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12. August 2017

Nachhilfe für die Helfer

Erhöhte Sicherheit: Viele Assistenzsysteme im Auto lassen sich nachrüsten.

  1. Abstand halten: Einparkhilfen aus dem Zubehörhandel können Schäden am Auto vermeiden. Foto: Mazda/dpa

Navi, Notruf, Lichtsensor: Neuwagen ohne Assistenzsysteme gibt es praktisch nicht mehr. Doch auch in immer mehr Gebrauchte ziehen die Helfer ein. Denn es gibt Nachrüstlösungen. Allerdings mit sehr großen Unterschieden bei Qualität und Funktionsumfang.

Einparkhilfen, Regen- und Lichtsensoren oder Tempomaten sind laut TÜV Süd im Zubehörhandel zu haben, teilweise für unter 100 Euro zuzüglich Einbau. "Solche Systeme sollten unbedingt in einer Fachwerkstatt eingebaut werden, da die Elektronik des Autos sonst beeinträchtigt oder sogar zerstört werden kann", rät Marcel Mühlich vom Auto-Club Europa (ACE). Ordentlich installiert könnten Nachrüstungen aus dem Zubehörhandel zufriedenstellend funktionieren. Das gelte auch für schwieriger einzubauende Systeme wie einen Totwinkelwarner. Wie die Originalsysteme der Hersteller arbeiteten diese zuverlässig, wenn Radarsensoren zum Zuge kämen.

Doch der Experte zieht eine Grenze: "Komplexe Systeme wie Spurhalte- oder Notbremsassistenten können nur vom Hersteller abgestimmt werden, denn sie müssen auf viele Sensoren und Daten aus dem Steuercomputer des Fahrzeugs zurückgreifen." Zudem sei eine aufwendig auf das jeweilige Fahrzeug abgestimmte Software nötig, die der Zubehörhandel nicht bieten könne. Vergleichsweise einfach ist oft auch der Tempomat zu aktivieren, wenn das Auto dafür vorbereitet ist: "Sollten Sie ein Auto mit elektronisch geregeltem Gaspedal besitzen, reicht oft schon das alleinige Aufspielen einer Software", sagt ACE-Experte Mühlich.

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Vorsicht geboten ist bei vielen Helfern, die mit dem Smartphone oder mit aufgerüsteten Nachrüstnavis digitalen Wind ins Cockpit bringen sollen. Versprechen Apps, über die Handykamera die Fahrbahn zu beobachten, um den Fahrer bei Verlassen der Spur oder Überfahren von Markierungen warnen zu können, so ist darauf laut Mühlich kein Verlass: "Von Lösungen, die mit dem Smartphone zusammenarbeiten und die Sicherheit erhöhen sollen, ist abzuraten." Zwar erkennen viele Lösungen gestrichelte oder durchgezogene Linien, doch können sie oft nicht unterscheiden, ob ein Spurwechsel beabsichtigt ist oder nicht – wovon abhängt, ob die Warnung wirklich Sinn ergibt.

Anders die Systeme vom Autohersteller: So unterscheidet der Spurwechselassistent anhand eines gesetzten Blinkers zwischen Absicht und Versäumnis. Genauso wenig können sich Nachrüstgadgets per Vibration über das Lenkrad melden, was bei vielen ab Werk gebauten Lösungen der Fall ist. "Beispielsweise fehlen den Spurhalteapps wichtige Informationen wie die des Lenkeinschlags, um zuverlässig warnen zu können", so Mühlich: "Und aktiv eingreifen, wie die Spur korrigieren, können solche Systeme überhaupt nicht."

Autor: Stefan Weißenborn (dpa)