Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

06. Oktober 2011 19:13 Uhr

Ursachenforschung

Freiburg: Zahl der Staus nimmt zu – nicht alle lassen sich erklären

Stillstand und Stopp-and-Go – Zustände, an denen sich Autofahrer in den vergangenen Wochen in Freiburg gewöhnen mussten. Oft sind Großbaustellen der Grund. Aber nicht nur.

  1. Weniger Fahrspuren durch Baustellen: Auf der Basler Straße gibt es derzeit immer wieder Behinderungen, ebenso auf der Ost-West-Achse der B31. Doch nicht für jeden Stau lässt sich eine Ursache finden. Foto: Ingo Schneider

Wer mit dem Auto auf Freiburgs Hauptverkehrsachsen unterwegs ist, hat das in den vergangenen Wochen oft erlebt: Stillstand oder Stopp-and-Go. Die Zahl der Verkehrsbehinderungen auf der B31-Ost-West-Achse hat stark zu genommen, auch auf der Basler und Heinrich-von-Stephan-Straße hakt es. Der Grund sind Großbaustellen, mehr Verkehr, aber auch fehlende Ausweichstrecken. Und es gibt auch etliche Staus, für welche die Verkehrsplaner keine logische Erklärung parat haben.

Am vergangenen Dienstag war die Stadtdurchfahrt der Bundesstraße 31 mal wieder verstopft. Es ging kaum noch vorwärts. Die Baustelle auf der Schwarzwaldstraße war nicht schuld, auch von einem Pannenfahrzeug wurde nichts bekannt. Die Verkehrsplaner im Garten- und Tiefbauamt (GuT) kontrollierten schnell, ob vielleicht mit einer Ampelschaltung etwas nicht stimmte. Doch es war alles in Ordnung. "Es gibt immer wieder solch merkwürdige Situationen", berichtet Hermann Hahn, der im GuT die Baustellen koordiniert.

Minimale Störung – große Wirkung

Hahn ist sich mit Karl-Heinz Schmid, dem Sprecher der Polizeidirektion Freiburg, einig: An den Hauptachsen hat schon jede minimale Störung große Auswirkungen. In der vergangenen Woche kollabierte der Ost-West-Verkehr, weil an der Schreiberstraße nahe der Kronenbrücke ein Kran aufgebaut wurde. Der Rückstau zog sich zurück bis in die beiden B31-Tunnel. Der Tunnel wurde dann zeitweise geschlossen – mit Rücksicht auf die Autofahrer, erklärt Tunnelmanager Heinz Haag: "Es ist nicht angenehm, eine Stunde im Tunnel im Stau zu stehen." Besser sei es, dass die Autofahrer im Freien und damit vor dem Tunnel warteten.

Werbung


Wobei: Dass die Ampel an den Tunneleingängen auf Rot geschaltet wird, komme nur ganz selten vor, sagt Haag. Meist reiche gelbes Warnlicht, ein Überholverbot und eine Temporeduzierung aus.

Fest steht: Der Verkehr auf der B31-Stadtdurchfahrt hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen – vor allem auch der Schwerlastverkehr, wie die Bürgerinitiative Dreisamufer immer wieder beklagt. Am Tunnel werden alle Fahrzeuge automatisch gezählt. Im August 2011 – das sind die aktuellen Zahlen, die vorliegen – passierten täglich im Schnitt 38 423 Fahrzeuge die B31, rund 3000 mehr als noch vor fünf Jahren. Einen solchen Zuwachs weisen nur wenige Straßen in Baden-Württemberg auf. Zum Vergleich: 1995 waren an dieser Stelle nur rund 15.500 Fahrzeuge gezählt worden.

Verschärft Vorrangschaltung für Trams die Lage?

Gebremst hat den Verkehr teilweise auch die Baustelle auf der Schwarzwaldstraße. Die Arbeiten sollen Ende Oktober abgeschlossen sein. Auf der Süd-Nord-Achse sorgt die Baustelle an der Heinrich-von-Stephan-Straße, die auch in die Basler Straße hineinragt, für Staus. Bis im März soll der vierspurige Ausbau der Heinrich-von-Stephan-Straße abgeschlossen sein, so Baustellenplaner Hahn. Ob die Vorrangschaltung für Straßenbahnen an den Kreuzungen das Problem verschärft, wie viele Autofahrer glauben, bleibt offen.

"Unser Problem ist, dass wir keine leistungsstarken Parallelstraßen haben", meint Hahn. So ist die Kartäuserstraße mit der Eröffnung des B31-Tunnels 2002 zurückgebaut worden. Derzeit dient die Straße als Umleitung für die Baustelle auf der Schwarzwaldstraße – allerdings nur im Einbahnverkehr.

Was bleibt, sind verärgerte Autofahrer. "Ich habe viele neue Schimpfwörter kennen gelernt", so Tunnelmanager Haag über die Reaktionen auf die Tunnelsperrung in der vergangenen Woche. Die Aussichten werden nicht besser. Im kommenden Jahr wartet eine weitere stauträchtige Dauer- und Großbaustelle. Dann muss der Schlossbergring saniert werden. Einen sicheren Tipp zur Stauvermeidung hat Verkehrsplaner Hahn: "Auf Busse und Straßenbahnen umsteigen."

Mehr zum Thema:

Autor: Joachim Röderer