Einer, der sich treu bleibt

Michael Lennartz (SP-X)

Von Michael Lennartz (SP-X)

Sa, 13. Januar 2018

Auto & Mobilität

BZ-VORSTELLUNG: Dacia Duster / Auch die neue Generation des kompakten SUV bleibt ein Preisbrecher.

Preiswerter kann man immer noch nicht SUV fahren: Der Duster, seit acht Jahren eine feste Größe bei Dacia, startet jetzt in die zweite Generation, die bei nur moderaten äußerlichen Veränderungen vieles besser machen soll.

Nach fast acht Jahren und über zwei Millionen weltweit abgesetzter Duster-Modelle ist es Zeit für eine Ablösung. Das preiswerte Sport Utility Vehicle (SUV) behält auch zum Start der zweiten Generation seinen Nimbus als Preisbrecher und ist zu Tarifen ab 11 290 Euro erneut als günstigster Vertreter seiner Art zu haben.

Das hieß aber für die Entwickler auch: Radikales Umkrempeln sollte beim Generationswechsel tunlichst vermieden werden. Und so hat Laurens van den Acker, der Chefdesigner der Renault-Nissan-Allianz, so behutsam Hand angelegt, dass sich die neue Pracht dem Betrachter auf einen ersten flüchtigen Blick kaum erschließt. Und obwohl kein einziges Karosserieteil vom Vorgänger übernommenen worden sein soll, ist er genauso lang und genauso breit der Vorgänger. Bei genauer Inspektion zeigt sich eine breitere Front mit weit nach außen gerückten Scheinwerfern, ein mit acht verchromten Viereckelementen versehener Kühlergrill, ein etwas höher gezogener, leider nur optischer Unterfahrschutz, die etwas angehobene Fensterlinie der seitlichen Schulter, breiter ausgestellte Radkästen mit 17-Zoll-Rädern und eine markantere Heckpartie.

Dass die Windschutzscheibe zehn Zentimeter nach vorne gerückt ist und jetzt etwas flacher steht, kommt einem großzügigeren Raumgefühl zugute. An Kopf- und Beinfreiheit mangelt es weder vorne noch hinten, und selbst Erwachsene überstehen als Hinterbänkler längere Touren weitgehend ohne Zwangskuscheln. Auch am Ladevolumen gibt es keine Kritik.

Da in dieser Preisklasse nun mal kein feines Cockpit in Lack und Leder zu erwarten ist, muss sich der Dacia-Fahrer mit einer schwarzen Plastiklandschaft abfinden. Aber die Franco-Rumänen haben den Oberflächen etwas Struktur verpasst und sogar teilweise unterschäumt, so dass man sich durchaus wohlfühlen kann.

Wirkungsvollste Neuerung ist das Touchscreen-Multimediasystem mit dem zwar etwas höher, aber immer noch zu tief platzierenden 7-Zoll-Bildschirm. Premiere hat bei Dacia die Multiview-Kamera. Erstmals kann im Duster optional auch eine Klimaautomatik bestellt werden, ist ein schlüsselloser Zugang möglich, ein Toter-Winkel-Warner an Bord und erhöhen serienmäßige Windowbags auf beiden Seiten die passive Sicherheit für die Passagiere.

Im Gegensatz zu einer Vielzahl seiner Rivalen beschränkt sich Dacia nicht nur auf Frontantrieb. Zwar beweist der hochbeinige Rumäne auf steinigen Pisten, dass man dank 21 Zentimeter Bodenfreiheit auch schon mit allein angetriebenen Vorderrädern weit kommt. Der optional für etwa 1900 Euro Mehrpreis angebotene variable Allradantrieb kann allerdings noch viel mehr und profitiert dabei in besonderem Maße von der zum 4x4-Lieferumfang gehörenden Bergabfahrhilfe, die ebenso wie die schon in den Basis-Versionen serienmäßige Berganfahrhilfe neu im Duster-Programm ist.

Basis-Benziner ist der bekannte 1,6-Liter-Vierzylinder-Sauger, der in puncto Effizienz und einem Normverbrauch von 6,6 Litern hinter dem 1,2-Liter-Vierzylinder mit Benzindirekteinspritzung und Turbolader und 6,2 Litern normiertem Konsum zurücksteht. Genügsamer sind die beiden Selbstzünder-Aggregate, die freilich einen Nachteil haben: Die in der aktuellen Diesel-Diskussion angeratene SCR-Kat-Abgasreinigung für die Stickoxide ist für die Euro-6-Aggregate noch nicht verfügbar. Da muss spätestens bis September 2018 für Nachbesserung gesorgt werden.