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14. Dezember 2011

"Es geht weiter"

BZ-INTERVIEW: Radprofi Julian Kern aus Eichstetten findet in letzter Sekunde ein Team und fährt künftig für Leopard Trek.

  1. Julian Kern Foto: privat

RADSPORT. U-23-Europameister Julian Kern aus Eichstetten hatte zuletzt vergeblich auf ein Angebot gewartet, um seine Karriere auch nach der Auflösung seines ehemaligen Teams Seven Stones fortzusetzen. Als diese ausblieben, plante er die Zukunft ohne den Radsport. Doch dann klopfte das Continental Team Leopard Trek an, und Julian Kern hatte kurze Zeit später einen Vertrag unterschrieben. BZ-Mitarbeiter Bastian König unterhielt sich mit Julian Kern.

BZ: Herr Kern, viele Ihrer Freunde, aber auch Funktionäre und Verbandsvertreter haben bedauert, dass ein Mann ihres Formates keinen Unterschlupf mehr findet im Radsport. Hatte Sie bis zu den ersten Gesprächen mit Leopard Trek wirklich keine Angebote vorliegen?
Kern: Gut, das eine oder andere Angebot gab es schon, aber wer mich kennt, der weiß, dass ich die Dinge immer voll anpacke und das maximale rausholen will. Meine Vorstellungen haben sich einfach nicht mit dem in Einklang bringen lassen, was auf dem Tisch lag. Deshalb habe ich den Entschluss gefasst, mit dem Radsport aufzuhören und meine Energie in ein Studium zu investieren.

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BZ: Ihr neues Team war in dieser Saison in aller Munde. Es wurde von den Schleck-Brüdern initiiert, mit dem Ziel die Tour de France zu gewinnen. Geht es jetzt für Sie quasi von der U23 direkt in die Pro Tour?
Kern: Nein, das Pro Tour Team, von dem Sie sprechen, fusionierte zur neuen Saison mit Radio Shack zum Team Radio Shack-Nissan. Es wird auch 2012 das Team Leopard Trek geben, aber auf Continental Ebene. In diesem Team fahre ich. Eigentlich war erst in einem oder zwei Jahren ein Unterbau unter dem Pro Tour Team geplant. Nun wurden die Pläne aber früher realisiert. Konkret wurde das aber erst vor vier Wochen, zu diesem Zeitpunkt habe ich dann auch einen Anruf von der sportlichen Leitung bekommen, denen meine Erfolge nicht verborgen blieben.

BZ: Und dann ging alles ziemlich schnell?
Kern: Allerdings, ich habe mir zwei Tage Zeit gelassen mit der Zusage und dann meine bisherige Planung zugunsten des Radsports auf den Kopf gestellt. Das heißt Studium auf Eis gelegt und mit den Kollegen von Leopard Trek und Radio Shack ins Trainingslager gereist, von dem ich am vergangenen Sonntag zurückgekehrt bin.

BZ: Das heißt, Sie waren auf Augenhöhe mit den Stars?
Kern: Ja, viele Gespräche und Trainingskilometer mit Fahrern wie eben die Schlecks und Fabian Cancellara. Das war sehr spannend, und ich habe gemerkt, dass das auch nur ganz normale Radfahrer sind. Ich denke, wir Jungen können in der zweiten Reihe von der Erfahrung und den Tipps der Großen auf jeden Fall profitieren.

BZ: Wer sind Ihre Teamkollegen im neuen Team?
Kern: Das Team ist international besetzt und hat vier Fahrer aus Luxemburg, allen voran den ehemaligen Junioren-Weltmeister Bob Jungels. Neben ihm ist sicherlich Alexandre Pliuschin einer der Kapitäne. Er hat vor zwei Jahren bereits die Tour bestritten. Weitere Fahrer aus der Schweiz, Spanien und Portugal ergänzen sich zu insgesamt elf Athleten.

BZ: Wo sehen Sie Ihre Chance, auch mal eigene Ergebnisse einzufahren?
Kern: In erster Linie bin ich Helfer, ganz klar. Bestimmt gibt es auch Chancen für mich zu zeigen, was ich kann. Mein Vertrag geht über ein Jahr, ich will versuchen mich in dieser Zeit für das Pro Tour Team zu empfehlen. Meine Motivation ist riesig, ich glaube auch nicht zuletzt aufgrund der acht Wochen andauernden Pause, in der ich komplett weg war, sowohl was das Training angeht als auch emotional.

Autor: bok