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05. Januar 2012
"Zeitmanagement und Mut zur Lücke"
BZ-Interview mit den Radsportlern Steffen Greger, Andreas Mayr und Alexander Gut von den Racing Students nach ihrem Abschied vom Leistungssport.
RADSPORT. Die Racing Students haben nach der Saison 2011, welche Anfang Oktober endete, drei Fahrer ins Berufsleben verabschiedet: Steffen Greger (Metzingen), Andreas Mayr (Waiblingen) und Alexander Gut (Malterdingen). Christian Emrich aus Lahr, Pressesprecher des Teams, hat sich aus diesem Anlass mit den drei ausgesprochen erfolgreichen Radsportlern unterhalten: Über das Team, den Übergang ins Berufsleben sowie das Konzept der Racing Students.
BZ: Ihr wart alle seit vielen Jahren Leistungssportler. Was denkt ihr, wenn ihr morgens ins Büro fahrt und abends nicht immer pünktlich nach Hause kommt – bereut ihr es manchmal, nicht alles auf die Karte Radsport gesetzt zu haben?Greger: Von Bereuen fehlt bei mir jede Spur. Sicher denke ich oft daran, wie es wohl gewesen wäre, was man alles erlebt hätte und vor allem, wie weit man sein Leistungsvermögen noch hätte steigern können. Ich habe mich jedoch früh für ein Leben ohne den Profisport entschieden.
Gut: Ich habe es drei Jahre als Profi probiert, habe viel gesehen und gelernt. Aber ich habe in diesen drei Jahren gemerkt, dass die Karte Profi-Radsport für mich persönlich langfristig nicht den gewünschten Erfolg gebracht hätte und so habe ich mich für Studium und Beruf entschieden, was mit Sicherheit die richtige Wahl war.
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BZ: Für die meisten Studenten ist Studieren allein schon Stress pur, ohne Leistungssport und zeitaufwändigen Nebentätigkeiten. Wie habt ihr das gemacht?
Greger: Mit Zeitmanagement, Mut zur Lücke und vor allem einem starken sozialen Rückhalt. Bei mir kommt in den letzten zweieinhalb Jahren noch ein toleranter Arbeitgeber mit flexiblen Arbeitszeiten hinzu. Mit etwas Disziplin und vielleicht auch ein bisschen Talent bekommt man schon einiges auf die Reihe. Aber natürlich gehört auch Verzicht dazu.
Gut: Natürlich wäre ein Leben als normaler Student etwas entspannter, aber das war nie mein Ding. Alle im Team sind Macher und geben sich nicht mit dem Standard zufrieden. Das ist eine Typfrage.
Mayr: Es ist, wie alles, eine Gewöhnungssache. Ich tanze gerne auf mehreren Hochzeiten – und das dann aber trotzdem mit Vollgas. Und wenn man dann den Spagat aus x verschiedenen Tätigkeiten beherrscht, folgt die nächste Stufe.
BZ: Als Fahrer der Racing Students seid ihr maßgeblich an einer neuen Begeisterung für sauberen Radsport beteiligt gewesen. Euer problemloser Übergang ins Berufsleben bestätigt den Erfolg des Konzepts der Racing Students. Wie seht ihr die zukünftige Entwicklung der Mannschaft?
Greger: Wir müssen am Ball bleiben, das Konzept weiter fördern und noch mehr Begeisterung schaffen. Nur wenn wir Unterstützer haben, können wir uns weiterentwickeln. Der Radsport ist eine faszinierende Sportart, welche Anerkennung und Würde verdient. Trotzdem wäre es reizvoll, das Konzept auch auf andere Bereiche auszuweiten. Allem voran steht natürlich der sportliche Erfolg und dass die Mannschaft weiterhin so harmonisch funktioniert wie bisher. Ich glaube, für 2012 stehen die Sterne ganz gut.
Gut: Wir würden das Konzept gerne auf weitere Sportarten ausweiten und nicht nur im Radsport bleiben. Das ist natürlich alles eine Frage der Manpower und des Budgets. Wenn wir die Möglichkeiten haben, werden wir expandieren. Wer uns kennt, weiß, dass wir uns nicht auf den gewonnenen Lorbeeren ausruhen werden.
Mayr: Ich denke, dass man sich in der Sprintvorbereitung etwas umorientieren muss. Wir haben die letzten Jahre oft das Heft recht früh im Rennen in die Hand nehmen müssen, um das gewünschte Sprintfinale zu erhalten. Nun ist das Team viel breiter aufgestellt. Es sind alles komplette Rennfahrer, darauf wurde natürlich beim Bewerbungsverfahren geachtet. Ich denke, dass 2012 das Überraschungsmoment der Vorteil sein wird, den es gilt zu nutzen. Wir sind dadurch viel unberechenbarer geworden.
BZ: Was werdet ihr in Zukunft in Beruf und Freizeit machen? Bleibt ihr dem Radsport und der Familie der Racing Students erhalten?
Greger: Ich bin seit über zwei Jahren bereits als Ingenieur unterwegs und überzeuge meine Vorgesetzten regelmäßig von den Vorzügen eines Leistungssportlers als Arbeitnehmer und werde das in Zukunft noch verstärken. Ich bin jetzt an einem Punkt, an dem ich ein bisschen Gas geben will, um mich auch im Beruf weiter zu entwickeln. Trotzdem will ich der Familie der Racing Students treu bleiben.
Gut: Mit dem Abschluss meines Studiums als Wirtschaftsingenieur bin ich direkt in den Beruf eingestiegen. Seit 1. September bin ich bei der Firma Hiller Objektmöbel für das Qualitäts- und Umweltmanagement tätig. Die Firma Hiller ist eine Tochter der Schneeweiß AG, welche ein Racing-Students-Partner der ersten Stunde ist.
Mayr: Ich schreibe derzeit bei der Firma Stihl in Waiblingen meine Masterthesis im Innovationsmanagement über strategische Geschäftsfelder. Ich gehe davon aus, nach Abgabe der Abschlussarbeit Ende Februar im Großraum Stuttgart meine Berufstätigkeit aufzunehmen. Als Mitgründer der Radrennabteilung im RV Schorndorf bleibe ich dem Radsport natürlich treu. Wir haben die sicherlich härteste Trainingsgruppe deutschlandweit. Die wöchentliche Trainingsausfahrt dort wird mein Wochenhighlight und ich hoffe, die Lizenzfahrer noch eine Zeit lang im Sprint im Griff zu halten. Darüber hinaus habe ich die sportliche Leitung der Racing Students übernommen. Ich bleibe also dem Team erhalten.
Autor: bz


