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12. Juni 2012

Rätselhafter Mord in der Waschstraße

Tatwaffe Wattestäbchen: Improtheater "Spontan brutal" spielte in der Kulturscheune Mengen.

  1. Sorgten für kurzweilige Unterhaltung in Mengen: Die Schauspieler von „Spontan brutal“. Foto: Miriam Dippe

SCHALLSTADT. Theater ja, aber nicht im herkömmlichen Sinn. So lässt sich das unterhaltsame Schauspiel charakterisieren, das dem Publikum in der Kulturscheune in Mengen von der Freiburger Improtheatergruppe "Spontan brutal" geboten wurde. Die Zuschauer bestimmten mit ihren Einwürfen, was gespielt wurde.

Komisch, berührend, ernsthaft und tragisch: So abwechslungsreich kann Theater und vor allem Improvisationstheater sein. Eingeladen dazu hatte der Kulturverein Mengen. "Schon seit 2009 möchten wir das Landleben ein bisschen bunter machen und laden dazu regelmäßig verschiedene Improtheatergruppen ein", so Anna Katharina Hellmuth vom Kulturverein Mengen. Und das gelang mit der neunköpfigen Truppe aus Freiburg perfekt.

"Spontan brutal" ging dann auch das Programm los, gespielt wurde, was das Publikum wollte. Lediglich der Rahmen wurde von der Gruppe vorgegeben. Dabei handelte es sich zunächst um einen Mord – spontan brutal eben. Aber anders als im Krimi zu Hause vor dem Fernseher durfte das Publikum aktiv den Mörder bestimmen, ebenso wie Opfer, Tatort und Tatwaffe. So entschieden die Zuschauer sich phantasievoll für einen Mord in der Waschstraße, mit zwei Wattestäbchen als Tatwaffe. Schwierig – könnte der Laie nun denken. Aber nicht für die Schauspieler von "Spontan brutal". Die sehr gut harmonierende Truppe machte aus diesen Angaben einen Familienausflug in die Waschstraße. Der schwerhörige Vater wurde dort von seiner jähzornigen Tochter, der ihr Vater hochpeinlich war, mit Wattestäbchen ins Jenseits befördert. Anschließend regnete es Süßigkeiten auf der Bühne. Diese hatte die Improtruppe zuvor verteilt, um so dem Publikum die Möglichkeit zu geben, mit Bonbons und Gummibärchen gut gespielte Szenen zu honorieren.

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In der umgebauten Scheune wurden die Szenen jeweils – ebenfalls improvisiert – auf dem Keyboard begleitet und hin und wieder wurde sogar das Gesangstalent der Schauspieler gefordert.

Etwa bei einer kurzen Szene, die im Regen auf einer Straße in der Großstadt spielte. Sie sollte in drei verschiedenen Musikgenres präsentiert werden sollte. Und so wurde die eigentlich nüchterne Szene zum Brüller, denn die Zuschauer wählten drei Musikrichtungen, die gegensätzlicher nicht hätten sein können. Die Operette ließ alles sehr theatralisch erscheinen, der HipHop hingegen sehr cool und der Blues zeigte, dass die Improvisateure ihr Metier wirklich auf Knopfdruck beherrschten.

Autor: Miriam Dippe