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08. Oktober 2011

Das Auto lernt lesen

Dank moderner Technik verstehen Autos Straßenführung und Schilder.

  1. Der „Sign Assist“ von VW: Er erkennt Verkehrsschilder und blendet entsprechende Grafiken im Cockpit ein. Foto: VW/DPA

Das Auto lernt lesen: Mit Kameras sowie Radar- und Infrarotsensoren erfasst es immer größere Teile seiner Umwelt. So erkennt es, was der Fahrer vielleicht übersehen hätte. "Das gilt für Fahrbahnmarkierungen genauso wie für Verkehrszeichen", sagt Hans-Georg Marmit von der Sachverständigenorganisation KÜS. Waren solche Technologien lange Zeit Oberklasselimousinen vorbehalten, gibt es sie mittlerweile auch in günstigeren Fahrzeugen.

Technisch sind die neuen Assistenten relativ weit entwickelt. Die Verkehrszeichenerkennung zum Beispiel, die vor allem auf einer hinter dem Rückspiegel montierten Videokamera und einer Bild-analyse fußt, liest mittlerweile nicht nur Tempolimits. Sie kann bei einigen Herstellern schon Überholverbote erkennen. "Und mittelfristig werden wir dem Auto auch die Vorfahrtsregeln beibringen", sagt ein Mercedes-Entwickler mit Blick auf den Vorzeige-Versuchsträger aus Stuttgart, die Studie F125.

Auch die Fahrspurerkennung hat sich dramatisch verbessert. Als das System vor mittlerweile fast zehn Jahren eingeführt wurde, gab es nur eine Warnung für den Fahrer. "Die reichte vom Signalton bis zum Klopfen im Sitzkissen", erinnert sich KÜS-Sprecher Marmit. Heute sind die Systeme subtiler. Sie warnen nicht nur, sondern greifen korrigierend ein: "Wir nutzen dafür die Regeltechnik des elektronischen Stabilitätssystems", erläutert Mercedes-Sprecher Michael Allner. "Damit bremsen wir ganz sanft einzelne Räder so ab, so dass der Wagen automatisch wieder auf den richtigen Kurs kommt." Zum gleichen Ziel kommt Audi mit anderer Technologie: Im neuen A6 greife die Elektronik der elektrischen Servolenkung direkt ein und steuere den Wagen alleine zurück auf die Ideallinie, erklärt Pressesprecher Josef Schloßmacher. "Allerdings lässt sich dieser Impuls vom Fahrer jederzeit mühelos übersteuern." Dass solche Systeme bisweilen mit mehreren hundert Euro in den Preislisten der Neuwagen stehen, ficht Experten wie Marmit nicht an. "Schon wenn einem die Verkehrszeichenerkennung das erste Bußgeld erspart hat, sind die Mehrkosten wieder drin. Und ein verhinderter Unfall ist ohnehin mit Geld nicht aufzuwiegen."

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Vollends verlassen sollte man sich auf die Technik aber nicht. In Tests von Fachzeitschriften und Automobilclubs konnten die Systeme nur beschränkt punkten. Und: Verantwortlich ist letztlich immer der Fahrer.

Autor: Thomas Geiger (dpa)