Bagatellschäden

Kleine Delle, großer Ärger

Claudius Lüder

Von Claudius Lüder (dpa)

Sa, 07. Juli 2018 um 11:47 Uhr

Auto & Mobilität

Unübersichtliche Parkplätze, ein Hindernis im toten Winkel: Kleine Dellen, Kratzer oder Macken können Autofahrer leicht verursachen. Solche Schäden sollten korrekt abgewickelt werden.

Dazu zählt, dass der Verursacher sich nicht einfach aus dem Staub macht und dass Fotos von den Beschädigungen gemacht werden. "Das Wichtigste ist, immer die Daten auszutauschen, egal wie groß oder klein der Schaden auch sein mag", sagt Jens Dötsch, Fachanwalt für Verkehrsrecht.

"Wenn der Fahrer des beschädigten Fahrzeugs nicht vor Ort anzutreffen ist, sind Sie laut Paragraph 142 Strafgesetzbuch dazu verpflichtet, eine angemessene Zeit auf den Fahrer zu warten", sagt Holger Küster vom ACV Automobil-Club Verkehr. Taucht der Geschädigte nicht auf, sollte der Verursacher die Polizei informieren. Wenn so etwas auf dem Parkplatz eines Kaufhauses passiert, könne man auch versuchen, den Halter ausrufen zu lassen.

Der berühmte Zettel an der Windschutzscheibe reicht nicht aus. Auch wenn hier guter Wille gezeigt wird: Der Verursacher macht sich mit einem einfachen Zettel strafbar. "So ein Zettel kann wegfliegen und ist daher nicht sicher genug, um den Geschädigten zu informieren", so Dötsch. Auch könne ein Zettel oder eine Visitenkarte von einer anderen Person entfernt werden. Wer sich auf einen Zettel verlässt, riskiere eine Strafanzeige wegen Fahrerflucht. Der Führerscheinentzug droht, wenn sich der Verursacher vom Unfallort entfernt, obwohl er einen bedeutenden Schaden verursacht hat", sagt Dötsch. Als Richtwert gelte hier ein Wert von 1500 Euro. "Es ist daher dringend zu empfehlen, auf den Geschädigten zu warten oder eben die Polizei zu rufen, um sich abzusichern."

Eine gesetzlich festgelegte Zeit, die man am Unfallort warten muss, gibt es nicht. Das hängt auch von der Zumutbarkeit und Faktoren wie Witterungsbedingungen, der Schwere des Schadens und der Chance ab, den Geschädigten anzutreffen. "Bei einem leichten Parkunfall auf dem Kaufhausparkplatz sollte der Verursacher etwa 30 Minuten warten", erklärt Küster. Bei einem schweren Parkschaden könnten demnach auch bis zu zwei Stunden als zumutbar gelten.

Wenn man ein anderes Auto berührt hat, aber keinen Schaden erkennen kann, muss man trotzdem den anderen informieren. "Der Schaden kann ja für einen Laien auch gar nicht sichtbar sein, daher darf man sich in so einem Fall nicht nur auf das eigene Urteil verlassen", sagt Dötsch. Der andere muss die Möglichkeit haben, sich selbst ein Urteil zu bilden. Ist er auch der Ansicht, dass nichts passiert ist, könne die Sache abgehakt werden.