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20. November 2009
Ramelow würde Lafontaine gern beerben
Entsetzen bei der Linken
BERLIN. Der Chef der Thüringer Landtagsfraktion der Linken, Bodo Ramelow, zählte bis zum Mittwoch zur Führungsreserve seiner Partei. Dann aber brachte er sich – nur wenige Stunden bevor sich sein Parteichef Oskar Lafontaine einer Krebsoperation unterzog – selbst als dessen Nachfolger ins Spiel. Das machte selbst seine Anhänger sprachlos.
Ramelow hatte am Mittwoch im Gespräch mit mehreren Medien über einen Generationenwechsel bei der Linken sinniert und dabei wissen lassen, dass er sich zutraue, die Bundespartei zu führen. Zwar äußerte er zugleich die Erwartung, dass Lafontaine sich von seiner Operation schnell erholen und weitere zwei Jahre als Parteichef zur Verfügung stehen werde. Aber der gierige Griff nach dem Amt zur Unzeit wird ihm gleichwohl sehr lange als Makel anhaften. Zumal er seine Situation mit ein paar am Operationstag nachgeschobenen Sätzen nicht verbesserte. Im ZDF-Morgenmagazin sagte Ramelow am Donnerstag, es gebe keine Nachfolgedebatte und es sei nicht appetitlich, ihm da Böses zu unterstellen. Gleichwohl könne er sich langfristig durchaus das Amt des Parteivorsitzenden vorstellen.
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Es ist nicht die erste Aktion, mit der sich Ramelow innerhalb der Partei ins Abseits stellte. So bot er nach seinem fulminanten Wahlerfolg in Thüringen der SPD an, auf das Ministerpräsidentenamt zu verzichten, sollte eine rot-rote Koalition an seiner Person scheitern. Das stieß in der Parteispitze auf heftigen Widerstand. Geholfen hat es ohnehin nichts – in Thüringen regiert eine Große Koalition.
Die Parteispitze treibt eine ganz andere Sorge um. Denn natürlich hinterließe Lafontaine ein gefährliches Machtvakuum, sollte er nicht schnell genesen. Gar nicht ausmalen wollen sich einige in der Führungscrew, was denn geschehen würde, wenn er sich zurückzöge. "Das wäre eine Katastrophe", heißt es in der Parteiführung. Denn nur Lafontaine mit seiner Autorität sei in der Lage, die linken "Spinner" in den westlichen Landesverbänden zu integrieren. Sollte Lafontaine abtreten, drohe die Partei im Westen zu zerfallen.
Autor: Thomas Maron
