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01. Februar 2012 20:50 Uhr

Gefährliches Spiel, tödlicher Ernst

Straße als Rennstrecke: Raser kennen das Risiko – und ignorieren es

Zwei Menschen sterben am 23. Januar auf der B 3 bei Denzlingen in den Flammen ihrer Autos. Nach einem illegalen Autorennen? Die Polizei ermittelt. Immer wieder verabreden sich Geschwindigkeitsjunkies zu Wettfahrten. Verbote schrecken kaum.

  1. Rausch der Raserei: Autorennen virtuell Foto: dpa-tmn

Alles ging gut damals. Die Männer warteten bis Sonnenuntergang. Um zehn Uhr begann es, das Rennen, in einer Sommernacht vor einigen Jahren. Zehn Fahrer drehten ihre Zündschlüssel um und drückten das Gaspedal ins Bodenblech. Zuerst raste der Pulk in Richtung Schwarzwald, über gewundene Landstraßen nach Freiamt. Dann ging es weiter ins Elsass, mit röhrenden Motoren und quietschenden Reifen.

Sie hielten sich ans Tempolimit. Innerorts. Am Anfang jedenfalls. "Irgendwann lässt man das aber, wenn man durch sieben, acht Dörfer fährt und jedes nur aus zwei Häusern besteht", sagt einer, der dabei war und seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, weil er weiß, dass solche Autorennen verboten und gefährlich sind. "Es ist totaler Schwachsinn", sagt er, "aber ich habe trotzdem mitgemacht. Es ist faszinierend, etwas zu beherrschen, was eigentlich nicht beherrschbar ist."

"Leider hört der Tacho bei Tempo 260 auf" Ein Tuning-Kunde
Rasen ist Autofahren im Grenzbereich. Rennfahrer üben auf abgesperrten Rennstrecken, ohne Gegenverkehr. Andere kacheln über öffentliche Straßen. Immer wieder sterben Menschen bei gefährlichen Fahrmanövern – zuletzt am 23. Januar auf der B3 zwischen Gundelfingen und Denzlingen, als zwei übermotorisierte Sportwagen in Richtung Freiburg bretterten. Einer der Raser, ein 38-jähriger Franzose in einem 700-PS-Audi, kam von der Straße ab, flog über die Mittelleitplanke und krachte in einen entgegenkommenden Opel Corsa. Der Mann starb – ebenso wie die Opel-Fahrerin, eine junge Frau auf dem Weg nach Hause.

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Die Polizei will nicht ausschließen, dass der Horrorcrash die Folge einer halsbrecherischen Wettfahrt war. "Wir haben Hinweise, dass es sich um ein Rennen gehandelt haben könnte", sagt Polizeisprecher Karl-Heinz Schmid. Beide Fahrer sollen sich gekannt haben und wenige Minuten vor dem Crash den Hof einer Tuning-Werkstatt im Emmendinger Umland verlassen haben. Die Ermittlungen laufen.

Das Unternehmen ist spezialisiert darauf, Autos nicht nur schneller aussehen zu lassen. Es hat einen Ruf in der Szene. Die Anhebung der Maximalgeschwindigkeit, schreibt ein begeisterter Kunde im Online-Gästebuch, habe funktioniert. Und ergänzt: "Leider hört der Tacho bei 260 Stundenkilometer auf." Der Besitzer der Werkstatt will sich zum Unfall nicht äußern. "90 Prozent meiner Kunden", sagt er, "haben ihr Fahrzeug noch nie im Grenzbereich bewegt." Er selbst fahre seit Jahren Autos mit mehr als 500 PS Leistung und habe keinen einzigen Punkt in Flensburg. "Nehmen Sie einen Golf TDI mit 140 PS, wie es ihn tausendmal gibt", sagt er, "mit dem können Sie auch rasen."

Ein Fahrzeug von der Stange – viele Autofans wollen das nicht. Sie lackieren ihr Fahrzeug neonfarben, ziehen Breitreifen auf, verstauen wattstarke Stereoanlagen unter der Heckscheibe, schrauben Spoiler ans Dach. Sie treffen sich auf Messen wie der Tuning & Sound Convention, die am Wochenende auf dem Freiburger Messegelände stattfindet.

Es gibt begeisterte Bastler, die in mühevoller Kleinarbeit Auto-Antiquitäten vor dem Schrottplatz retten, Menschen wie den 35-jährige Frank Zoller aus Kenzingen, der schon über 1000 Arbeitsstunden in einen Opel Manta aus dem Jahr 1972 gesteckt hat und hofft, in diesem Jahr endlich fertig zu werden. Es gibt Schrauber-Vereine wie die "Autofreunde Schwarzwald", die in ihrer Satzung einen Passus gegen das Rasen haben und vor ein paar Jahren ein Mitglied rauswerfen mussten, weil sein Gasfuß zu schwer war und er bei gemeinsamen Ausfahrten immer zu dicht auffuhr. "Der hat einfach nicht zu uns gepasst", sagt Vereinsmitglied Dominik Bea.

Und es gibt die Raser. Die Bleifüße. Die Zahl der Verkehrstoten ist im letzten Jahr zum ersten Mal seit 20 Jahren gestiegen. In den Landkreisen Ortenau, Emmendingen, Waldshut, Lörrach und Breisgau-Hochschwarzwald starben 2011 insgesamt 71 Menschen im Straßenverkehr; im Jahr 2010 waren es 59. Die Gründe? "Rasen und Alkohol sind die Dauerbrenner", sagt Polizeisprecher Schmid. Und fügt an: "Das sind Tragödien. Die Kollegen von der Verkehrspolizei blicken in Abgründe, wenn sie Todesnachrichten überbringen."

"Unfälle schrecken die Leute nicht ab," sagt ein 25-jähriger Nordbadener, der anonym bleiben will. Er schraubt nicht nur gerne an seinem Auto herum, er drückt auch gerne mal das Gaspedal durch, kam schon mit über 250 Sachen in eine Polizeikontrolle. Er verabredete sich auch schon mal mit Freunden zu einem Rennen "Der Reiz", erzählt er, "ist die Beschleunigung, die Geschwindigkeit, die Fliehkraft in den Kurven. Und man will natürlich als Erster durchs Ziel kommen."

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Autor: Patrik Müller