Kissen für den Notfall

Thomas Geiger

Von Thomas Geiger (dpa)

Sa, 21. April 2018

Auto & Mobilität

Die Autohersteller entwickeln neue Airbags für noch mehr Sicherheit.

Obwohl der Verkehr immer dichter wird, sinkt die Zahl der Unfallopfer kontinuierlich. Das liegt auch an der Sicherheitsausstattung und vor allem am Airbag. Dessen Entwicklung ist noch nicht am Ende. Die Industrie tüftelt an neuen Luftkissen.

Noch nie in den vergangenen 60 Jahren sind nach Erhebungen des Statistischen Bundesamtes so wenige Menschen auf deutschen Straßen ums Leben gekommen wie 2017. "Assistenzsysteme und insbesondere die Airbags erweisen sich als wirkungsvolle Lebensretter", nennt Hans-Georg Marmit von der Sachverständigenorganisation KÜS einen Grund.

Selbst wenn in einigen Autos vor allem in der Oberklasse bereits ein knappes Dutzend Airbags verbaut sind, finden die Hersteller noch immer kleine Sicherheitslücken, die mit neuen Prallkissen gestopft werden können. Eine Lösung könnte der Mittel-Airbag sein, den der Zulieferer ZF in Friedrichshafen entwickelt hat. Dieser so genannte Center-Airbag entfaltet sich aus der oberen Hälfte der Sitzlehne und legt sich beim Seitenaufprall zwischen die Passagiere. Das verhindert, dass die Insassen gegen den Nachbarn oder dessen Sitz prallen und sich dadurch auch auf der dem Unfall abgewandten Seite verletzen.

Ebenfalls ein neuartiger Airbag ist bei Hyundai in Entwicklung. Er legt sich im Falle eines Überschlages wie ein Vorhang vor das gläserne Panoramadach. "Damit schützen wir die Passagiere vor schweren Kopfverletzungen und verhindern, dass jemand durch das offene Dachfenster aus dem Auto geschleudert wird", erläutert Pressesprecher Bernhard Voß.

Während Hyundai noch keine Angaben zur Serieneinführung macht, kann man den ersten Center-Airbag bereits kaufen: Er wird seit dem Herbst in der neuen Generation des Audi-Flaggschiffs A8 angeboten. Allerdings schützt er in der Luxuslimousine nicht die Front-, sondern die Fondpassagiere, sitzt hinter der Hutablage und schießt bei Bedarf zwischen den Einzelsitzen hervor, sagt Audi-Sprecher Josef Schloßmacher.

Wenn Autobauer an Airbags denken, haben sie aber nicht nur Insassen im Sinn. Sie entwickeln auch sogenannte Außen-Airbags, die Fußgänger oder Radfahrer vor Kollisionen schützen sollen. Bis auf einen Luftsack in der Motorhaube des Volvo V40, der Fußgänger bei einem Unfall vor A-Säulen und der Frontscheibe schützen soll, hat es aber noch kein System in Serie geschafft.

Das autonome Auto stellt die Entwickler unterdessen vor Probleme. Denn ein Reiz des selbstfahrenden Autos liege darin, dass die Insassen ihre Sitzposition im Wagen freier gestalten können. "Und solange wir keinen unfallfreien Verkehr garantieren können, brauchen wir Airbags, die mit solchen Situationen umgehen können", meint ZF-Sprecher Christoph Horn.