Coco fährt elektrisch

Michael Lennartz (SP-X)

Von Michael Lennartz (SP-X)

Sa, 08. September 2018

Auto & Mobilität

Interessante Studie: Caravan mit eigenem Antrieb.

Da sage noch mal einer, die Caravaning-Branche sei nicht innovativ. Die zur Erwin-Hymer-Gruppe gehörende Traditionsmarke Dethleffs zeigte auf dem 57. Caravan-Salon in Düsseldorf jüngst ihren neuen Loft-Caravan Coco als revolutionäre e-Home-Studie: der erste Wohnanhänger mit eigenem Antrieb.

Als "Zukunft des Caravans in Zeiten von Elektro-Pkws" bezeichnete Dethleffs-Geschäftsführer Alexander Leopold den e-Home-Coco bei der Weltpremiere. Mit diesem Antriebskonzept entwickle sich die Studie von einem reinen Wohnanhänger zu einem selbst angetriebenen Wohnauto.

Skeptisch? Anhänger mit selbst angetriebenen Achsen gibt es in Deutschland bisher nicht, und was dies für das Zulassungsprozedere bedeuten mag, wird sich zeigen. Zunächst fragt man sich aber: Wozu das Ganze? Tatsächlich zeigt das Konzept Möglichkeiten auf, wie auch im Zeitalter der Elektromobilität das Eigenheim an den Haken genommen werden kann. Darüber hinaus bringt der E-Antrieb am Urlaubsort Vorteile mit sich, und außerhalb des Urlaubs kann der Caravan als Energiespeicher eine Funktion übernehmen.

Der e-Coco ist mit Hochleistungsbatterien, zwei Elektromotoren an der Radnabe und einer elektronischen Steuereinheit ausgestattet. Das gemeinsam mit dem Antriebs- und Fahrwerks-Spezialisten ZF Friedrichshafen entwickelte, intelligente System unterstützt durch seinen eigenen Antrieb das Zugfahrzeug. Durch dieses "Mitfahren" könnten beispielsweise schwere Wohnanhänger auch von kleineren Autos gezogen werden, oder mit dem Blick in die Zukunft auch Gespanne mit Elektro-Pkws noch praxisgerechtere Reise-Reichweiten erreichen.

Ein wichtiger Punkt ist nämlich das elektronisch gesteuerte Zugentlastungsmodul des e-Caravans. Es steuert die beiden Achsmotoren genau so, dass sich die Anhängelast am Kupplungskopf des Zugfahrzeugs selbst bei Bergfahrten auf einem exakt definierten Niveau – zum Beispiel 100 kg – halten lässt. Die Studie vermag mittels Rekuperation die Batterien zudem wieder aufzuladen. Über eine gezielte, rad-individuelle Leistungsverteilung kann außerdem die Fahrsicherheit erhöht werden. In einer Art ESP für Caravans werden Schlingerbewegungen erkannt, und mit einseitigem Anbremsen der Räder wird ein Aufschaukeln unterbunden.

Die einzeln ansprechbaren Antriebseinheiten sind auch am Urlaubsstandort nützlich, denn die Rangierfunktion bis hin zu einer 360-Grad-Drehung auf dem Punkt hilft auf dem Campingplatz, den Caravan ganz bequem in die Parkposition zu bringen. Alle Funktionen an Bord, inklusive Kochstelle, werden mit Strom betrieben. In Kombination mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach sei damit maximale Autarkie sichergestellt, so der Hersteller aus dem Allgäu.