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07. Juli 2012

Das Multi-Kulti-Modell

BZ-VORSTELLUNG: Chevrolet Malibu / Großes Mittelklassemodell mit Elementen aus verschiedenen Welten.

  1. Foto: Chevrolet

  2. Foto: Chevrolet

  3. Der Malibu pflegt die klassischen Linien einer Stufenhecklimousine. Konventionelles Cockpit Foto: werksfotos

Chevrolet fährt in Europa auf einem aufsteigenden Ast. Das macht den Amerikanern Mut. Deshalb krönen sie ihre Modellpalette nun mit einem standesgemäßen Flaggschiff und bringen den Malibu offiziell über den Atlantik.

Wenn das stattliche Modell, das seinen Namen vom Promi-Badeort vor den Toren von Los Angeles hat und seit den Fünfzigern zum amerikanischen Inventar klassischer Limousinen gehört, nun zu Preisen ab 30 000 Euro in den Handel kommt, ist der Malibu der einzige, klassische Amerikaner, den man bei uns noch kaufen kann. Denn Cadillac ist kaum mehr als eine Randerscheinung, und Chrysler hat sich zumindest als Marke vom Markt hierzulande zurückgezogen. Allerdings lebt sie in Form des Lancia Thema dann doch hier weiter.

Doch so richtig amerikanisch ist auch der Chevy nicht. Denn gebaut wird das Auto zumindest für die EU-Märkte in Korea, und unter dem Blech steckt die Plattform des Opel Insignia. Das macht den Malibu zum Multi-Kulti-Modell, das in den Augen seiner Väter das Beste aus drei Welten vereint.

Von den Amerikanern hat der Malibu sein Format von 4,87 Metern Länge und das Design, das bis auf die vom Muscle-Car Camaro inspirierten Rückleuchten und das riesige, golden glänzende Bowtie im Grill allerdings ziemlich unauffällig bleibt. Von den Koreanern hat er den liebevoll und sauber verarbeiteten Innenraum der obendrein mehr Platz bietet als manche Luxuslimousine. Und von Opel hat er den ebenso entspannten wie bestimmten Fahreindruck. Denn der Malibu federt ordentlich, lenkt präzise und ist vor allem erstaunlich leise. Das macht ihn zum perfekten Cruiser, der mit ruhigem Puls und langem Atem auf große Fahrt geht.

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Dafür sind dann auch die Motoren konzipiert, die weniger ein sportliches Engagement nahelegen. Speziell der Benziner. Der hat 2,4 Liter Hubraum und kommt auf 167 PS und 225 Nm. In Verbindung mit dem sechsstufigen Automatikgetriebe ist damit ein Sprint von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde in 10,2 Sekunden möglich. Dennoch wirkt speziell diese Motor-Getriebe-Kombination nicht sehr lebendig.

Als überzeugendere Alternative bietet Chevrolet einen zwei Liter großen Diesel an. Der kommt aus Deutschland und verspricht die deutlich bessere Performance: 160 PS und maximal 350 Nm sollten für eine sportliche Gangart genügen. Und statt mit 7,8 wie der Benziner ist der Selbstzünder obendrein mit 5,3 Litern auf 100 Kilometer (Automatik) zufrieden.

Was durch und durch amerikanisch ist am Malibu, das sind die üppigen Platzverhältnisse und die Ausstattung. Navigation, Klimaautomatik oder elektrisch verstellbare Sitze: Vieles, was man bei der Konkurrenz und auch bei der Schwestermarke Opel extra bezahlen muss, ist bei Chevrolet schon in der Serienausstattung enthalten.

Gute Ausstattung, wenig Assistenzsysteme

Was dafür fehlt, sind die vielen intelligenten Assistenzsysteme des Insignia: Adaptives Kurvenlicht, Verkehrszeichenerkennung, Abstandregelung, Spurführungshilfe – all das kann der Malibu nicht bieten. Aber erstens müssen die zehn bis zwanzig Prozent Preisunterschied ja irgendwo herkommen, zweitens seien die Chevrolet-Kunden für solche Extras zu knausrig, argumentieren die Amerikaner. Und drittens muss es ja auch noch einige Gründe geben, weshalb man den Insignia kaufen soll.

Sicher wird der Malibu hierzulande nicht das Volumenmodell von Chevrolet werden. Dazu ist auch die Konkurrenz zu stark, außerdem gibt es das Auto nicht in der hierzulande gefragten Kombivariante. Als seriöse Alternative darf er dennoch gelten.

Autor: SP-X/BZ