Das Auto sucht sich die Lücke

Thomas Geiger

Von Thomas Geiger (dpa)

Sa, 10. November 2018

Auto & Mobilität

Dank moderner Technik übernimmt das Fahrzeug das Rangieren und erleichtert so das Ein- und Ausparken.

Beim Einparken fährt sie bei vielen mit: Die Angst, an ein anderes Auto zu schrammen – zumindest bei jenen, die keinen Parkassistenten in ihrem Wagen haben. Solche Systeme, die es inzwischen selbst in Kleinwagen gibt, machen das Rangieren zum Kinderspiel und nehmen dem Parken seinen Schrecken.

Waren es anfangs piepsende und blinkende Radar- und Infrarot-Sensoren, sind mittlerweile Kameras die wirkungsvollste Hilfe. Nach hinten schauen sie bis in die Kleinwagenklasse. Teurere Fahrzeuge haben oft auch vorne eine Kamera, und bei immer mehr Modellen werden so auch die Seiten überwacht.

Der Bordcomputer komponiert daraus ein Bild, das den Wagen und seine Umgebung aus der Vogelperspektive zeigt, erklärt Alexander Sellei von Nissan. Immer öfter rangiere das Auto inzwischen aber auch selbst. Ist eine Lücke ausgewählt, muss der Fahrer nur noch Gas geben und bremsen, während die Elektronik lenkt.

In der Oberklasse muss man beim Parken nicht einmal mehr im Fahrzeug sein: Autos wie der Audi A8 kommen dann beispielsweise in eine enge Garage, wenn der Fahrer draußen steht und den Vorgang nur noch am Handy überwacht, erläutert Audi-Sprecher Josef Schloßmacher. Was aktuell nur auf eine Distanz von wenigen Metern und ohne große Lenkbewegungen funktioniert, soll künftig noch komfortabler werden, sagt Volvo-Sprecher Michael Schweitzer. Dafür arbeitet der Hersteller an einem System, bei dem man seinen Wagen an der Einfahrt zum Parkhaus oder zur Tiefgarage in einer Übergabezone abstellt und einfach aussteigt. "Während die Insassen dann schon auf dem Weg zum Abendessen sind, rangiert der Autopilot den Wagen auf einen freien Parkplatz und stellt ihn später wieder bereit, wenn das Essen vorbei ist und der Wagen über das Smartphone angefordert wird", beschreibt Schweitzer die Pläne. Noch sei dies Zukunftsmusik. Pilotprojekte gibt es aber schon, etwa am Flughafen Hamburg vom VW-Konzern oder im Parkhaus des Mercedes-Museums in Stuttgart von Bosch und Daimler. Und der Zulieferer Continental hat die Serienreife für ein solches System bis zum Jahr 2022 angekündigt.

Der Kfz-Experte Hans-Georg Marmit von der Sachverständigenorganisation KÜS hält dieses automatisierte Parken für greifbarer als autonomes Fahren auf Überlandstrecken oder im Stadtverkehr: "Das automatisierte Parken könnte deutlich schneller kommen, weil man sich dort technisch wie juristisch in einem einfacheren Rahmen bewegt." Geparkt werde meist auf privatem Gelände, wo die Straßenverkehrsordnung allenfalls eingeschränkt gelte, die Geschwindigkeiten seien niedrig. Und die Strecken könnten im Vorfeld genau erfasst sowie mögliche Begegnungen mit anderen Autos oder Fußgängern so eingeschränkt werden.