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17. Juni 2017

Ein Auto für alle Fälle

Virtual Reality und Modellbaukasten: Die Welt der Auto-Konfiguratoren.

  1. Virtuelle Auswahl: Bei der Präsentation von Details der Ausstattung setzt Volvo auch auf 3D-Brillen. Foto: Volvo (dpa)

Sechs, zehn, zwölf Baureihen und in jeder Dutzende Karosserie-, Motor- oder Ausstattungsvarianten. Der Weg zum Wunschauto gleicht bei vielen Herstellern einem kniffligen Puzzle. Aufwendige Konfiguratoren sollen den Kunden die Auswahl erleichtern, haben aber Tücken.

Die Preisliste des ersten VW Golf war ein einfaches Faltblatt. Wer heute einen Golf ordern will, blättert durch einen Katalog, dick wie eine Illustrierte und eine schulheftdicke Preisliste. Genauso sieht es beim Polo aus, beim Passat und so weiter. Bei Opel, BMW oder Mercedes ist es nicht anders.

"Noch nie war die Wahl des Wagens so kompliziert wie heute", sagt Hans-Georg Marmit von der Expertenvereinigung KÜS. "Die wachsende Zahl an Baureihen, Karosserie-, Motor- und Ausstattungsvarianten hat die Auswahl nicht nur größer, sondern auch schwieriger gemacht als je zuvor."

Und die Gefahr, einen Fehler zu machen. Denn wer sich in den Tiefen der Auswahl verliert, der bestellt oder vergisst schnell ein paar wichtige Extras, die später den Wiederverkauf erschweren oder den Preis drücken. Damit die Kunden wenigstens halbwegs den Überblick behalten, haben die Autohersteller aufwendige Konfiguratoren programmiert. Mit ihnen können sich die Kunden im Internet oder auch direkt beim Händler ihren Wagen zusammenstellen und entsprechend betrachten.

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Volvo oder Land Rover zum Beispiel spielen mit neuer Technik und holen die Konfiguration mit VR-Brillen (für virtuelle Realität) in die dritte Dimension. Doch zu solchem Hightech gibt es eine Gegenbewegung: "Unsere Modellstrukturen und mit ihnen die Kaufprozesse sind zu kompliziert geworden", sagt Klaus-Gerhard Wolpert, der bei Volkswagen in Wolfsburg die Entwicklung des neuen Polo verantwortet. Für die Kunden, weil sie den Überblick verlieren. Und für den Hersteller, weil er zu hohen Kosten unzählig viele Varianten entwickeln, produzieren und vorhalten muss.

Wenn im Herbst der neue Polo kommt, will Wolpert das Prozedere deshalb deutlich vereinfachen: "Fünf Mausklicks sollen reichen, bis man sein Auto konfiguriert und bestellt hat", sagt er und stellt damit eine stark entzerrte Modellstruktur in Aussicht. Beim Autobauer Ford hält man von all dem virtuellen Zauber ebenfalls wenig. Zumindest nicht beim neuen GT.

Wer das Glück hat, auf die 1000 Positionen lange Kundenliste für den Supersportwagen zu kommen, dem schickt Ford eine Art Luxus-Modellbaukasten, um daheim auspuzzeln zu können, wie der eigene GT werden soll. Das ist emotionaler als jede Computersimulation, sagt Marketingchef Henry Ford III. Zudem profitiert das Unternehmen: Selbst wenn das Paket wahrscheinlich mehr als 100 Dollar kostet, ist es am Ende billiger als die Programmierung eines Konfigurators.

Autor: Thomas Geiger (dpa)