei der Marathon-Europameisterschaft auf dem MTB Rang vier belegt. Die Mixed-Wertung beim Trans-Schwarzwald haben Sie 2008 gemeinsam mit Ihrem Bruder Sascha überlegen gewonnen. Haben Sie sich ganz bewusst vom Mountainbike verabschiedet, oder ist das MTB noch immer Ihre heimliche Liebe?
Purath: Ich wollte in diesem Jahr weiter Rennen auf dem MTB fahren. Aber auf drei Hochzeiten zu tanzen, das geht nicht. Das wollte mein Team nicht und mein Sponsor nicht. Aber ich werde auf jeden Fall wieder MTB-Rennen fahren. Ob das jetzt nächstes Jahr oder erst in fünf Jahren ist, wird man sehen.
BZ: Wie viele Straßenrennen werden Sie dieses Jahr bestreiten?
Purath: 50 bis 60 stehen im Kalender. Pausen gibt’s kaum. In den vergangenen vier Wochen war ich gerade mal für zwei Tage zu Hause in Hubertshofen.
BZ: Können Sie vom Radfahren leben?
Purath: Wenn ich nicht in der Sportfördergruppe der Bundeswehr wäre, wär’s schwierig. Es ist schon etwas besser geworden mit der Bezahlung und es gibt auch höhere Prämien als noch vor ein paar Jahren. Aber reich werde ich in diesem Sport sicher nicht.
BZ: Nach Ihrem WM-Titel 2003 sind Sie an Pfeifferschem Drüsenfieber erkrankt. Damals schien Ihre Karriere gefährdet.
Purath: Das war eine schwierige Zeit. Diese tückische Erkrankung hat mich zwei Jahre gekostet. Im Jahr 2004 konnte ich nach dem Abitur gar keine Rennen fahren und 2005 musste ich mich erst wieder an die extremen Renn-Belastungen gewöhnen. Das war ein ständiges Auf und Ab. Als ich wieder begonnen habe zu trainieren, ging es mir zuerst richtig gut. Und dann kam der nächste Krankheits-schub und ich fühlte mich wieder hundeelend. Es gibt viele Sportler, die wegen Drüsenfieber Ihre Karriere beenden mussten. Ich habe Glück gehabt und darf heute wieder Rennen fahren.
BZ: Sie sind als Sportsoldatin in der Sportfördergruppe Todtnau-Fahl. Wann?
Purath: Selten. Der Trainings- ist der Dienstplan. Aber ab und zu muss ich schon mal in die Kaserne. Und ich muss jedes Jahr einen Lehrgang machen bei der Bundeswehr. Zuerst war da die Grundausbildung, dann war ich in der Ausbildung zum Unteroffizier, dann hab’ ich im vergangenen Jahr den Trainerschein gemacht und hab’ jetzt die B-Lizenz. Im kommenden Herbst steht der Feldwebel-Lehrgang an.
und mein Bestes geben."
Puraths Taktik bei der DM in Cottbus
Purath (lachend): Ja. Ohne das richtige Bauchgefühl, das unbedingte Wollen und mächtig Biss geht nichts, wenn man auf dem Rad an der Spitze mitfahren will.
BZ: Ihre größte Stärke?
Purath: Im Moment bin ich am Berg richtig fit. Klettern, das ist meine größte Stärke. Sprinten ist überhaupt nicht mein Ding.
BZ: Berge wird’s am kommenden Wochenende bei der deutschen Straßenmeisterschaft in Cottbus auf einem flachen Rundkurs aber nicht geben. Das sieht nach einem Massensprint aus.
Purath: Die Strecke ist platt wie eine Flunder. Der einzige Berg ist eine Autobahnbrücke. Wahrlich nicht mein Ding.
BZ: Mit welcher Zielsetzung gehen Sie ins DM-Rennen?
Purath: Es ist nicht so, dass ich bei der DM einfach drauflosfahren kann. Wir sind am Sonntag ein Team von zehn Fahrerinnen. Wir werden wohl Regina Schleicher unterstützen. Die war schon Weltmeisterin und ist eine sehr gute Sprinterin. Vor 15 Jahren hat sie schon mal den DM-Titel geholt. Die Zeit wäre also reif für eine Wiederholung. In diesem Rennen geht es nicht um mich, sondern um die ganze Equipe Nürnberger. Wenn ich am Sonntag mein Bestes für die Mannschaft geben kann und eine aus unserem Team Deutsche Meisterin wird, dann hab’ ich alles richtig gemacht.
BZ: Ganz auf sich allein gestellt sind Sie am Freitag beim Einzelzeitfahren. Da ist Ihr Gegner in Cottbus nur der schwarze Mann auf dem Lenker. Sie waren 2003 Junioren-Weltmeisterin und haben 2006 bei der U23-EM in Valkenburg Bronze gewonnen. Welche Farbe hat die Medaille bei der DM?
Purath: Ich kann überhaupt nicht sagen, was da drin ist. Zeitfahren liegt mir. Aber die nationale Konkurrenz ist groß. Judith Arndt, Trixi Worrack und Hanka Kupfernagel sind topfit. Im Einzelzeitfahren sind die drei Weltspitze. Da bin ich nur die absolute Außenseiterin.
BZ: Haben Sie sich speziell auf das DM-Einzelzeitfahren vorbereitet?
Purath: Nö. Dazu ist, wenn man von Rennen zu Rennen hetzt, gar keine Zeit. Aber ich weiß, wie’s geht. Bei den Rundfahrten zählen Zeitfahren ja zum Rennprogramm. Bei der Tour de l’Aude in Frankreich haben wir jüngst das Teamzeitfahren gewonnen.
BZ: Ihre Taktik im Kampf gegen die Uhr beim der DM ?
Purath: Ich werd’ einfach antreten und mein Bestes geben.
BZ: Ihr nächstes großes Ziel?
Purath: Das ist noch ein bisschen weiter weg: London. Bei den Olympischen Spielen 2012 will ich unbedingt dabei sein.
- BZ-Porträt über die Radsportlerin Laura Dittmann aus Eimeldingen: Schema F ist nicht ihr Ding
- Homepage von Bianca Purath: www.bianca-purath.de
Autor: Johannes Bachmann
