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12. November 2011

Transatlantische Verwandlung

In der Kooperation mit Chrysler will sich Lancia neu aufstellen – zum Beispiel mit Thema und Voyager.

  1. Der Lancia Thema präsentiert sich als stattliche Limousine mit gefälligem Interieur. Der Voyager ist ein Chrysler-Wiedergänger mit Lancia-Label. Foto: werk

  2. Foto: werk

  3. Foto: werk

Mit Superlativen wie "einzigartig, formvollendet, großartig" geizen sie nicht, die Vertreter der italienischen Traditionsmarke Lancia, wenn es um ihre neue Mittelklasselimousine Thema geht, die heute in den Handel kommt.

Dementsprechend hoch sind die Erwartungen, wenn die praktische Erprobung des stattlichen Fahrzeugs ansteht. Bekannt ist, dass es sich bei dem Thema um keine gänzliche Neuentwicklung handelt, sondern dass ein modifzierter Chrysler 300 nun unter italienischer Flagge fährt.

Das Karosseriedesign wirkt nicht mehr so brachial wie zuvor. Die 5,07 Meter lange und 1,90 breite Limousine sieht gewiss nicht übel aus. Kurze Überhänge, gute drei Meter zwischen den Achsen, 20–Zoll-Felgen sowie schöne Leuchten sorgen dafür, dass wir im Straßenverkehr von den anderen Verkehrsteilnehmern interessiert begutachtet werden.

Lancia bietet drei Motoren an. Zwei Diesel und einen Benziner. Bei den Aggregaten handelt es sich allesamt um Sechszylinder. Die Diesel stammen von dem Fiat eigenen Zulieferer VM Motori, der 3,6-Liter-Benziner mit 210 kW/286 PS ist von Chrysler. Dieser verfügt über eine Achtgang-Automatik von ZF. Die Selbstzünder (140 kW/190 PS oder 176 kW/239 PS) sind noch an eine Fünfgang-Automatik gekoppelt. Im Laufe des nächsten Jahres sollen aber auch sie das ZF-Getriebe erhalten.

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Zu ersten Testfahrten stand der stärkere Diesel bereit, der in Deutschland mutmaßlich der Volumenmotor sein wird. Er ist zwar kein Sportler, überzeugt aber durch Laufruhe und gelassene Kraftentfaltung. Kraft hat er mit seinem maximalen Drehmoment von 550 Nm genug.

Fürs Geld gibt es vergleichsweise viel Ausstattung. Der ab 41 400 Euro erhältlich Thema verfügt ab Werk über ein ordentliches Komfortniveau mit Zweizonen-Klimaautomatik, 18-Zoll-Felgen, Ledersitzen und einer Rückfahrkamera. Die Topversion für 50 100 Euro bietet unter anderem 20-Zoll-Felgen, beheizbare Rücksitze, Navi sowie eine kleine Auswahl an Assistenzsysteme wie Totwinkel-Warner oder Abstandsregelautomat.

Die Ledersitze sind komfortabel, die Instrumente schön gestaltet und das Platzangebot ist gut. Allerdings ist das Gepäckvolumen mit 462 Litern eher unterdurchschnittlich. Rund 1000 Lancia Thema hofft man jährlich in Deutschland verkaufen zu können. Dabei wird sich zeigen, ob Interessenten die transatlantische Kooperation des Fiat/Chrysler-Konzerns goutieren und dem Fahrzeug eine eigene Identität attestieren.

Zur Neuformierung von Lancia zählt auch ein Van. Es ist der Voyager, der unter gleichem Namen schon einmal als Chrysler fuhr. Die 5,22 Meter lange Großraumlimousine füllt nun die Angebotslücke, die sich mit dem Einstellen des Phedra 2010 ergab. Zu Preisen ab 39 990 Euro steht der in Kanada produzierte, als Lancia feingemachte und mit einer umfangreichen Serienausstattung versehene Van bei den Händlern.

Der Voyager ist kein neues Modell. Bereits seit 2008 ist die fünfte Generation des Siebensitzers auf dem amerikanischen Markt erhältlich. Für seinen Einsatz in Europa erhielt das Fahrzeug eine Modellpflege. Dazu zählen unter anderem Modifikationen am Fahrwerk sowie eine verbesserte Qualitätsanmutung im Innenraum. Geblieben sind dagegen die zwei Schiebetüren.

Durch Modellpflege vom Chrysler zu Lancia

Der neue Kühlergrill sowie die geänderte Leuchten sollen ihn auf den ersten Blick als Mitglied der Traditionsmarke Lancia erkenntlich machen. Der erste Eindruck bleibt: groß und wuchtig.

Zwei Motoren stehen zur Wahl. Der 2,8-Liter-Diesel mit 120 kW/163 PS und 360 Nm dürfte mit Abstand die meisten Kundenbestellungen auf sich vereinen. Mit einem Durchschnittsverbrauch von 7,9 Litern ist er vergleichsweise sparsam. Bei ersten Testfahrten hielt er sich nicht ganz an die Vorgaben, knapp neun Liter zeigte der Bordcomputer. Der Sechszylinder-Benziner mit 211 kW/287 PS, der wie der Selbstzünder mit einer Sechsgang-Automatik gekoppelt ist, erreicht zwar eine höhere Endgeschwindigkeit, dürfte aber in Deutschland auch wegen seinen Dursts (10,8 Liter) ein Exot bleiben. Apropos Exot: Ein solcher will der italienische Amerikaner nicht sein. Pro Jahr sollen 2500 bis 3000 Voyager das Geschäft der Lancia-Händler beleben.

Autor: Elfriede Munsch/SP-X