Ein solider Spezialist

Patrick Broich/SP-X

Von Patrick Broich & SP-X

Sa, 09. Dezember 2017

Auto & Mobilität

BZ-VORSTELLUNG: Subaru Impreza / Neuer Kompakter mit Allradantrieb und Boxermotor.

Die Marke Subaru weckt durchaus Emotionen, auch wenn die Modelle inzwischen fast durchweg sehr bodenständig daherkommen. Auch der neue Impreza verzichtet trotz seiner großen Rallyevergangenheit auf optische Sperenzchen und setzt eher auf die Kraft der V

ernunft.

Natürlich verlässt auch der neue Kompakte die japanischen Werkshallen nie ohne Allradantrieb, ein Kennzeichen fast aller Subaru-Modelle. Außerdem bekommt der Kunde zwingend ein Automatikgetriebe, wenn er den Japaner zu Preisen ab 21 980 Euro ordert. Eine Qual bei der Motorenwahl steht nicht zu befürchten, denn es gibt lediglich diese beiden Benziner, die mit einem Gesamtverbrauch von 6,2 respektive 6,6 Litern je 100 Kilometern keine Maßstäbe setzen können. Auf radikales Downsizing und Zylinderschwund haben Subarus Entwickler wohl einstweilen keine Lust, was mancher Interessent begrüßen dürfte.

Die Innenarchitekten haben etwas Passendes zur unaufgeregt-sachlichen Außenhaut kreiert. Hier passt das klassische Analog-Instrument, wenngleich den Infotainment-Fans immerhin auch drei mehr oder weniger große Anzeigefeldern in LCD/TFT-Technik angeboten werden. Eines sitzt zwischen Tacho und Drehzahlmesser, gibt Aufschluss über gefahrene Kilometer und den Status von Assistenten. Ein anderes sitzt hoch auf der Mittelkonsole, informiert über die Klimaeinstellungen oder – noch interessanter – über die momentanen Antriebsaktivitäten des 4x4 oder wahlweise auch die Öltemperatur. Der dritte und größte Monitor im Bunde dient klassisch der Kartendarstellung entweder des integrierten Navis oder aber der Anzeige von Apps, die per Apple Car-Play oder Android Auto gespiegelt werden. Eine aufgeräumte Knöpfchenlandschaft vervollständigt das Bild.

Zum Raumangebot: Mit dem zum Vorgänger um 2,5 Zentimeter gewachsenen Radstand stimmt er auch die Personen der zweiten Reihe etwas milder. Angenehme, indes nicht allzu üppige Sitze korrespondieren mit diesen Freizügigkeiten.

Während man mit dem Impreza unterwegs ist, bleibt der Rallye-Gedanke zunächst im Kopf verhaftet. Doch dafür gibt es bei der zivilen Ausführung keinen Grund. Das Fahrwerk gibt sich kommod, in der neuen Generation erstmals sogar geschmeidig. Wer tendenziell Sportlichkeit schätzt, würde den Japaner sogar eher als weich bezeichnen. Entsprechend sanft schwingt er auf längeren Bodenwellen nach, und auch Querfugen steckt er gelassen weg. Bei den Boxer-Vierzylindern stehen die Zeichen nicht auf überschäumender Dynamik. Die Unterschiede zwischen den beiden Saug-Maschinen mit weitgehend linearer Kraftentfaltung werden indes deutlich. Während der 1,6er bei zügiger Autobahnfahrt schon etwas angestrengt wirkt, agiert der Zweiliter spürbar souveräner und schiebt den Allradler quirlig voran.

Das absolut ruckfreie CVT muss man sich ein bisschen erziehen. Ein gefühlvoller Gasfuß hält die Drehzahlen im Zaum, was Gehör und taktile Wahrnehmung honorieren, denn dann bleibt der Benziner leise. Ein Bleifuß dagegen macht hier keinen Sinn, weil die Drehzahl trotz programmierter Fahrstufen recht prompt in die Höhe schnellt, aber die Beschleunigung nur mäßig ausfällt – der Impreza ist eben kein Sportler. Dafür aber ein guter Kumpel, der einen mit einem Bündel von Assistenten bewacht. Da tummeln sich unter anderem Querverkehr-Warner, Spurwechsel-Alarm und Totwinkel-Piepser. Außerdem arbeitet der Tempomat auf Wunsch adaptiv und bremst herunter (und beschleunigt auch wieder), alles mit Hilfe einer Stereo-Frontkamera.

Ein modernes Auto also, solide, sicher und wahrscheinlich einmal mehr sehr langlebig. Abfinden müssen sich Interessenten allerdings mit einer festgezurrten Ausstattungspolitik. Wer auf Allradantrieb oder Automatikgetriebe verzichten möchte, hat keine Chancen. Für andere wiederum ist das gerade der Grund ihrer Wahl .